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Heiligabend im August

Im neuen Weihnachtsspot der Migros erwärmt die Freundschaft zwischen einem Mädchen und einer kleinen Eule die Herzen. Hinter dem Film stecken eine monatelange Vorbereitung und intensive Drehtage. Das Migros-Magazin war auf dem Set dabei – nur die kleine Eule war nirgendwo zu sehen.

Text Lisa Stutz
Fotos Jorma Müller
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Langsam wird es dunkel in Vilnius. Die Menschen schlendern in T-Shirts durch die Hauptstadt von Litauen. Der Augusttag war warm, fast heiss. Doch wer in die Gedimino-Strasse einbiegt, sieht da Schnee liegen. Der Boden, die Bäume, die Balkongeländer, überall ein weisser Flaum. Zwischen den Gebäuden hängen Lichterketten. Und an der Ecke steht ein Marronistand. 

Um den Winterzauber herum ist rotes Absperrband gespannt. Davor drängen sich Passanten und beobachten das Gewusel im abgesperrten Bereich: Männer und Frauen mit Kameras und Funkgeräten, Paare und Kinder mit Schals und Wintermänteln. Ein Passant schafft es bis an die Absperrung und tippt einem Kameramann auf die Schulter: «Was wird hier gedreht?» – «Ein Werbespot. Für die Migros in der Schweiz.» Migros? Das sagt dem Passanten nichts. Spannend ist die Szene allemal. «Und Action!», ruft der Regisseur. Musik erschallt in der Gedimino-Strasse. Die sanften Klänge begleiten eine Szene, in der ein braunhaariges Mädchen mit ihrem Vater zu einem Laden an der Ecke stapft. Davor stehen Christbäume. Die beiden suchen fröhlich einen aus –  der Rest ist Geschichte.

Jedes Kind weiss mittlerweile, dass Vater und Tochter nicht nur einen Baum, sondern darin versteckt versehentlich auch eine kleine Eule mit nach Hause nehmen. Seit dem
8. November läuft der neue Weihnachtsfilm der Migros auf allen Kanälen.

Entstanden ist die Idee genau 1433 Kilometer entfernt von der Gedimino-Strasse, nämlich an der Uetlibergstrasse 132 in Zürich, dem Sitz der Werbeagentur Wirz. Schon jahrelang macht die Agentur die Weihnachtswerbung für die Migros, auch der Wichtel Finn stammt aus ihrem Haus. Seit vergangenem Februar waren mehrere Teams damit beschäftigt, sich für die Weihnachtskampagne 2019 etwas Neues zu überlegen.

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Schön und stolz: eine Eule am Filmset in Litauen (links oben). Klappe, die erste: Vor dem Dreh jeder Szene wird die Filmklappe mit der Aufschrift «Migros X-Mas» vor die Kamera gehalten (links unten). Für Winterfeeling mitten im Sommer sorgt die Schneepistole, die von bis zu drei Männern gehalten werden muss. Innert kurzer Zeit ist der Vorgarten eingeschneit (rechts).

Warum denn etwas Neues? Schliesslich waren die beiden Finn-Filme doch grosse Erfolge. «Finns Geschichte endete letztes Jahr mit einem Happy End. Wir hören auf, wenn es am Schönsten ist», sagt Livio Dainese, Co-CEO der Werbeagentur und Finn-Schöpfer. Er sitzt auf seinem Bürostuhl und spielt mit dem Münz in seinem Hosensack. «Man hätte eine Fortsetzung machen können, dann hätte Finn vielleicht Kinder bekommen. Aber ich finde es richtig, dass die Migros einen Schritt weitergegangen ist.» Hin zu einer putzigen Eule namens Mimi. Die Idee sei aus dem Team gekommen, sagt Dainese. Bei guten Ideen sei es so, dass am Schluss jeder das Gefühl hat, als hätte er sie gehabt. «Das ist wirklich so, es ist immer ein Pingpong.» Agenturintern wurden rund 50 verschiedene Geschichten ausgearbeitet. Eine Auswahl wurde der Migros präsentiert; die im Baum versteckte Eule konnte sich klar durchsetzen. 

