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Hackathon

Gemeinsam gegen das Virus

Über 5000 engagierte Menschen trafen sich vergangenes Wochenende online, um Ideen zum Umgang mit dem Corona-Virus zu entwickeln. Der #VersusVirus-Hackathon fand mit Unterstützung von Engagement Migros statt – und erhielt sogar virtuellen Besuch vom Gesundheitsminister.

Text Ralf Kaminiski
Hackaton - gemeinsam gegen das Virus.

Das Ziel war ambitioniert: kreative Köpfe der Zivilgesellschaft online zusammenbringen, um 48 Stunden lang gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen durch die Corona-Krise auszutüfteln. Die Resonanz auf den #VersusVirus-Hackathon war enorm. Nicht nur gelang es den Organisatoren um Impact Hub Switzerland und anderen Unternehmen, reichlich ideelle und finanzielle Unterstützung zu mobilisieren, sie brachten rund 4600 Hacker und 500 Mentorinnen zusammen, die von zu Hause aus über Videokonferenzen in kleinen Gruppen an 270 Projekten arbeiteten. 42 davon wurden am Ende mit 1000 Franken prämiert. 

Alain Berset (48), Gesundheitsminister

Gesundheitsminister Alain Berset schaltet sich ebenfalls dazu.

Sogar Bundesrat Alain Berset schaltete sich zum Start der Veranstaltung virtuell hinzu und lobte die Organisatoren für ihre Initiative: «In dieser Situation sind alle Kräfte gefragt: Wir sind immer stärker, wenn wir zusammenarbeiten – und genau das passiert hier.» Die Gesellschaft sei gefordert, innovativ und flexibel auf die Krise zu reagieren, und er sei sehr gespannt auf die Ideen des Hackathons. «So kann man dem Virus auch etwas Positives abgewinnen», hielt Berset fest, «er bringt Leute zusammen, die vorher kaum miteinander zu tun hatten.»

Caroline Haas (42), Mobility before, during and after Corona

Carolina Haas (42), Projektleiterin bei der Migros.
Carolina Haas (42), Projektleiterin bei der Migros.

Zu den Teilnehmenden gehörte auch Carolina Haas (42), Projektleiterin bei der Migros Industrie. «Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, mich in dieser Krisensituation zu engagieren.» Der Austausch über Videokonferenzen sei zwar schon herausfordernder gewesen, als sich gemeinsam in einem Raum zu treffen. «Aber es ging recht gut, viele haben sich inzwischen an diese Online-Meetings gewöhnt.»

Burcu Demiray (38), Old School

Burcu Demiray (38) gab sogar ein eigenes Projekt ein.
Burcu Demiray (38) gab sogar ein eigenes Projekt ein.

Burcu Demiray (38) gab sogar ein eigenes Projekt ein, das mit ihrem Alltag als Forschungsleiterin zu gesundem Alter an der Universität Zürich verbunden ist: eine digitale Bildungsplattform für Menschen ab 65 Jahren. «Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, ein Start-up in diese Richtung zu gründen, das war also eine schöne Gelegenheit.» Die Diskussionen in der Gruppe fand sie enorm bereichernd. Geschlafen habe sie allerdings höchstens drei Stunden. «Es war sehr intensiv.»

Musa Parmaksiz (40), ICUCH Capacity Tracer

Musa Parmaksiz (40): Diskutierte jeweils bis um 2 oder 3 Uhr nachts.
Musa Parmaksiz (40): Diskutierte jeweils bis um 2 oder 3 Uhr nachts.

So erlebte das auch Musa Parmaksiz (40). «Ich war Teamleiter in unserer Gruppe, und es wurde jeweils 2 oder 3 Uhr nachts, bis ich ins Bett kam.» Doch als Datenwissenschaftler bei einer Grossbank ist er gewohnt, auf diese Weise zu arbeiten. «Es hat richtig Spass gemacht, bei uns kamen neun Nationalitäten mit zwölf Sprachen zusammen, und alles lief sehr professionell ab.»

Marie-Charlotte Gasser (31), yana.help: Prevention of Domestic Violence

Beeindruckt vom Hackaton: Marie-Charlotte Gasser (31).
Beeindruckt vom Hackaton: Marie-Charlotte Gasser (31).

Marie-Charlotte Gasser (31) hat schon Erfahrung mit Hackathons und war beeindruckt, wie viele Leute hier zusammenkamen. «Ich finds eine tolle Möglichkeit, sich innerhalb einer kurzen Zeit kreativ und intellektuell auszutoben – und das auch noch zu einem guten Zweck.» Die Unternehmensberaterin möchte mit einigen anderen im Team weiter an der Online-Plattform zum Kampf gegen häusliche Gewalt arbeiten.

Samuel Mauch (22) und Maika Paetzold (40), Check the Fact

Maika Paetzold (40) und Samuel Mauch (22) haben sich im Team von «Check the Fact» kennengelernt.
Maika Paetzold (40) und Samuel Mauch (22) haben sich im Team von «Check the Fact» kennengelernt.

Auch viele andere Teilnehmende sind motiviert weiterzumachen. Etwa Maika Paetzold (40) und Samuel Mauch (22), die sich im Team von «Check the Fact» kennengelernt haben. «Es gab eine richtig schöne Dynamik in der Gruppe», sagt Paetzold. Zudem sässen ja nun eh alle zu Hause und hätten Zeit, ergänzt Mauch. «Eine ideale Gelegenheit, sich zu engagieren und interessante neue Leute kennenzulernen.»

