Navigation

Migros - Ein M besser

Hilfe für Südostasien

Schweizer IT für Schulen in Laos

In der Schweiz endet tonnenweise Computerzubehör als Elektroschrott, obwohl es noch funktioniert. Raphaël Surber möchte davon so viel wie möglich retten, damit Primarschulen in dem asiatischen Entwicklungsland online gehen können.

Text Ralf Kaminski
Fotos Michael Sieber
Raphaël Surber in seinem Lager in Dielsdorf. Das gespendete IT-Zubehör geht später in einem Schiffscontainer auf die Reise nach Laos.

Raphaël Surber in seinem Lager in Dielsdorf. Das gespendete IT-Zubehör geht später in einem Schiffscontainer auf die Reise nach Laos.

Vorsichtig manövriert Raphaël Surber eine Palette voller Computermonitore in den schon recht gut gefüllten Lagerraum im Industriegebiet von Dielsdorf ZH. Die Geräte stammen von der Bâloise-Versicherung, die im Zuge eines IT-Updates gleich 130 Stück ausrangiert und Surbers «association basmati» gespendet hat. Diese müssen nun sortiert und für den Transport per Schiffscontainer nach Laos vorbereitet werden.

«Als wir 2014 damit angefangen haben, sind wir noch persönlich bei Privatleuten vorbeigefahren und haben die Geräte abgeholt», sagt der 48-jährige Kommunikationsexperte und lacht. «Besonders effizient war das nicht.» Zwar sagt er zu solchen Einzelspenden auch heute nicht Nein, bevorzugt aber Firmen, die oft grössere Mengen auf einen Schlag abzugeben haben.

Bisheriger Rekordhalter in dieser Hinsicht ist die KPMG, die wegen einer Renovation in Zürich gleich ein ganzes Bürogebäude leergeräumt hat. «Da bekamen wir letzten Sommer 1200 Monitore auf einmal.» Was dann Surbers kleines Hilfswerk prompt ziemlich gefordert habe: «Wir holten uns von der ETH zehn Studierende, die mithalfen, die Lieferung zu verarbeiten.»

Besonders begehrt: Firmenspenden

Gefragt sind nicht die Computer selbst, sondern primär das IT-Zubehör rundherum, vor allem Monitore, Tastaturen, Mäuse, Kabel, Kopfhörer – und alle Marken ausser Apple. «Laptops sind auch okay», sagt Surber. Die eigentlichen Computer, sogenannte Mini-PC, beschafft seine Partnerorganisation vor Ort zu günstigen Konditionen und mit Geldspenden, die teils auch aus der Schweiz kommen.

Insgesamt 1750 Monitore samt Zubehör hat Surber mittlerweile schon nach Laos verschifft; sein Ziel ist es, in den nächsten Jahren weitere 7500 zu liefern, und dabei zählt er insbesondere auf Unternehmen. «Viele Firmen entsorgen ausrangierte Hardware direkt ins Recycling, weil man kaum noch Geld dafür bekommt. In Laos hingegen können damit Hunderte von Schulen modernisiert und ein Stück weit ins digitale Zeitalter geholt werden.»

Wie wichtig das ist, realisierte Surber dank einer Kooperation mit EDF Lao, einer laotischen Organisation, die sich für eine Verbesserung des chronisch unterentwickelten Schulwesens engagiert. «Eigentlich wollten wir helfen, modernere Lehrmittel in die Schulen zu bringen», sagt Surber – doch die Entwicklung und der Druck so vieler Bücher wäre finanziell nicht zu stemmen gewesen. «Online jedoch steht eine Fülle von gutem Material zur Verfügung, nur fehlt den Schulen dafür die technische Ausrüstung.»

Was die Schweizer IT in Laos bewirkt. (Video: association basmati)

Nach einer ersten Lieferung von 250 Geräten, die EDF Lao ab 2015 nach und nach im Land verteilte, wurden die laotischen Behörden auf das Projekt aufmerksam. «Die Regierung unterstützt uns nun seit 2019 ganz offiziell, was den Import und die Verteilung der Geräte erleichtert und beschleunigt.» Allerdings wurden auch in Laos sämtliche Schulen wegen Corona geschlossen. «Doch seit Anfang September sind sie wieder offen, und es kann weitergehen.»