Am 27. August ist der erste Drehtag in Vilnius. Die Hauptstadt von Litauen empfiehlt sich aus mehreren Gründen als Kulisse für den Weihnachtsfilm: Die von Wirz beauftragte Zürcher Produktionsfirma Pumpkin hat sehr gute Erfahrungen mit Serviceproduktionen vor Ort gemacht. Die Infrastruktur ist auf dem neuesten Stand, die Crews sind Vollprofis und die Kosten konkurrenzfähig. Das ganze Projekt ist trotzdem «Swiss made», denn den Hauptteil der Arbeit erledigen die Migros-Teams, Wirz und Pumpkin in der Schweiz. Nicht zu vernachlässigen ist ein weiterer Aspekt: Absolute Geheimhaltung, die für die Produktion jedes Werbespots wichtig ist, lässt sich im fernen Baltikum leichter durchsetzen als in der Schweiz.

Verschneiter Wintertag

Schauplatz am ersten Drehtag ist ein Haus in der Vorstadt von Vilnius. Ein ganz normales Einfamilienhäuschen mit Garage, wie es auch in der Schweiz stehen könnte. Ungewöhnlich nur, dass Männer mit Mundschutz, kurzen Hosen und engen T-Shirts auf dem Dach stehen. Sie halten einen langen grünen Schlauch, aus dem in hohem Bogen Kunstschnee spritzt. Er besteht aus reiner Zellulose und ist biologisch abbaubar. Die Männer schwitzen, sie rufen sich Anweisungen zu. Etwa die Hälfte des Dachs ist beschneit, als plötzlich der Schneefall versiegt. Nur noch ein weisser Hauch weht aus dem Schlauch. Einer der Männer klopft fest darauf, einmal, zweimal, dann strömt der Schnee wieder raus. Bald ist das ganze Dach bedeckt, als herrschte tiefster Winter.

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Weihnachtsessen im engsten Kreis? Nicht wirklich. Regisseur Martin Werner gibt den Schauspielern Anweisungen zum Fondue-Chinoise-Essen (links). Schauspielerin Zazie hält ein gestopftes Stoffteil in der Hand - es ist giftgrün und gepunktet und stellt den Platzhalter für die Babyeule, die im Nachhinein digital ins Bild eingefügt wird (rechts).

Heute wird nur von aussen und in der Garage gefilmt. Die Innenszenen werden in einem anderen Haus gedreht, das sich dafür besser eignet. Im fertigen Spot wird man davon nichts merken. Die Häuser gehören Privatpersonen, die ihr Heim gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Die Garage wurde vom Filmteam komplett ausgeräumt, neu gestrichen, und neu eingeräumt. Sie sieht chaotisch aus – gewollt: Jeder Skischuh, jede Christbaumkugel wurde einzeln platziert und künstlich eingestaubt. 
Etwa ein Dutzend Leute steht in der kleinen Garage, bevor die erste Szene gedreht wird. Es ist die, in der das Mädchen mit der Eule Fliegen übt. Zazie heisst die braunhaarige Zehnjährige, die in Winterkleidung bereitsteht. Sie lebt mit ihrer Familie in London und schauspielert, seit sie vier Jahre alt ist. «Es macht mir einfach Spass», sagt sie und grinst. Auch das Warten am Set stört sie nicht. Zazie ist mit ihrer Mutter Claudia aus England angereist und hat keine Berührungsängste wegen der vielen Erwachsenen um sie herum: hier ein Spässchen, da ein High-Five. Erfahrungen mit Eulen hat sie schon, wenn auch privater Natur: «Erzähl, was uns in Spanien passiert ist!», sagt die Mutter. «Oh ja», Zazies Augen werden gross, «wir waren mit meinen Grosseltern dort, und dann ist eine Eule ins Haus geflogen. Wir haben versucht, sie hinauszuscheuchen, aber sie ist zurückgekommen. Also habe ich sie in mein Jäckchen gewickelt hinausgebracht.» Sie überlegt: «Eigentlich unheimlich, dass mir genau das schon passiert ist.»