Linda Sulzer (30), Jurymitglied

Linda Sulzer (30), Projektleiterin bei Engagement Migros.
Linda Sulzer (30), Projektleiterin bei Engagement Migros.

Die Jury hatte am Ende die Qual der Wahl. «Es war nicht leicht, unter den vielen guten Ideen die besten auszuwählen», sagt Linda Sulzer (30), Projektleiterin bei Engagement Migros. «Die Qualität war hoch, und mich hat beeindruckt, wie viele nach so kurzer Zeit bereits einen Prototyp einer App oder gar eines Geräts präsentieren konnten.» Der Förderfonds der Migros hat den Hackathon auch finanziell unterstützt. Der Anlass sei einmalig und entspreche den Zielen von Engagement Migros, die Gesellschaft zu verändern.

 «Das Corona-Virus stellt uns alle vor völlig neue Herausforderungen, deshalb ist es wichtig, gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen», sagt Sulzer. «Dahinter steckt die Idee, die Krise als Chance zu nutzen.» Engagement Migros unterstützt innovative Pioniere und wird in den kommenden Wochen die Projekte des Hackathons genauer anschauen. «Wenn es darunter etwas gibt, das auch sonst in unser Konzept passt, wäre eine Förderung durchaus vorstellbar.»
Zudem können sich laut den Organisatoren des Hackathons alle Projekte um Geld aus einem Topf bewerben, in dem 250'000 Franken zur Verfügung stehen – sowie um die Unterstützung durch Profis oder Material. Viele der 270 Ideen dürften am Ende weiterverfolgt werden; welche genau, ist aber noch offen.

Ausgewählte Projekte

Verfügbare Intensivstationsbetten anzeigen (ICUCH Capacity Tracer)

Musa Parmaksiz (40), Datenwissenschaftler aus Winterthur

Ziel: Eine App für Echtzeit-Information über sämtliche verfügbare Intensivstationsbetten (ICU) in allen Schweizer Spitälern, um Patienten entsprechend verteilen zu können; inklusive Prognosefunktion über die Entwicklung in einigen Tagen oder Wochen.

Fortschritt: Interaktive Karte mit allen ICU (1000 Betten in 76 Spitälern) steht.

Wie geht’s weiter? Es braucht nun die Kooperation der Spitäler, damit sie die Informationen über die ICU zweimal pro Tag aktualisieren; ideal wäre eine Softwarelösung, die das automatisiert.

 

Fakten checken (Check the Fact) 

Maika Paetzold (40), eigene Agentur für digitale Projekte in Köln

Samuel Mauch (22), Student der Elektro- und Informationstechnik aus dem Schwarzwald

Ziel: Eine einfach bedienbare Plattform, die es ermöglicht, Fakten zu checken und Fake News in den sozialen Medien zu entlarven. Man kann eine Information reinkopieren und erhält eine Einschätzung, mit welcher Wahrscheinlichkeit diese korrekt oder falsch ist.

Fortschritt: Prototyp ist gebaut; Zusammenarbeit zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz; Datenbank gestartet.

Wie geht’s weiter? Datenbasis muss erweitert werden; aus der ersten funktionsfähigen Version soll ein Dienst für die breite Masse werden; Suche nach passenden Förderern.

 

Bildungsplattform für über 65-Jährige (Old School)

Burcu Demiray (38), Oberassistentin am Psychologischen Institut der Universität Zürich, aus Zürich

Ziel: Digitale Bildungsplattform für Menschen ab 65 Jahren; für akademisches Lernen (à la Seniorenuniversität), Hobby-Lernen (à la Migros-Klubschule) und Forschungsteilnahme; Mentoring durch digitalaffine Ältere und Zugang zu gebrauchten Laptops; soziale Kontakte untereinander.

Fortschritt: Idee ist detailliert ausgearbeitet.

Wie geht’s weiter? Es braucht mehr finanzielle Mittel sowie das Einbinden bestehender Bildungsinstitutionen.

 

Hilfe bei häuslicher Gewalt (yana.help)

Marie-Charlotte Gasser (31), Unternehmensberaterin aus Genf

Ziel: Eine Online-Plattform, welche die Hilfsangebote gegen häusliche Gewalt zentralisiert zugänglich macht und den Betroffenen Hilfe in ihrer Nähe aufzeigt; ein Blog, wo sich Betroffene anonym austauschen können; ein Sicherheitsknopf, der die Seite sofort verschwinden lässt, falls sich der Täter nähert.

Fortschritt: Prototyp der Website steht, die Domain ist gekauft.

Wie geht’s weiter? Website muss fertig ausgearbeitet werden, das Hilfs-Ökosystem rundherum informiert werden, damit diese Zusammenarbeit funktioniert; eine nationale Telefon-Hotline ist angedacht. Braucht noch finanzielle Unterstützung.

 

Verkehrsspitzen minimieren (Mobility before, during and after Corona)

Carolina Haas (42), Projektleiterin Migros Industrie aus Zürich

Ziel: Verkehrsspitzen in den Stosszeiten minimieren; grosses Potenzial für künftige Veränderungen, weil man sich jetzt in der Krise daran gewöhnt, anders zu pendeln. 

Fortschritt: Prototyp-App steht, um eigene Mobilität und CO2-Verbrauch zu verfolgen – eine Art Eigenüberwachung zwecks Motivation zur Veränderung. 

Wie geht’s weiter? Braucht Detailkonzept und zusätzliche Unterstützung durch Programmierer. 

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