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Migros - Ein M besser

Ein Sieger – so oder so

Nach einer Krebsdiagnose schöpfte Luca Grossenbacher Kraft beim Gedanken, bald wieder seiner grossen Leidenschaft, dem Skifahren, nachzugehen. Heute geht es dem Elfjährigen besser – und beim Grand Prix Migros fährt er vorne mit.

Text Pierre Wuthrich
Fotos Daniel Winkler
Luca Grossenbacher trainiert für sein «Heimspiel» beim Grand Prix Migros an der Lenk.

Ob dicke Flocken, starker Wind oder heiter Sonnenschein – Luca Grossenbacher (11) liebt das Skifahren. «Am meisten gefällt mir, dass jede Abfahrt anders ist», sagt der junge Athlet, der an der Lenk im Berner Oberland zu Hause ist. «Wir wohnen nahe bei den Skipisten, so kann ich zu jeder Tageszeit für eine Stunde fahren und dann wieder heimgehen.»

Luca, der im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern das Skifahren erlernte, hat zwar keinen ausgeprägten Wettbewerbsgeist, fährt aber trotzdem jede Saison Rennen. So auch den Grand Prix Migros. «Ich melde mich aus Freude an und nicht, um mich mit den anderen zu messen», betont er. Dennoch erreicht er stets ein gutes Resultat: Seit seiner ersten Teilnahme 2016 schaffte er es jedes Jahr ins Finale oder gewann es sogar – wie vor drei Jahren. Und das ohne viel Aufwand: «Die anderen hatten fast alle Abfahrtsanzüge und jemanden, der ihnen die Ski präparierte. Luca fuhr in normaler Skiausrüstung und bestand darauf, seine Ski selbst zu wachsen», erzählt seine Mutter, Anita Grossenbacher.

Luca Grossenbacher liebt das Skifahren.

Luca hat das nächste Ziel bereits vor Augen: Er will ins Finale des GP Migros.

Ein Unglück kommt selten allein
Seine guten Leistungen erhalten eine ganz andere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass Luca nicht mit demselben Handicap startet wie die anderen Sportler: Bei ihm wurde 2016 Lymphdrüsenkrebs festgestellt. «Mir war ein Knoten am Hals meines Sohnes aufgefallen. Wir liessen Tests durchführen und warteten noch auf die Resultate, als wir nach St. Moritz fuhren, um am Finale des Grand Prix Migros teilzunehmen», so Anita Grossenbacher. «Da rief der Arzt an und teilte uns mit, dass weitere Abklärungen nötig seien. Am Montagmorgen nach seinem Sieg und noch vor der Schule gingen die Tests weiter. Aber da wussten wir es eigentlich schon.»Für die Krebsbehandlung pendelte Luca während seiner Sommerferien zwischen dem Berner Inselspital und seinem Elternhaus, wo er eher schlecht als recht versuchte, wieder zu Kräften zu kommen. Doch ein Unglück kommt selten allein: Einige Tage vor Beginn der Behandlung stürzte er mit dem Velo und brach sich den Oberschenkelknochen. Die Ärzte setzten ihm Metallimplantate ein. Luca musste das Bein in der Folge wochenlang ruhigstellen, war also während dieser Zeit an den Rollstuhl gebunden. Das machte die Genesung noch komplizierter.

Auf der Baustelle vergisst er den Krebs
Zum Glück ist Luca mit einer bemerkenswerten Energie ausgestattet. Seine Motivation erklärt er ganz einfach: «Ich wollte wieder Ski fahren können.» Das gelang ihm im Winter 2017 und brachte ihm die Bewunderung seiner ganzen Familie ein. Luca spricht nicht gern über das Erlebte; er würde seine Krankheit am liebsten vergessen. Die Bemerkungen einiger nicht informierter Kameraden über seine Gewichtszunahme – eine Nebenwirkung der Chemotherapie – würde er lieber nicht hören. Liegt kein Schnee, verbringt der eher schüchterne Junge seine Freizeit gerne auf den Baustellen des Familienbetriebs und zersägt Holz, verlegt Rohre oder schafft mit dem Schaufellader Schutt weg. Hier fällt es ihm leicht, den Krebs zu vergessen.Heute geht es Luca besser, auch wenn ihn ab und zu eine grosse Müdigkeit ans Bett fesselt. Dann braucht er eine doppelte Portion Motivation und ein Ziel vor Augen – wie das Ausscheidungsrennen des Grand Prix Migros Anfang März an der Lenk. «Mein Ziel ist das Finale.» Ob es auch fürs Podest reicht, interessiert ihn nicht. Luca begnügt sich mit persönlichen Siegen, die für ihn umso wichtiger sind.

Treffpunkt der Skitalente

Was haben Wendy Holdener, Didier Cuche, Aline Danioth und Marco Odermatt gemeinsam? – Sie alle haben einmal am Grand Prix Migros teilgenommen oder ihn sogar gewonnen.

Der von Swiss-Ski organisierte Wettkampf richtet sich an 8- bis 16-Jährige und gehört weltweit zu den grössten Veranstaltungen dieser Art. Jedes Jahr nehmen 6500 Athletinnen und Athleten an den Ausscheidungsrennen teil, die in zahlreichen Schweizer Skiorten stattfinden.

Auch die Jüngsten zwischen 6 und 7 kommen nicht zu kurz: Sie bestreiten ein Minirennen – ganz ohne Zeitdruck.Neben dem eigentlichen Wettrennen bietet der Grand Prix Migros ein Dorf mit ungezwungener Atmosphäre am Fuss der Piste. Dort gibt es Spiele und Animationen, Erinnerungsgeschenke und kostenloses Essen – und vielleicht die eine oder andere Begegnung mit einem Star des Schweizer Skizirkus.

Die nächsten Rennen:

  • 23.3. Les Crosets VS
  • 28.3. Sörenberg BE

Infos:

gp-migros.ch

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