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Migros - Ein M besser

Besonderes Haustier

Ein Käuzchen zum Kuscheln

Die Bernerin Alexandra Hirschi hält einen zutraulichen Steinkauz: Einstein sieht aus wie Mimi aus dem Migros-Weihnachtsspot. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Text Monica Müller
Fotos Marco Zanoni
Alexandra Hirschi und ihr Kauz Einstein

Über ihren Steinkauz sagt Alexandra Hirschi: «Einstein erdet mich.»

Nebel liegt über dem beschaulichen Dorf Kriechenwil BE, die Bise fegt. Alexandra Hirschi (50) steht in ihrem Hinterhof im Schlamm und lächelt. Behutsam öffnet sie die Tür zur ersten ihrer drei Volieren. Käuzchen Einstein reckt seinen Kopf, schaut in ihre Richtung und fliegt auf ihre Hand. Ganz still sitzt der Vogel auf ihrem ledernen Handschuh. Sie streichelt ihn liebevoll, er schmiegt seinen Kopf an ihre Wange.

Mit beiden Beinen fest im Schlamm und dem Tier auf der Hand erzählt Alexandra Hirschi von der ersten Begegnung. Auf der Autofahrt zum Tierpark Biel sei sie ganz aufgeregt gewesen. Als sie Einstein in der Voliere zum ersten Mal sah, war das ein besonderer Moment: «Er war von Anfang an zutraulich und liess sich von mir kraulen», erinnert sie sich. Liebe auf den ersten Blick sozusagen. Sie spürte sogleich eine tiefe Verbundenheit zu diesem kleinen Wesen. «Einstein erdet mich», sagt sie.

Video: Annika Zehnder

Treffpunkt Mittelaltermarkt

Alexandra Hirschi ist Fachangestellte Gesundheit und pflegt an drei Tagen pro Woche Kranke für die Spitex. In ihrer Freizeit besucht sie seit Jahren Mittelaltermärkte. Die Stimmung und das Beisammensein dort gefallen ihr ebenso, wie die schmucken Gewänder, die sich Stammgäste wie sie anfertigen lassen. Auf diesen Märkten ist sie immer wieder Eulen und Käuzen begegnet und war von ihnen fasziniert. Die Anziehung sei nicht ganz einfach zu erklären, räumt sie ein. «Es hat mit ihrer mystischen Ausstrahlung zu tun, ihrem eindringlichen Blick und ihrer beruhigenden Wirkung.»

Bei jeder Begegnung wuchs Alexandra Hirschis Wunsch, eigene Eulen zu halten. Durch einen Bekannten aus der Mittelalterszene, Ulrich Lüthi, erhielt sie erste Kenntnisse über Greifvögel. Lüthi ist ausgebildeter Falkner und hält neun solche Vögel: Falken, Wüstenbussarde und Schneeeulen. Um sich den Traum von einer eigenen Voliere voller Vögel zu erfüllen, drückte Alexandra Hirschi die Schulbank. Damit eine Privatperson einen Greifvogel halten darf, muss sie eine fachspezifische, berufsunabhängige Ausbildung (FBA) absolvieren und eine Bewilligung des Kantons einholen. So sieht es die Tierschutzverordnung vor.

Gesucht: Eigene Eulen

Für die praktische Ausbildung half Alexandra Hirschi in der Greifvogelvoliere von Ulrich Lüthi mit. Und sie meldete verschiedenen Tierparks ihr Interesse an Eulen an. Tierparks müssen immer wieder Vögel umplatzieren, wenn aufgrund von Nachwuchs die Volieren zu eng werden. So landete Einstein im Sommer 2018 bei ihr. Einige Monate später stiess das Schleiereulenpaar Amalia und Merlin dazu. Und im Frühling 2019 kamen der Waldkauz Hera und die Waldohreule Herkules dazu.

Marc Pellet mit Waldkauz Hera und Alexandra Hirschi mit Einstein

Waldspaziergang mit gefiederter Begleitung: Marc Pellet mit Waldkauz Hera und Alexandra Hirschi mit Einstein

Mit fünf Vögeln hat sich Alexandra Hirschis Alltag verändert: Morgens vor der Arbeit kontrolliert sie, ob es allen gutgehe. Nachmittags, zwischen den Spitex-Schichten, putzt sie die Volieren. Abends legt sie das Futter hin. Hat sie Zeit, geht sie mit Einstein im nahen Wald spazieren. Oft begleitet sie ihr Kollege Marc Pellet mit Hera, auch er ist ein Eulenfan.

Erlebnis Eulen

Zusammen möchten sie ihr Angebot «Eulenzauber» weiter ausbauen. Alexandra Hirschi war mit Einstein schon auf Besuch in Schulklassen oder in einer Psychiatrie. Sie möchte unbedingt auch anderen die bereichernde Begegnung mit Eulen und Käuzchen ermöglichen. An Ideen mangelt es nicht: teambildende Events, Essen bei Mondschein, Spitalbesuche.

Der Gedanke, wilde Tiere eingesperrt zu halten, stört sie nicht. Fliegen bedeute für Greifvögel nicht Freiheit. «Die meisten einheimischen Eulen fliegen hauptsächlich, um Futter zu suchen. Hinzu kommen Partnersuche und Balz.» Das falle natürlich weg, wenn sie in einer Voliere leben.

In der Schweiz leben laut Schätzungen der Vogelwarte Sempach 115 bis 150 Steinkauzpaare. Sie sind stark gefährdet. Deshalb wünscht sich Alexandra Hirschi für Einstein vor allem eins: ein Weibchen. Zärtlich krault sie ihn am Köpfchen. «Gell, Einstein.»

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