Navigation

Migros - Ein M besser

Garten und Balkon einwintern

Tschüss Garten, auf Wiederblühen

Nie werkelt man so entspannt und gemütlich auf dem Balkon oder im Garten wie jetzt. Ohne jede Eile können sich Mensch und Pflanze auf die Winterruhe vorbereiten. Und dafür sorgen, dass in drei Monaten schon erste Blumen aus der Erde gucken.

Text Yvette Hettinger
Fotos Tina Steinauer
topf-unterlegen-DSC_7205.jpg

Ein perfekter Tag für die Herbstarbeiten», sagt Luzia K. Rodriguez und schaut sich um. Die Geschäftsführerin des Gartenbauunternehmens Kraut + Quer steht inmitten der orange-grün-gelben Üppigkeit, die das Areal von Frau Gerolds Garten in Zürich fast verschlingt. Sie und ihre Kollegin Sabine Keller sind heute im Esslokal unterwegs, um die Beete, Pflanzen, Töpfe und Geräte für den Winter klarzumachen.

Es ist acht Uhr morgens, eine milchige Herbstsonne hat gerade ihre ersten Strahlen über den Rand der Dachterrasse geschoben. Und dort beginnen die Frauen mit der Arbeit, um sich dann von oben nach unten durch den ganzen Garten vorzuarbeiten. Gäste sind noch keine da, die Profigärtnerinnen haben freie Bahn.

1 Zwiebeln

zwiebeln-setzten-DSC_7696.jpg

Mitgebracht haben Keller und Rodriguez Vorfreude auf den Frühling – nämlich Zwiebeln für Wildtulpen, Krokusse, Muskari, Hyazinthen, Allium und Schneeglöckchen. Sie werden vor dem ersten Frost gesetzt und bieten den Bienen im Frühling die erste Nahrung. So befüllen die Gärtnerinnen die Gefässe: eine Schicht Blähton, darüber ein Vlies, eine Schicht Erde mit einer Handvoll Hornspäne als Proviant, dann die Blumenzwiebeln, wieder Erde, und damit das Ganze nicht kahl aussieht, etwas Herbst- und Winterblüher. Dafür eignen sich violette Hornveilchen mit weinroter Skimmia und rosafarbener Erika. Die Wurzelballen rauen sie ein wenig an. Das fördert das Wachstum, denn bei den herrschenden milden Temperaturen können sich die Pflanzen noch ein wenig entwickeln.

 

Das hilft Ihnen dabei

Der Hängebasket wird mit Herbst- und Winterpflanzen dekoriert

Das braucht es dazu

2 Stauwasser

Dann gehts in Frau Gerolds Garten eine Stufe tiefer, wo auf einer kleineren Terrasse mannshohe Bäume und Sträucher in Töpfen die Tische und Stühle einrahmen. «In den Gefässen sollte sich nicht zu viel Wasser sammeln», erklärt Rodriguez, «einen Tontopf kann es sonst sprengen, wenn das Wasser gefriert.» Deshalb schieben die Frauen eine Art Füsschen unter die Gefässe. Dank der Distanz zum Boden kann überschüssiges Wasser abfliessen. Übrigens gibt es auch Töpfe aus winterhartem Material. Am besten erkundigt man sich schon beim Kauf danach.

Nicht vergessen

Ab Mitte Oktober: Laub- oder Asthaufen für Igel anlegen
Vor dem ersten Frost: Wassertonnen leeren oder Schwemmholz hineinlegen
Bis Mitte November: Kalidünger an frostgefährdete Pflanzen sprühen
Bis Ende November: Rasen von Laub befreien und mähen, Kompost
ausbringen, Komposthaufen zudecken
Beim ersten Frost: Dahlien ausgraben und einkellern

3 Frostschutz

Für kleinere Pflanzen gibt es Vlieshauben mit Hirsch- und Eulenmotiv. Der grosse Oleander wird in Meterware eingewickelt.
Für kleinere Pflanzen gibt es Vlieshauben mit Hirsch- und Eulenmotiv. Der grosse Oleander wird in Meterware eingewickelt.

Schutz vor Frost ist das grosse Thema im Herbstgarten, auch wenn die Temperatur nicht überall gleicht tief sinkt. Gärten auf dem Land sind der beissenden Winterkälte stärker ausgesetzt als etwa das Areal von Frau Gerolds Garten, das mitten in der Stadt liegt, von mehrstöckigen Geschäftshäusern geschützt. «Die Temperaturen hier entsprechen ungefähr denen auf einem Balkon im Siedlungsgebiet», sagt Rodriguez. Die Profigärtnerinnen sind nun quasi im Erdgeschoss angekommen und begutachten die empfindlichsten Gewächse des Gartens: einen Oleander und eine Feige, die noch reichlich Früchte trägt. Beide müssen vor dem ersten Frost eingepackt werden.

 

Sind Sie bereits ausgerüstet?

4 schneiden, mulchen

Tote Pflanzenteile ohne Nutzen für Insekten gilt es zu entfernen, auf die Erde kommt danach eine kältedämmende Schicht, zum Beispiel aus Holzwolle. Gräser wie Pampas flechten die Profigärtnerinnen zum Zopf. Das sieht hübsch aus und schützt gut vor Kälteschäden. Im Gemüsebeet (unten) spriesst neben dem Federkohl bereits das Grün der Phacelia, die vor wenigen Wochen zur Winterdüngung gesät wurde. Auch hier kommen Zwiebeln von Frühblühern unter die Erde. Das Körbchen soll sie vor gefrässigen Wühlmäusen schützen.

Das kann nützlich sein

5 Materialpflege

Die Damen von Kraut + Quer bürsten leere Töpfe unter fliessendem Wasser und lassen sie in der Sonne trocknen. Scheren bekommen die letzte Ölung des Jahres, das schützt vor Rost. Wer wenig Lust auf diese Herbstaufgabe verspürt, bedenke: Sauberes, einsatzbereites Material macht im Frühling einfach mehr Freude.

Kurz vor zwölf Uhr trudeln die ersten Gäste in Frau Gerolds Garten ein. Keller und Rodriguez räumen ihr Material weg und gönnen sich zwischen den Büschen und Blumen einen Kaffee. Wo es in der Sommerhitze ohne Schirm nicht auszuhalten war, lassen sich jetzt für eine Weile die letzten wärmenden Strahlen geniessen. Bald begeben sich Garten und Gärtner in die Winterpause.

gaertnerinnen-DSC_8166.jpg

Die Gärtnerinnen von von Kraut + Quer nach ihrer fleissigen Gartenarbeit.

Schon gelesen?