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Diaspora TV

Der Mann, der in 19 Sprachen Brücken baut

Wie können sich Migranten und Migrantinnen in der Schweiz besser informieren? Diese Frage stellte sich Mark Bamidele-Emmanuel und schuf Diaspora TV, einen Online-Sender in über 19 Sprachen.

Text Anne-Sophie Keller
Fotos Marco Zanoni
Mark Bamidele-­Emmanuel gründete 2018 ­Diaspora TV.

Mark Bamidele-Emmanuel lebt seit 1999 in der Schweiz. Heute ist er Herr über einen Online-TV-Sender, der in 19 Sprachen sendet. 

Am 1. Juli 2020 informierte der Bundesrat die Bevölkerung der Schweiz über die Maskenpflicht im ÖV. Doch nicht alle haben das mitgekriegt. Und das ist ein Problem: «Viele Migranten haben erst Tage später  von der Maskenpflicht erfahren, weil sie die reichweitenstarken Medien nicht konsu­mieren», sagt Mark Bamidele-Emmanuel. Der ­45-Jährige hat aus Gründen wie diesen vor zwei Jahren Diaspora TV gegründet.  Nur wenn alle gleich gut informiert seien, könne man Krisen wie die Corona-Pandemie ­meistern. «Viele lernen Deutsch, aber man braucht eine hohe Sprachkompetenz, um Medienmitteilungen zu verstehen.»

Streben nach Glück

Er selbst kam im August 1999 aus Nigeria in die Schweiz. Ohne hier irgendjemanden  zu kennen oder auch nur ein Wort Schweizerdeutsch zu verstehen. Aber mit der ­Zuversicht, dass alles gut kommen wird. Das erste Zuhause des studierten Agrar­ingenieurs: das Asylzentrum in Köniz BE. Dann folgte ein Studium in Elektrik- und Telekommunikationstechnik sowie ein  Job bei TeleBielingue.

Sein zweites Zuhause: eine Bernerin ­namens Sonja, der er Mathe-Nachhilfe gab. Heute sind die beiden verheiratet und ­haben zwei Söhne. Für Dare (14) und Yemi (12) ist der Spagat zwischen den Kulturen normal. «Schweizer Gäste sprechen sie mit dem Namen an. Und wenn ein afrikanischer Gast kommt, mit Onkel oder Tante», erklärt Bamidele-Emmanuel. So verlangt es der kulturelle Respekt in Nigeria.

In seiner Heimat besuchte der ­TV-Mann ein Internat, das Kinder aus verschiedenen Kulturen aufnahm. Diese Mischung hat  ihn fasziniert. «Rassismus habe ich erst in der Schweiz kennengelernt. Wenn weisse ­Menschen nach Afrika kommen, werden sie ­akzeptiert. Umgekehrt ist es anders.» 

Es brauche positiv besetzte Geschichten über Migranten und Migrantinnen. Doch wie integriert man sich hier? «Zuerst muss man die Schweiz als neue Heimat akzep­tieren. Und die Schweizer als Brüder und Schwestern. Und man sollte nicht urteilen. Man weiss nie, warum Leute etwas auf eine bestimmte Art tun. Als Drittes: Lerne die Sprache, informiere dich über die Kultur, lies die Schweizer Geschichte.» Bamidele-­Emmanuel fand es anfangs schwierig, sich über die Schweiz zu informieren. Diaspora TV ist seine Lösung dafür. 

Diaspora-TV wendet sich in 19 Sprachen an Migranten und Migrantinnen.

«Wir informieren arabische oder ser­bische Frauen, die zu Hause bleiben. Wir ­geben ­ihnen durch eine Person aus ihrer Herkunftsregion Zugang zu Informationen in ihrer Sprache.» Rund 40 Personen – seit dem Corona-Ausbruch wurde auf 70 auf­gestockt – arbeiten ehrenamtlich beim ­Diaspora TV und ­ge­stalten ein Programm
in 19 Sprachen. Auf diese Weise geben Be­teiligte ihren Communities etwas zurück. 

Der TV-Sender hat mittlerweile schon 27 000 AbonnentInnen auf Facebook und 6000 auf YouTube. Bis zu einer Million ­Menschen schalten jeweils online zu. Unterstützt wird der Sender unter anderem von der Caritas, dem Schweizerischen Roten Kreuz und dem Bundesamt für Gesundheit. Damit wollen die Organisationen sicher­stellen, dass ­Botschaften zur Aids-Präven­tion und anderen Gesundheitsthemen auch Migrantinnen und Migranten erreichen.

Lob von der Konkurrenz

Neben den News arbeitet das Team daher ­immer wieder an entsprechenden Projekten. In der Sendung «Did you know?» werden die kleinen Dinge des Schweizer Alltags erklärt. Zum Beispiel, dass rote Ampeln hier auch für Velofahrer gelten. «Genau diese Dinge sind eben wichtig. Viele Migranten brechen das Gesetz, weil sie nicht ausreichend informiert sind.» Lob bekommt der Sender längst auch von den Grossen. Im September 2019 be­suchten Ladina Heimgartner, die damalige stellvertretende SRG-Generaldirektorin, und Swissinfo-Chefredaktorin Larissa Bieler das Studio. «Sie haben uns gesagt, dass wir ­einen richtig guten Job machen. Ich bin unglaublich stolz auf mein Team.» Die Schweiz gab Mark Bamidele-Emmanuel eine zweite Chance. Und mit Diaspora TV sagt er Danke – in 19 verschiedenen Sprachen. 

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