Die Schweiz ist auf Importe angewiesen

In Brasilien wird auf riesigen Flächen Soja angebaut - auch für die Schweiz. Ulrico Feitknecht, selbst Bauer und Präsident vom Schweineproduzentenverband Suisseporcs, war zu Besuch in Südamerika.

Image Die Schweiz ist auf Importe angewiesen

Soja ist ein unverzichtbarer Rohstoff bei der Herstellung von Futtermitteln für Nutztiere. Hauptlieferant für die Schweiz ist Brasilien. Bei einem Besuch vor Ort konnten sich die Vertreter des Soja-Netzwerks Schweiz, dem auch die Migros angeschlossen ist, ein Bild von den Produktionsbedingungen machen.

Ulrico Feitknecht, verglichen mit ihrem Hof sind das ganz andere Dimensionen. Waren Sie erschrocken?

Nein! Für mich als Bauer ist das faszinierend. Ich wäre am liebsten selbst auf so einen Mähdrescher gehockt - für eine Woche. Manchmal sind wir ein bisschen überheblich. Wir betonieren in der Schweiz pro Sekunde einen Quadratmeter Boden zu und machen den Brasilianern Vorwürfe, weil sie Wald roden, um sich ein Einkommen zu verschaffen.

Aber die auf Monokulturen ausgelegten brasilianischen Betriebe belasten die Umwelt.

Die brasilianischen Behörden haben das Problem erkannt, sie erlassen Gesetze gegen illegale Rodungen und zum Schutz der Biosphäre. Und sie nutzen die Ressourcen effizient. Aber es stimmt schon, Brasilien hat ein Problem, weil es Soja und Mais auf gigantischen Flächen anpflanzt. Auf dem Weltmarkt geht das nicht anders.

Davon profitieren Sie aber auch, Sie kommen zu billigem Soja, mit dem Sie Ihre Schweine füttern können.

Gewiss. Aber wir arbeiten daran, das Soja zu ersetzen. Ich persönlich möchte mittelfristig das Futter selber produzieren. Natürlich ist es am einfachsten, Soja auf dem Weltmarkt zu kaufen. Aber: Wer weiss, was in zehn Jahren ist? Brasilien ist im Moment der einzige Lieferant für Soja, das nicht gentechnisch-verändert ist. Wir müssen deshalb neue Anbaugebiete erschliessen, etwa in Rumänien oder in der Ukraine.

Und was ist mit dem Konsumenten? Ist er im Weltmarkt zum Spielball geworden?

Ganz und gar nicht. Denn der Konsument entscheidet, indem er kauft oder nicht, und prägt damit das System mehr als die Agrarpolitik. Wenn Sie Wein trinken, schauen Sie doch auch, aus welcher Region er stammt und wer ihn produziert hat. Warum tun wir das beim Essen nicht?

Interview Alexandra Stark

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