Während vor der Garage gedreht wird, sitzen «Client & Agency», also Kunde und Agentur, wie die Leute von Migros und Wirz genannt werden, in der Küche vor Bildschirmen. Sie sehen jede Szene und geben ihr Okay oder haben Änderungswünsche. Unten gibt der Regisseur mit lauter Stimme Anweisungen. Zazie stapft derweil wieder und wieder durch den Kunstschnee vor der Garage, bis die Szene im Kasten ist. Auf der flachen Hand hält sie ein giftgrünes gestopftes Stoffteil mit blauen Punkten – es ist der Platzhalter für die Eule. Die animierte Mimi wird erst in der Postproduktion digital in die Szenen eingefügt werden.

Echte Eulen gehorchen nicht

«Echten Eulen kann man leider nicht so leicht Regieanweisungen geben», sagt Mario Maruska lachend. Er und sein Kollege Jan Tvilling von der Firma BaconX in Kopenhagen sind für die Animation verantwortlich. Die beiden Dänen haben gerade Pause. Sie sind stets im Duo anzutreffen und spielen eine wichtige Rolle beim Dreh. Vor jeder Aufnahme halten sie einen silbernen Ball und eine Farbkarte vor die Kamera und evaluieren die Lichtverhältnisse und Reflexionen. Während der Aufnahme ist das grüne Stoffteil unerlässlich, damit die Eule später digital ins Bild montiert werden kann. Der Schauspielerin hilft das Teilchen, an den richtigen Ort zu blicken. Grün muss der Stoff sein, damit er später ohne Probleme aus dem Bild zu entfernen ist. Und dank der blauen Punkte wird sich die Eule in die richtige Richtung bewegen. Nach dem Dreh wird ein Team von 15 Leuten zwei Monate lang an der Eule arbeiten. Jede Feder muss einzeln gestaltet werden, jede Bewegung animiert. «Das wird stressig», sagt Mario. Ziel sei es, eine süsse Babyeule zu kreieren, in die sich alle verlieben.

Zwei echte Eulen tauchen dann doch noch am Set auf. Es ist dunkel, als die Schlussszene gedreht wird, in der Mimi vereint mit ihren Eltern auf dem Verandageländer sitzt. Es würde einen enormen Mehraufwand bedeuten, weitere Eulen zu animieren. Deshalb werden für diese Szene Tiere eingesetzt, die extra für Filmzwecke trainiert sind. Ruhig warten die Vögel auf den Armen ihrer Besitzer. Als die Kamera läuft, behält Mario recht: Echte Eulen tun sich schwer mit Regieanweisungen. Wenn sie nicht mehr wollen, flattern sie kurzerhand vom Geländer. Die Kameraleute sind Profis, langsam nähern sie sich den Tieren, bis sie perfekte Bilder haben. Leise rieselt Kunstschnee durch die warme Sommerluft, und für einen Moment herrscht absolute Stille.

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Die Hauptdarstellerin Zazie lebt in London, ist zehn Jahre alt und geht in die 6. Klasse. Sie schauspielert seit sechs Jahren. Wenn sie gross ist, möchte sie Schauspielerin, Autorin oder Anwältin werden. Sie freut sich auf Weihnachten. Vor allem wegen der vielen Süssigkeiten, die sie dann essen darf – Schweizer Schokolade mag sie zum Beispiel sehr. Zum Fest wünscht Zazie sich eine eigene SIM-Karte fürs Handy und Playmobil-Spielsachen (links). Mimis Eltern, die in der Schlussszene des Films zu sehen sind, sind im Gegensatz zu Mimi «in echt» am Set. Die beiden Eulen wurden für Filmzwecke trainiert (rechts).

Mit Besen gegen die imaginäre Eule

Nächster Drehtag, nächstes Haus. Obwohl es bereits 13 Uhr ist, grüsst man sich mit «Guten Morgen». Am Set herrscht ein anderes Zeitgefühl. Das Mittagessen ist für 17 Uhr angesetzt, Drehschluss ist 23.30 Uhr. Im Wohnzimmer des Hauses steht ein geschmückter Tannenbaum neben einem schwarzen Flügel. Wieder wuseln viele Menschen im Raum herum, alle wissen genau, was sie zu tun haben. Die Luft ist schwer, im einfallenden Licht tanzen Staubkörner. Die erste Szene wird gedreht. Es raschelt im Baum, und der Vater – im wahren Leben heisst er Gerard – versucht, die imaginäre Eule mit einem Besen zu verscheuchen. Draussen sitzen «Client & Agency» in einem Zelt und schauen sich die Szene lachend auf den Bildschirmen an; sie sind zufrieden mit Gerards Darbietung. Im Garten hinter dem Zelt werden derweil Bäume, Wiese und Sitzplatz beschneit.

