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Migros - Ein M besser

Laurin und Amina am Ende der Schulzeit

Für den Einstieg ins Berufsleben gerüstet

Im Sommer 2011 sprach das Migros-Magazin schon mal mit Amina Wanger und Laurin Steinmann, ­damals frischgebackene Erstklässler. Inzwischen sind sie 15 und haben die obligatorische Schule hinter sich. Wie geht es ihnen heute? Was sind ihre Pläne?

Text Yvette Hettinger, Ralf Kaminski
Fotos Daniel Winkler
Amina Wanger und Laurin Steinmann im Klassenzimmer in Niederrohrdorf

Amina Wanger und Laurin Steinmann in einem ihrer alten Schulzimmer am Oberstufenzentrum Niederrohrdorf AG.

Amina, als wir euch am Anfang der ersten Primarschulklasse interviewt haben, wolltest du Kuchenbäckerin werden. Willst du das immer noch?

Amina: Nein, das will ich definitiv nicht mehr. Ganz sicher bin ich noch nicht, aber Lehrerin könnte eine Option sein. Deshalb hänge ich jetzt noch ein Jahr Bezirksschule an, damit ich anschliessend an die Fachmittelschule gehen kann.

Laurin, willst du noch immer wie damals Informatiker oder Zoowärter werden?

Laurin: Nein. Ich starte nach den Sommerferien eine Lehre als Geomatiker. Das sind die Leute, die Häuser und Strassen vermessen. Sie stehen meist mit Messgeräten am Strassenrand rum, machen scheinbar nichts, und am Ende kommt eine teure Rechnung nach Hause (lacht). Ursprünglich hatte mich Architekt oder Hochbauzeicher interessiert, aber ich realisierte dann, dass ich da praktisch den ganzen Tag im Büro am Computer sitzen muss. Als Geomatiker bin ich auch oft draussen unterwegs, das gefällt mir viel besser. Daneben mache ich noch die Berufsmatura – so könnte ich mich später immer noch in Richtung Architektur weiterbilden.

Beim letzten Gespräch standet ihr ganz am Anfang der obligatorischen Schulzeit, jetzt ist sie zu Ende. Wie fühlt sich das an?

Laurin: Es ist der Start in einen neuen Lebensabschnitt. Wie das dann sein wird, kann ich noch nicht sagen. Im Moment bin ich gerade in einer Zwischenwelt, das eine ist zu Ende, das andere hat noch nicht begonnen.

Laurin Steinmann und Amina Wanger zum Start in die 2. Klasse

Laurin und Amina 2012 beim Start in die zweite Klasse. Sie waren damals 7 Jahre alt.

So war das vor neun Jahren: Amina und Laurin beim Schulstart

Als wir Amina und Laurin im August 2011 das erste Mal befragten, waren sie sechs Jahre alt und aufgeregte Erstklässler. Sie erzählten dem Migros-­Magazin, wie ihnen der erste Schultag gefallen hatte, worauf sie sich freuten – und was ihnen im Leben wichtig war. Im Sommer 2012 befragten wir sie erneut zum Start in die 2. Klasse.

Heute finden die beiden es etwas seltsam, ­diese Gespräche zu lesen und, anders als wohl viele Leserinnen und Leser, nicht wirklich herzig. Laurin, der damals mit seiner vorlauten Art für ­besonders viele Schmunzler sorgte, kommentiert dies heute so: «Ich war damals viel direkter, habe einfach gesagt, was ich gerade dachte. Heute überlege ich erst noch, bevor ich den Mund aufmache.»

Die Interviews von damals finden sich hier

Seid ihr froh, dass ihr die obligatorische Schulzeit hinter euch habt, oder werdet ihr etwas vermissen?

Amina: Ja, Freundinnen und Klassenkameraden – zwar bin ich jetzt noch ein Jahr in der Schule, aber mit anderen Leuten. Zuvor haben wir uns jeden Tag gesehen, das werde ich schon vermissen.
Laurin: Ich bin ganz froh, dass es vorbei ist. Noch vermisse ich nichts, aber das könnte schon noch kommen.

Was denn?

Laurin: Zeit und Freiheit. In der Lehre werde ich vom Morgen bis zum späten Nachmittag am Werk sein, und abends kommen dann noch die Hausaufgaben.

