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Migros - Ein M besser

Aus dem Leben einer Singlefrau

«Die eine grosse Liebe gibt es nicht»

Gescheiterte Dates, peinliche Fragen, Torschlusspanik, aber trotzdem viel Spass: Karin Roth hat ihre Erfahrungen als Single in ein Buch gepackt – und auch Intimes preisgegeben.

Text Anne-Sophie Keller
Fotos Michael Sieber
Auf dem Sprungbrett ins Liebesglück: Karin Roth, umrahmt von den Spielern des Wasserballklubs Stadtmannschaft Zürich.

Auf dem Sprungbrett ins Liebesglück: Karin Roth, umrahmt von den Spielern des Wasserballklubs Stadtmannschaft Zürich.

Dem Titel Ihres Buches zufolge ist die Flirtauswahl «scheisse». Sind die Männer wirklich so übel?
Übel kann man so nicht sagen (lacht). Manchmal dauert es einfach länger, bis man den Richtigen oder die ­Richtige findet. Wenn man sich auf eine Beziehung einlässt, dann soll es stimmen. Ich wollte nie jemanden ­haben, nur damit ich nicht allein bin.

Was macht denn in Ihren Augen einen «guten» Mann aus?
Mir gefallen Männer, die auffallen und etwas Spezielles haben. Ich mag sportliche Männer, die selbständig sind und eine eigene Meinung haben.

«Den einen» gibt es nicht, finden Sie. Sollten wir flexibler werden?
Eine Beziehung kann für immer sein, aber ich glaube nicht, dass es nur einen Menschen gibt, der zu einem passt. Früher hatte man vielleicht nur diese eine Chance – man blieb. Aber heute hat man mehr Möglichkeiten, jemanden kennenzulernen.

Die Sache mit den Möglichkeiten hat auch Nachteile …
So schnell, wie man jemanden er­setzen kann, wird man auch selbst ersetzt. Manchmal hat man keine Zeit für jemanden, und der sucht sich in der Zwischenzeit bereits etwas anderes.

Romantisch ist anders.
Beim Kennenlernen kann ich das irgendwie nachvollziehen. Aber ich finde, in einer Beziehung wartet man auf den anderen. Andernfalls würde das meinen Glauben an die Liebe schon etwas erschüttern.

Dass die Liebe einen findet, sei Quatsch, sagen Sie. Muss man für sein Glück arbeiten?
Ja. Aber vor allem muss man für sein persönliches Glück offen sein. Wenn man mit Scheuklappen durch das Leben geht, wird das nichts. Die Chancen erhöhen sich durch Optimismus. Auch wenn das etwas Überwindung kostet.

Sie beschreiben den Druck, in den 30ern sesshaft zu werden. Ist der Spass mit 30 vorbei?
Bei mir hat er dann erst richtig an­gefangen! Ich war erst mit 30 mit der Ausbildung fertig und hatte endlich mal richtig Freizeit.

Viele Männer haben Ihre Absage schlecht verkraftet; es ging bis zu Hassmails oder körper­lichen Grenzüberschreitungen. Das ist beunruhigend.
Leider höre ich das von vielen Frauen. Man muss das aussprechen, weil es leider zur Dating-Welt dazugehört. Ich hatte tatsächlich manchmal Angst – zum Beispiel, als ein Mann mich nach einer Abfuhr durch die Stadt verfolgte. Viele Männer sind enttäuscht, wenn ein Abend anders verläuft, als sie es sich vorgestellt haben. Letztlich haben diese Männer einfach bewiesen, dass sie nicht die Richtigen sind.

Männer legten sich nur ins Zeug, um zu «vögeln» oder weil sie nichts Besseres zu tun hätten, schreiben Sie. Ist das nicht etwas pauschalisierend?
Natürlich (lacht). Das Buch strotzt vor Klischees, weil man die als Single auch ständig serviert kriegt. Männer legen sich auch ins Zeug, wenn sie verliebt sind. Aber an diesen Punkt muss man erst mal kommen. Mir wurde in meiner Dating-Zeit einige Male das Herz gebrochen.

Bei einem Mann namens Marlon hat der Annäherungsversuch die Freundschaft zerstört. Klappt Freundschaft zwischen den Geschlechtern?
Ja, definitiv. Ich habe seit meinem 13. Lebensjahr denselben besten Freund, und da gabs nie eine sexuelle Anziehung. Den im Buch erwähnten Marlon habe ich jedoch aus den Augen ver­loren, und in der Zwischenzeit haben wir uns beide verändert.

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Sie beschreiben viele Männer, die sich nicht festlegen wollen. Wie erklären Sie sich das?
Vielleicht haben sie das Gefühl, sie verpassen dann etwas. Aber wenn man sich ständig alle Optionen offenhält, kann man keine davon richtig leben. Und dann verpasst man auch etwas.

Bei einigen Dates waren die Umstände oder war das Timing nicht optimal. Reicht Liebe allein nicht aus?
Liebe allein funktioniert schon. Aber nur, wenn beide sie in den Fokus stellen wollen.

Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?
An Verliebtheit auf den ersten Blick bestimmt. Ich knallte nach der Disco mal in einen Mann rein, das war ein Wow-Moment. Ob dann Liebe entsteht, ist aber eine andere Frage.

