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«Wer will, der kann»

Dominics Weg – von Algerien zum Migros-Lehrling

Wenn Dominic Kechiouche den Mut zu verlieren droht, sagt er sich: «Wer will, der kann.» Zum Beispiel trotz einer halbseitigen Lähmung Waren einräumen, an der Kasse arbeiten und eine Lehre als Detailhandelsfachmann machen. Oder mit 17 Jahren aus Algerien in die Schweiz zurückkehren und ein zweites Mal Deutsch lernen. Das ist die Geschichte des 22-jährigen Dominic Kechiouche.

Text Pia Schüpbach
Fotos Pedro Rodrigues
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Dominic Kechiouche an seinem Ausbildungsort, der ­Migros ­Aarau-Igelweid. 

Seine rechte Hand holt die linke hoch, wenn die wieder runtergerutscht ist. Eine so kleine Geste, dass sie kaum auffällt. Dominic Kechiouche weiss sich zu helfen. «Wegen meiner halbseitigen Lähmung habe ich schon einige Strategien entwickeln müssen», erzählt er in einem Büroraum der Migros Aarau-Igelweid. Weil seine linke Seite seit Geburt gelähmt ist, braucht der 22-Jährige für viele Tätigkeiten mehr Zeit. Aber er schafft alles: sich anziehen, velofahren, Flaschen öffnen oder eben Waren einräumen. 

Dass er nun ein Migros-Hemd trägt, macht ihn stolz. Nach einigen Schnupperlehren im Verkauf habe man ihm jedes Mal mitgeteilt, er sei zu langsam für eine Lehre. «Alles muss immer schnell gehen, die Wirtschaft muss laufen, da hat es für einen wie mich wenig Platz», sagt er, «das tut weh». In der Freizeit hat sich Dominic Kechiouche daraufhin noch mehr in der Natur bewegt, um die trüben Gedanken zu vertreiben. Seine Beraterin von der Stiftung Lebenshilfe hat den jungen Mann motiviert, nicht aufzugeben. Wer will, der kann.

«Wie Weihnachten im Sommer»

In der Migros Aarau-Igelweid klappt es jetzt. Es ist eine von vier Ausbildungsfilialen der Migros Aare für junge Menschen mit einer Beeinträchtigung. Im August 2019 begann Dominic Kechiouche seine Lehre zum Detailhandelsfachmann Nahrungs- und Genussmittel. Mit Freude erinnert er sich an seinen ersten Tag: «Es war wie Weihnachten im Sommer.» Mit grossem Vergnügen arbeitet er in der Molkerei. «Dort haben viele Waren eine praktische Grösse zum Einräumen – wie etwa die Milch.» Mit der linken Hand kann er zwar greifen, das Gelenk aber nicht drehen. So holt er mit links die Flasche aus dem Gebinde und räumt sie mit rechts ein. Einräumen, nach Datum sortieren, das gefällt dem Lernenden. «Am liebsten berate ich die Kunden.» Einmal habe eine Kundin im Laden gefragt, was mit ihm los sei – es war eine Pflegefachfrau.

Rückblick. Nachdem sich ­seine Eltern in der Schweiz getrennt hatten, blieben Vater und Sohn nach einem Ferienaufenthalt in Algerien, dem Heimatland des Vaters. «Er fragte mich, ob ich das will.» Bunte Tage, die flirrende Luft in Nordafrika: Der damals 8-jährige Dominic fühlte sich wohl in der grossen Familie, beim Herumwuseln durch die Gestelle im Lebensmittelladen seines ­Vaters, beim Basketball und Fussball mit Freunden. In der Schule zeigte er Bestleistungen und nahm aus dem Französischunter­richt den ­einen Satz mit, der ihn bis heute begleitet: «Qui veut, peut …» – wer will, der kann.

Doch dann wurde es schwarz. Im Sommer 2015 kam der ­Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ein Jahr lang wohnte ­Dominic noch bei seiner Stiefmutter und zwei Stiefschwestern, ehe er nach Reinach AG zurückkehrte – zu seiner Mama. In ­Algerien hatte er sie vermisst, nun fehlte ihm der Papa. «Mein Leben war nie komplett.» Dominic überlegt kurz, ehe er anfügt: «Aber ich habe ein glückliches Leben. Eines mit Perspektiven.» 

60 Berufe

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Er will Wirtschaft studieren

Der Kämpfer hat gelernt: «Wenn man einmal irgendwo gut war, heisst das nicht, dass es so bleibt.» So hinkte der in Algerien Klassenbeste in der Schweizer Schule hinterher. Doch er lernte ein zweites Mal Deutsch, fand neue Freunde zum Fussballspielen und begann zu joggen. Nach der Lehre möchte er irgendwann die Berufsmatura nachholen und Wirtschaft studieren: Wer will, der kann.

Nach dem Interview geht Dominic zurück in den Supermarkt. Das linke Bein zieht er nach. Vor dem Studium würde er gerne noch eine Zeitlang in der Filiale arbeiten. Weshalb nicht als Marktleiter? Für einmal antwortet er schnell. «Das käme mir merkwürdig vor: Ein Marktleiter, der langsamer arbeitet als die Lernenden.» Und das, das will Dominic Kechiouche nicht. 

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