Wie war die Schulzeit im Rückblick? Amina, damals gefiel dir ja alles, blieb das so?

Amina: Nicht in allen Fächern. Physik und Mathematik habe ich nie besonders gemocht, auch wenn ich gar nicht so schlecht darin bin. Aber meistens bin ich gerne zur Schule gegangen.

Welche Fächer hattet ihr am liebsten?

Amina: Sprachen wie Englisch oder Deutsch.
Laurin: Bei mir wars das genaue Gegenteil. Deutsch, Englisch, Französisch waren nicht so meins. Klar, die Grammatik muss stimmen, aber ich glaube nicht, dass ich später im Leben je wissen muss, wie dieses oder jenes Pronomen heisst. Mathematik ist ganz anders, das hat klare Regeln und funktioniert einfach.

Wenn ihr etwas an der Schule hättet ändern können, was wäre das?

Amina: Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Allgemeinwissen vermittelt wird. Dinge, die man im praktischen Leben brauchen kann.
Laurin: Ja genau. Und dass man früher auf Fächer fokussieren kann und andere weglassen.

Habt ihr euch auch mit aktuellem Zeitgeschehen beschäftigt?

Laurin: Nicht als Fach. Aber ein Lehrer hat bei Prüfungen immer eine Zusatzfrage mit Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen gestellt.

Hattet ihr eigentlich Sexualkunde?

Amina: Ja, ab der 5. Klasse.
Laurin: Etwa sechs Lektionen im Jahr. Es waren die, in denen ich am meisten gelacht habe.

Warum?

Laurin: Weils lustig war, aber manchmal natürlich auch peinlich.

Habt ihr nicht alles schon gewusst, was man euch da erzählt hat?

Amina: Nein, ich habe wirklich Neues gelernt.
Laurin nickt.

Amina Wanger

Amina Wanger wohnt in Oberrohrdorf AG und startet jetzt ein ­Bezirksschuljahr, damit sie im ­Anschluss an die Fachmittelschule kann.

Gabs während der Schulzeit irgendein Erlebnis, das ihr nie vergessen werdet?

Laurin (zeigt in eine Ecke des Schulzimmers): Auf dem Schrank dort steht ein Feuerkessel mit einem Loch drin (lacht). In der 1. Bez war unsere Klasse im Wald bräteln, und ich schlug vor, einen Gugelhopf über dem Feuer zu machen. Wir stellten den Kessel direkt ins Feuer. Am Ende war nicht nur der Kuchen darin total verkohlt, der Kessel hatte ein Loch. Später fand ich heraus: Feuer mit Kohlebriketts wird viel heisser als mit Holz – so heiss, dass sogar Metall schmilzt.
Amina: Ich werde wohl das ewige Treppenlaufen in den dritten Stock nie vergessen. Manchmal mussten wir nach jeder Lektion rauf- und wieder runtersteigen. Und die Klassenlager waren toll. In der Primarschule hatten wir doch auch eins, oder? (schaut zu Laurin hinüber)
Laurin
: Ja, stimmt!
Amina: Auf einem Campingplatz am Titisee.
Laurin: Genau, das war super!
Amina: Wir haben ein Floss gebaut und sind damit auf den See gegangen.
Laurin: Einmal war ein Kollege am Duschen und fing plötzlich an zu schreien. Da kam gerade eine riesige Kakerlake aus dem Abfluss gekrochen … (lacht)
Amina
: Wir mussten unser Reisegepäck vor dem Zelt lassen, und als wir morgens rauskamen, waren die Koffer voller Käfer und so (beide kichern noch ein wenig).

Habt ihr in der Schule Freunde fürs Leben gefunden?

Laurin: Bei mir gabs beim Übergang von der Primar- in die Bezirksschule einen Bruch, da hat sich der ganze Freundeskreis komplett verändert. Es kamen da mehrere Faktoren zusammen, wir haben uns wohl einfach auseinandergelebt. In den jeweiligen Schuklassen lief eigentlich immer alles okay, aber Freundschaften fürs Leben sind eher nicht entstanden.
Amina: Bei mir blieb der Freundeskreis aus der Primar erhalten, da die Mehrheit wie ich in die Sekundarschule kam. Und einige Freundschaften werden sicher bleiben.