Die insgesamt vorgesehenen 9000 Monitore reichen, um sämtliche Primarschulen des Landes mit je einem Computerset auszurüsten, wovon rund eine Million Kinder profitieren würde. «Ein Riesenfortschritt für das Land», freut sich Surber.

Der neue Com- puter hat die volle Aufmerksamkeit der Schulkinder an der ­Phonphor ­Secondary School, zur Freude von ­Raphaël Surber (hinten links im Eingang stehend).

Der neue Computer hat die volle Aufmerksamkeit der Schulkinder an der ­Phonphor ­Secondary School, zur Freude von ­Raphaël Surber (hinten links im Eingang stehend).

Hauptberuflich ist Raphaël Surber Geschäftsführer seiner eigenen Kommunikationsagentur in Baden AG, ausserdem Verwaltungsrat des Reiseportals travelnews.ch, das er vor fünf Jahren mitgegründet hat. Südostasien gehört schon jahrzehntelang zu seinen bevorzugten Reisezielen. «Es ist eine sehr schöne Region mit wunderbaren, herzlichen Menschen, ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt und konnte viele gute Kontakte knüpfen. Ich merkte aber auch schnell, dass an vielen Ecken und Enden Hilfe benötigt wird.»

Eigenes Hilfswerk statt nur Spenden

So gründete er 2008 mit zwei Freunden die «association basmati» mit dem Ziel, direkt vor Ort Projekte und lokale Organisationen zu unterstützen, die er persönlich besucht und evaluiert. «Ich habe schon zuvor regelmässig Geld gespendet, war mir aber nie ganz sicher, wie viel davon wirklich den eigentlichen Anliegen zugutekam. Hier kann ich das nun selbst sicherstellen.»

Das Budget seines Hilfswerks beläuft sich aktuell auf knapp 40 000 Franken im Jahr und finanziert sich ausschliesslich durch Spenderinnen und Gönner. Unterstützt werden diverse Projekte in Laos, Kambodscha und Malaysia – etwa zum Schutz der letzten, vom Aussterben bedrohten asiatischen Elefanten in Laos oder zur Minenräumung in Kambodscha mithilfe speziell dafür dressierten Riesenratten. Zudem unterstützt «association basmati» finanziell einen Verlag, der Kinder- und Lesebücher herausgibt. «Unter anderem haben wir die Veröffentlichung von ‹Robin Hood› auf Laotisch ermöglicht», erzählt Surber.

_U1B9661.jpg

Surbers Kommunikationsagentur hat sich von der Migros inspirieren lassen und ebenfalls ein «Kulturprozent» eingeführt.

Auch seine Agentur hat eine soziale Komponente: «Wir spenden jedes Jahr ein Prozent unseres Umsatzes – eine Idee, zu der uns die Migros mit ihrem Kulturprozent inspiriert hat.» Das Hilfswerk startete als Hobby, nimmt aber derzeit recht viel Zeit in Anspruch. Es besteht de facto aus Surber und seiner Frau Susanne Soo Jin (48), die koreanische Wurzeln hat, aber in der Schweiz aufgewachsen ist. Sie arbeitet heute an der ETH. «Wir kennen uns seit dem Kindergarten, sind aber erst sehr viel später ein Paar geworden.»

Das Paar hat Auswanderungspläne

Und das nächste gemeinsame Projekt ist auch schon angedacht: «Wir planen, später mal nach Laos auszuwandern und unsere Arbeit vor Ort weiterzuführen», sagt Surber. Diese Idee geistere schon länger in ihren Köpfen herum. «Wir sagten immer, ach, so in zehn Jahren dann. Und so verschob es sich immer weiter nach hinten.»

Inzwischen jedoch haben sie sich einen Termin gesetzt. «Wir sind dann mit Mitte Fünfzig immer noch jung genug, um noch einmal etwas Neues zu starten.» Und bis dahin, so hofft Raphaël Surber, sind dank ihrer Arbeit wohl auch alle laotischen Primarschulen online.

Die IT-Spenden im  Einsatz: Schulkinder  der Phonphor Secondary School in Laos schauen Englisch-LernMitmach-­Videos. 

Die Schweizer IT-Spenden im Einsatz: Schulkinder der Phonphor Secondary School in Laos schauen Englisch-Lern-Mitmach-Videos. 

Schon gelesen?