Ihre beste Freundin hält das Fitnesscenter für einen guten Ort zum Flirten. Welche Jagdreviere können Sie empfehlen?
Für mich war es immer die Tanzfläche, weil ich dort ausgelassen und fröhlich bin. Das strahlt man aus und das macht einen ­attraktiv. Man flirtet dort am besten, wo man sich wohlfühlt.

Sie sind kein grosser Fan von Flirt-Apps. Warum nicht?
Weil dort die Quantität vor der Qualität kommt. Mir hat die Nachhaltigkeit gefehlt. Mitte 30 erhielt ich auch viele Nachrichten von vergebenen Männern auf der Suche nach einem Seitensprung. Und «Hallo, wie gehts?» ist für mich keine Grundlage für eine Beziehung.

Immerhin: Laut einer Studie haben 46 Prozent der Menschen hierzulande, deren Partnerschaft innerhalb der vergangenen zwei Jahre entstanden ist, ihren Partner online kennengelernt.
Das sagen meine Kolleginnen auch immer! Jeder und jede findet das Glück woanders.

Sie fühlten sich in Ihrem Umfeld als Versagerin, wenn es mal wieder nicht klappte. Sind Singlefrauen in den 30ern derart bemit­leidenswert?
Nein. Die Reaktionen sind ja oft nur gutgemeinte Ratschläge. Ich bin total froh um alles, was ich erlebt habe. Viele finden als Teenie den Mann fürs Leben und können die Single-Zeit gar nie geniessen – das finde ich fast trauriger.

Man höre in diesem Alter die biologische Uhr ticken, schreiben Sie. Sie sind 37 – wie sieht das bei Ihnen aus?
Wenn ich Kolleginnen anschaue, die Kinder haben, erkenne ich Vor- und Nachteile. Ich würde mich in der Mutterrolle sehen. Aber schliesslich entscheidet da auch die Natur, nicht nur ich.

Was beim Lesen Ihres Buches auffällt: Sie mögen es, verwöhnt zu werden. Etwa, indem man Ihnen 30 teure Rosen oder eine Sachertorte per Express schickt. Sind Frauen käuflich?
Nein. Aber die herzigsten Dinge sind die, die nicht voraussehbar sind – die kleinen Überraschungen. Das kann auch ein Schoggistängeli von der Tankstelle sein.

Aus dem Leben einer Singlefrau

Zur Autorin: Karin A. Roth (37) ist in Studen bei Biel aufgewachsen. Nach der Lehre als Bankkauffrau stieg sie in den elterlichen Immobilienbetrieb ein. Es folgten weitere Aus-­bildungen, unter anderem zur Fachjournalistin und Treuhänderin. Heute arbeitet sie als Immobilientreuhänderin und unterrichtet Immobilienwirtschaft. Sie war – mit Unterbrüchen – zehn Jahre lang Single und datete in jener Zeit mehrere Dutzend Männer.

Zum Buch: Karin ist gutaus­sehend, beruflich erfolgreich und sportlich. Sie fährt Motorboot, ist leidenschaftlicher 
Eishockeyfan und Single. Sie hat viele Dates, doch Mister Perfect ist einfach nicht dabei. Oder hat sie ihn schlicht und ergreifend nicht erkannt? ­Selbstironisch lässt die ­37-Jährige ihre Datingzeit ­Revue passieren; sie schreibt über Freundschaft, Liebe und die Sehnsucht nach einem Seelenverwandten.

Karin A. Roth: «Single, weil die Auswahl scheisse ist»
(ab 21. 8. 2020 bei exlibris.ch)

Mit dem Ex-«Bachelorette»-Kandidaten Davide kam vor drei Jahren endlich Ihr Casanova. 
Genau. Ihn habe ich lustiger­weise durch ein altes Date von mir kennengelernt. Das hat sich also letztlich doch gelohnt.

Davide ist ja kein unbeschriebenes Blatt, wenn man mal die Klatschpresse anschaut. Hat Sie das nicht abgeschreckt?
Doch, doch, total! Ich wollte ihn ja nicht. Aber er war hartnäckig. Und die Dates waren so lustig! Das war eine neue Erfahrung. Er machte fast nie das, was ich erwartet hatte, und tanzte aus der Reihe.

Eigentlich durften Sie den ja gar nicht daten. Ihm drohte eine Kausalstrafe vom Sender.
Ich erfuhr beim zweiten Date, dass er nicht in romantischer Verbindung mit einer Frau ­gesehen werden durfte, solange die Show noch lief. Dass er das Risiko einging, war ein starkes Zeichen. Denn die Geldstrafe wäre definitiv happig gewesen.

Bei Davide seien Sie einfach so «reingerutscht». Ist die grosse Liebe letztlich also ein Zufall?
Ich glaube schon. Man kann sich extrem bemühen, und es klappt nicht. Andere treffen in der Migros die Liebe ihres Lebens. Diese Unberechen­barkeit macht es spannend.

Singles sollen die abenteuer­liche Dating-Welt geniessen. Fehlt sie Ihnen manchmal?
Sie fehlt nicht, aber es gibt immer wieder Momente, in denen ich merke, dass mich jemand ­anflirtet und dass mir das ein gutes Gefühl gibt. Es war eine schöne Zeit damals, sie hat Spass gemacht. Ich erinnere mich gerne an das Gute zurück; das Schlechte blendet man rück­blickend zum Glück aus.

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