Gabs auch schwierige Phasen, als euch die Schule gestunken hat oder ihr rebelliert habt?

Amina: Nicht wirklich.
Laurin: Nichts Ernsthaftes. Klar, gabs immer wieder Momente, in denen ich mich gefragt habe, warum ich das jetzt machen soll. Aber da muss man halt durch, man hat ja keine andere Wahl.

Viele Kinder sind heute schon in der Schule enorm gestresst, wegen der Termine und des Leistungsdrucks – habt ihr das auch so erlebt?

Laurin: Eigentlich nicht. Ich wusste schon länger, dass ich was mit Mathe machen möchte. Und wenn man weiss, in welchen Momenten es bei den Noten darauf ankommt, kann man sich gezielt vorbereiten und den Rest eher locker nehmen.
Amina: In vielen Fächern musste ich mich bemühen, um gute Noten zu haben, das war schon manchmal anstrengend. Aber ich wollte halt gut sein, also war klar, dass ich dafür auch etwas machen muss.

Wie habt ihr den Umgang mit Jugendlichen erlebt, die etwas anders sind? Zum Beispiel Ausländer, Übergewichtige, Schwule und Lesben – war man da eher entspannt und offen, oder gabs auch Mobbing?

Amina: Nicht, dass ich das je mitbekommen hätte.
Laurin: Ich auch nicht. Es gab mal eine Phase, wo Teile unserer Klasse mit Teilen einer anderen Klasse ein Problem hatten, aber das hat sich dann auch irgendwann geklärt. Die Hintergründe kenne ich aber nicht, ich war nie direkt involviert.

Laurin Steinmann

Laurin Steinmann wohnt in Oberrohrdorf AG und beginnt am 10. August eine Lehre als Geomatiker.

Wie zufrieden wart ihr mit euren Lehrern?

Laurin: Mit einigen mehr, mit anderen weniger …
Amina: Genau. Ich habe diejenigen gemocht, die alle in der Klasse fair behandelt haben.
Laurin: Es kam auf die Art des Unterrichtens an. Mir gefiel, wenn es abwechslungsreich war, nicht einfach eine Stunde lang Theorie und dann die zweite auch gleich noch, sondern durchmischt mit Praxis und mit Verknüpfungen zum Alltag oder zu praktischen Anwendungen.

Gabs Lehrer, zu denen ihr nicht gern gegangen seid?

Laurin: Das hing meist eher vom Fach als von der Person ab.

Fühlt ihr euch denn jetzt aufs Leben vorbereitet?

Laurin: Die Frage ist doch: Wann fängt das Leben an? Ich glaube, für den Einstieg ins Berufsleben bin ich gut vorbereitet, für alles andere kommt dann sicher noch mehr dazu.
Amina: Eine gewisse Basis ist sicher gelegt. Ich habe viel gelernt, aber ob ich das alles dann wirklich brauche, weiss ich nicht.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Amina: Ich werde vermutlich studieren, aber lasse es mal auf mich zukommen. Genaue Pläne gibt es noch nicht.
Laurin: Erst mal die Lehre fertig machen, dann kommt wohl die RS, und danach könnte ich mir auch ein Studium vorstellen, vielleicht Geomatik, mal sehen. Wenn sich ein Auslandsaufenthalt ergibt, würde ich sicher nicht Nein sagen.

Und du machst die RS, keinen Zivildienst?

Laurin: Weiss ich noch nicht so genau. Aber man muss es halt machen, und bisher haben die meisten die RS überlebt, so schlimm kann es also nicht sein.

Und noch später? Wollt ihr mal Kinder haben?

Amina: Eigentlich schon, aber das ist sicher noch weit weg.
Laurin: Geht mir auch so.

2012 sagtest du, es müssten sicher mehr als vier Kinder sein …

Laurin: (lacht) Ja … halb so viele wären also auch okay. Mal sehen.

Du wusstest damals auch schon, wen du heiraten willst, und sie war sogar bereits informiert. Ist da mehr draus geworden?

Laurin: (lacht) Nein, wir sind zwar noch lange in die gleiche Klasse gegangen, aber haben uns dann auseinandergelebt. Ein richtiges Paar waren wir also nie.

Und du warst in der 2. Klasse auch dein eigenes Vorbild – hat sich das geändert?

