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Cash in der Krise

Bye Bye Bargeld?

Wegen Corona lassen viele Leute die Finger von Münzen und Banknoten. Lieber bezahlen sie mit Karte oder Handy. Wird Bargeld bald abgeschafft?

Text Michael West
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Werden alle Banknoten weniger genutzt?

Nein, vor allem die 10er-, 20er und 50er-Noten wurden zu Beginn der Coronakrise weniger genutzt. Das lag daran, dass die Menschen in der Schweiz häufiger online einkauften und im Laden öfter bargeldlos bezahlten. Im Sommer, nach dem Ende des Lockdowns, nahm die Nachfrage wieder zu, erreichte aber nicht mehr ganz das frühere Niveau.

Warum sind die grossen Noten weniger betroffen?

«In jeder Krise gibt es Privatleute, die besonders aus Angst vor einem Bankencrash Bargeld horten», sagt Tobias Trütsch, Zahlungsökonom der Universität St. Gallen (HSG). «Auch manche Firmen füllen dann vorsorglich ihre Tresore mit Cash.» Solche Notvorräte werden vor allem in grossen Scheinen angelegt.

Wie bezahlen die Migros-Kundinnen und -Kunden?

Vor dem Ausbruch der Pandemie wurden etwa 60 Prozent der Einkäufe an der Migros-Kasse bar bezahlt. Im Lockdown bezahlten dann plötzlich 60 Prozent der Kundinnen und Kunden bargeldlos. Inzwischen hat die Gruppe der Barzahler wieder etwas zugenommen, sie sind aber weiterhin in der Minderheit.

Sind Geldscheine Virenschleudern?

Das australische Biosicherheitslabor «Centre for Disease Preparedness» hat nachgewiesen, dass Coronaviren bis zu 28 Tage lang auf Banknoten überleben können. Ob man sich über Bargeld anstecken kann, ist in der Wissenschaft trotzdem umstritten. Fest steht: Wer bargeldlos bezahlt, ist schneller und verkürzt die Dauer der Kontakte. Bis zu 80 Franken kann man ohne Pin-Code zahlen, das frühere Limit von 40 Franken wurde wegen Corona angehoben.

Wie lange halten Geldscheine die Strapazen des Alltags aus?

Grosse Banknoten halten länger durch. Eine 1000er-Note hat eine Lebenserwartung von über zehn Jahren, weil man sie meist an einem sicheren Ort aufbewahrt und nicht zusammengefaltet ins Portemonnaie stopft. 20er- und 10er-Noten müssen schon nach zwei bis drei Jahren ersetzt werden.

Bietet Bargeld überhaupt noch Vorteile?

Ein Kartenlesegerät kann ausfallen, ein Handy einen leeren Akku haben. Banknoten funktionieren immer. Sie machen es leicht, den Überblick über die Ausgaben zu behalten. Viele Leute finden es auch sympathisch, dass Bargeld keine Datenspur hinterlässt. «Für manche Menschen ist Bargeld daher nicht nur praktisch, es bedeutet auch Anonymität und Freiheit», erklärt Trütsch.

Könnte Bargeld in der digitalisierten Welt trotzdem überflüssig werden?

«Eine Abschaffung des Bargeldes ist in der Schweiz vorläufig undenkbar, das liesse sich politisch nicht durchsetzen», versichert Trütsch. «Es wird immer Menschen geben, die aus Prinzip mit Cash bezahlen.» Laut dem Ökonomen schrumpft die Gruppe dieser Bargeld-Enthusiasten nur sehr langsam, obwohl gleichzeitig die Zahl der Leute werden immer seltener. Wie in vielen anderen Lebensbereichen kommt es also auch bei den Zahlungsmittlen zu einer Polarisierung.

Werden andere Länder bald ihre Banknoten abschaffen?

Auch in anderen Nationen gibt es starke Widerstände gegen eine Abschaffung des Bargelds. Tobias Trütsch nennt als Beispiel Schweden, das auf dem Weg zur bargeldlosen Wirtschaft war. Doch die Gegner organisierten sich, brachten eine Initiative zu Stande und liessen im Gesetz verankern, dass alle Läden Geldscheine akzeptieren müssen.

Werden Geldfälscher und Bankräuber allmählich aussterben, weil Bargeld seltener benutzt wird?

«Geldfälscher gibt es weiterhin», sagt Trütsch. «Sonst müsste die Nationalbank nicht immer wieder neue Banknotenserien mit noch raffinierteren Sicherheitsmerkmalen auflegen.» In der organisierten Kriminalität gibt es jedoch einen klaren Trend zu bargeldlosen Betrügereien. Das ist für die Kriminellen oft weniger riskant und einträglicher als ein Bankraub.

Wie teuer ist es, eine Schweizer Banknote herzustellen?

Erstaunlich günstig: Die Entwicklung, der Druck und die verwendeten Materialien kosten pro Geldschein der neuesten Serie im Schnitt nur etwa 40 Rappen.

Was sind die ältesten Schweizer Geldstücke, mit denen man bezahlen kann?

Die 1879 geprägten 10-Räppler sind noch im Umlauf.

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