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Migros - Ein M besser

Offen, im Plastik, essbar

Was macht eine gute Verpackung aus?

Welche Anforderungen muss eine Verpackung erfüllen? Und warum ist Plastik besser als sein Ruf? Die Verpackungsprofis Hanna Krayer und Micaël Müller beantworten die drängendsten Fragen.

Text Michael West
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Warum verpackt die Migros Lebensmittel?

Eine Verpackung dient hauptsächlich drei Zielen: Sie schützt das Produkt vor externen Einflüssen. Sie ermöglicht effizient einen sicheren Transport. Und sie informiert über das Produkt.

Was macht die gute Verpackung aus?

Eine Verpackung ist gut, wenn ich sie nicht weiter reduzieren kann: Sie soll so wenig Ressourcen wie möglich beanspruchen und dennoch alle oben stehenden Funktionen erfüllen – und dabei dem Produkt gerecht werden.  Zuletzt: Eine gute Verpackung stellt das Produkt ins Zentrum. 

Wie sieht die Verpackung der Zukunft aus?

Eine Verpackung muss auch in Zukunft die drei Hauptanforderungen Schutz, Transport und Kommunikation erfüllen. Dazu sollte sie vor allem in Sachen Nachhaltigkeit weitere Zwecke unter einen Hut bringen: den Schutz verbessern, um Food Waste vorzubeugen, Gewicht verringern, Mehrwegnutzung oder Recycling ermöglichen und neuartige Materialien und Technologien einsetzen. Bald soll es etwa Papier mit denselben Eigenschaften wie Plastik zum  Schutz und fürs Abpacken geben.

Wo die Migros an Verpackung spart

Die Migros hat fast 7000 Tonnen (t) an Verpackungsmaterial eingespart oder umweltfreundlicher gestaltet. Aber wie eigentlich? Wir zeigen die Produkte dahinter – von A wie Aprikosentorte bis Z wie Zitroneneistee.

Warum nicht auf Plastik verzichten?

Plastik ist ein sehr wertvoller Werkstoff mit hervorragenden Eigenschaften. Viele Produkte können heute unter dem Strich noch ressourcenschonender mit konventionellem Plastik verpackt werden als mit nachwachsenden Rohstoffen. Leider landet Plastik aber viel zu oft als Abfall in der Umwelt oder wird mit dem Kehricht verbrannt. Ziel ist es, Verpackungskunststoffe im grossen Stil zu rezyklieren und den Anteil an Neuplastik  kontinuierlich zu senken.

Wird es einmal gar keine Einwegverpackungen mehr geben?

Die Migros spricht eine sehr breite Zielgruppe an. Ihre Kundinnen und Kunden kaufen auch ganz unterschiedlich ein: die einen spontan, die anderen sehr geplant. Ziel ist es, für alle die bestmöglichen Lösungen anzubieten. Daher sind nachhaltige Einwegverpackungen auch in Zukunft wichtig. Die Bereitschaft, Mehrwegverpackungen zu nutzen, ist heute schon relativ hoch und nimmt weiter zu. Das ist eine gute Voraussetzung, um in immer mehr Sortimenten Mehrweglösungen anzubieten.

Gibts bald essbare Verpackungen?

Für gewisse Take-away-Produkte ist das ein interessanter Ansatz, etwa bei Bechern aus Biskuit für einen Espresso, ähnlich wie für Glace-Cornets. Dazu kommt, dass neue Verpackungsideen auch Aufmerksamkeit generieren und die Auseinandersetzung mit dem Thema Verpackung anregen. Für die breite Masse an Produkten ist der Ansatz aber keine Lösung, da diese durch eine essbare Verpackung schlichtweg nicht genügend geschützt wären.

Die Experten

Hanna Krayer ist Projektleiterin Projektleiterin ­Nachhaltigkeit bei der Migros, Micaël Müller ist Leiter Kompetenz­zentrum Verpackung bei der ­Migros-Industrie.

Warum dauert es so lang, um eine Verpackung zu verändern?

Jede Verpackung steht im Zentrum eines komplexen Beziehungsnetzes: zwischen Herstellung, Transport, Konsum, Marketing, Beschaffung, Nachhaltigkeit, Gesetzgebung und vielem mehr. Alle stellen andere Ansprüche. Wird eine Verpackung verändert, muss ein neues Gleichgewicht gefunden werden. Das ist ein spannender, aber auch aufwendiger Prozess. Die Einführung des Joghurtbechers aus Recyclingkunststoff dauerte deshalb mehrere Jahre. Die eben lancierte Kaffeekapsel für den Heimkompost erforderte auch über ein Jahr Entwicklung.

Kultprodukte sind seit Jahren scheinbar gleich verpackt. Warum?

Ein Kult setzt «Markenkonstanz» voraus: einen visuellen Auftritt, der über Jahre und Jahrzehnte in den Köpfen der Konsumenten («Fans») verankert und liebgewonnen ist. Änderungen am Design solcher «Love Brands» sind nur mit grösster Vorsicht, über lange Zeit und in kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten vorzunehmen. Wenn überhaupt.

Wann wird eine Verpackung verändert?

Wenn eine verbesserte Benutzerfreundlichkeit möglich ist, ein einfacheres Öffnen, aber auch bei technologischen Fortschritten auf Materialseite: etwa dank dünnerer Folien oder dem Einsatz von mehr Rezyklat. Grundsätzlich macht es immer dann Sinn, eine Verpackung
zu verändern, wenn es bessere Lösungen gibt für Logistik, für die Umwelt und die Kundschaft

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