Laurin: (kichert) Ich selber bins definitiv nicht mehr. Aber ich habe auch nicht wirklich andere.
Amina: Ich auch nicht.

Wie stehts eigentlich heute um euer Lieblingsessen? Immer noch Pizza und Spaghetti?

Laurin: Ess ich immer noch gern. 

Und kochst du immer noch für die Familie? 

Laurin: Ja, grad während des Lockdowns hatten meine Brüder und Eltern wenig Zeit am Mittag, also habe ich für alle gekocht. Öfters Spätzli mit etwas drin. Und dazu Apfelmus zum Beispiel. 

Amina, Du hattest früher Kartoffeln nicht gern.

Amina: Die mag ich inzwischen. Zum Beispiel mit Raclette, oder als Pommes. Und ich liebe die Kartoffelknödel mit Zwetschgen drin, die meine Grossmutter manchmal macht. Aber Gschwellti oder Kartoffelstock mag ich immer noch nicht.  

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Während Amina noch ein Jahr im gleichen Schulzentrum bleibt, um die Bezirksschule zu absolvieren, freut sich Laurin auf seine Lehre in Zürich.

Haben sich eure Hobbys von damals verändert?

Amina: Mit dem Flötespielen habe ich schon bald aufgehört. Aber ich lese immer noch ganz gerne, komme einfach nicht mehr so viel dazu wie früher. Wichtig ist mir Jungwacht Blauring, da möchte ich auch Leiterin werden. Eine Zeitlang habe ich noch Badminton im Schulsport gespielt, aber damit habe ich jetzt durch den Schulwechsel aufgehört.  
Laurin: Ich spiele immer noch akustische Gitarre und werde das auch weitermachen. Eine Zeitlang habe ich Handball gespielt, die letzten fünf Jahre Tischtennis in einem Club, womit ich jetzt aber aufgehört habe. In der Lehre fehlt mir dafür die Zeit, denke ich. Falls es anders sein sollte, kann ich jederzeit wieder anfangen.

Was macht ihr sonst so in der Freizeit?

Amina: Freundinnen treffen, zusammen irgendwohin gehen, plaudern – oder auch zusammen shoppen in Baden oder im Shoppingcenter Spreitenbach.
Laurin: Ich bin nicht mehr so viel mit Freunden unterwegs. Ich war in letzter Zeit eher auf die Schule fokussiert und immer wieder mal mit der Familie unterwegs. Jetzt gerade, in den Ferien, waren wir wandern in Freiburg und im Wallis.

Macht euch die Zukunft manchmal Sorgen? Der Klimawandel zum Beispiel?

Laurin: Ich mach mir schon Gedanken, aber ich kann auch gut filtern: Was hat wirklich einen Einfluss auf mein Leben, und wo kann ich etwas ändern? Das Umweltthema kann ich allerdings nicht so leicht rausfiltern, mein Bruder war manchmal an Fridays-for-Future-Demos.
Amina: Mich beschäftigt der Klimawandel schon, aber ich denke, ich kann nicht viel dagegen machen.
Laurin: Ich glaube, wir werden das einfach auf uns zukommen lassen müssen. Es bringt nichts, sich da verrückt zu machen.

Freut ihr euch darauf, dass ihr bald abstimmen dürft?

Laurin: Ich werde wählen und abstimmen gehen, das ist klar. Aber ich freue mich mehr aufs Autofahren. Mit 17 darf ich ja schon den Lernfahrausweis lösen.
Amina: Ich würde nicht sagen, dass ich mich freue, aber Mitbestimmen find ich schon was Gutes. 

In ein paar Wochen werden neue Erstklässler hier die Schule beginnen. Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr daran denkt?

Amina: Ich finde es immer lustig, die Kleinen zu sehen. Und frage mich: War ich auch mal so? Es ist doch noch gar nicht so lange her.
Laurin: Ich denke dann «so klein und noch so unerfahren».

Welchen Rat werdet ihr dereinst euren Kindern zum Schulstart auf den Weg geben?

Laurin: Hört auf die Lehrer! Die wissen schon, warum sie euch welchen Stoff beibringen. Auch wenn ihr es im Moment nicht versteht.
Amina: Ich werde ihnen raten, sich selbst zu bleiben. Und herauszufinden, was sie glücklich macht.

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