Mittagessen. Am Buffet unter einem Pavillon in der Hauseinfahrt stehen Reis mit Schweinefleisch, Penne, Kartoffelstock, Suppe und Kuchen bereit. Die Crew sitzt an langen Holzbänken. Der Regisseur sitzt allein an einem Tischende und geht am Laptop Bilder durch. Martin Werner heisst der glatzköpfige Mann. Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Der Däne hat schon Werbefilme für Mercedes-Benz, Lufthansa und Ikea gedreht. Wenn er lacht, bilden sich viele Fältchen um seine Augen. Martin Werner ist immer mit ganzem Herzen dabei. Wenn er laut wird, will er motivieren – und es gelingt. «Der Dreh übertrifft alle Erwartungen», hält er fest. Er ist sehr zufrieden mit der Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler – vor allem Zazie gefällt ihm. «Sie ist sehr besonnen, interessiert und die Kamera liebt sie, sie ist ein Superstar!» Sie sei nicht das typische süsse Mädchen, sondern habe eine gewisse Nüchternheit. An der Story mag er, dass sie gleichzeitig überraschend und zeitlos ist. Eine Freundschaft zwischen einem Kind und einem Tier sei etwas, zu dem alle Menschen einen Bezug haben. Und was sollen die Leute in der Schweiz fühlen, wenn sie den Film sehen? «Sie sollen berührt sein von der Idee, etwas zurückzugeben und sich um jemand anderen, als sich selbst zu kümmern.» Die Lachfältchen um Martin Werners Augen zeigen sich. Er geniesst den sozialen Aspekt des Filmemachens. Rund um ihn herum essen Kameraleute neben Stylistinnen, Zazie scherzt mit ihrem Filmvater Gerard, an der Kaffeemaschine unterhalten sich die Eulenschöpfer Mario und Jan angeregt. Alle sind gestärkt für Heiligabend.

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Die Gedimino-Strasse in Vilnius wurde für den Migros-Dreh abgesperrt.

Im Wohnzimmer des Hauses laufen die letzten Vorbereitungen. Die Stylistin kämmt die Haare des Grossvaters durch, die Mutter untersucht die Fonduegabeln. Auch Zazie begutachtet den reich gedeckten Tisch: Saucen, Salat, Gewürze, Kartoffeln stehen bereit. Zazie trägt die Haare zu Zöpfen geflochten und ist festlich gekleidet mit rotem Jupe und weisser Bluse. Kerzen brennen auf dem Tisch. Die Vorhänge sind halb zugezogen, draussen tanzen weisse Flocken. Martin Werner versammelt die Crew um sich und instruiert die Schauspieler: «Ihr seid fröhlich, es ist Heiligabend, es gibt etwas zu feiern!» 

Die sechsköpfige Familie setzt sich an den Tisch und wartet geduldig, bis alle bereit sind. «Uuund Action!», ruft Martin Werner. Die Kameras laufen, die Schauspieler spielen ihre Rollen. Aus der Stereoanlage erklingt «Stille Nacht, heilige Nacht». 

Man sieht die Familie schwatzen, lachen und essen. Plötzlich horcht Zazie auf. Mit bedächtigen Schritten geht sie aufs Fenster zu – der Rest ist Geschichte.

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Der Spot

Ein Mädchen kauft mit seinem Vater einen Weihnachtsbaum in der Migros. Zu Hause entdecken sie, dass sich im Geäst eine kleine Eule versteckt hat. Und es gibt ein Problem: Das Tierchen hat seine Eltern verloren und kann nicht fliegen. So übt das Mädchen mit der Eule das Fliegen. Kurz vor Heiligabend ist es so weit: Der Schützling flattert davon. Traurig sitzt die Kleine beim Weihnachtsessen, als sie von draussen ein Rufen hört: Es sind die Eule und ihre Eltern, die sich bei ihr bedanken.

Entdecken Sie hier den neuen Weihnachtsfilm

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