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Interview Hedy Graber

«Kulturschaffende und Publikum profitieren»

Das Migros-Kulturprozent richtet seine Förderung neu aus und trägt den veränderten Bedürfnissen von Künstlern und Publikum Rechnung. Leiterin Hedy Graber erklärt die Hintergründe und versichert, dass das Budget für das Engagement unverändert hoch bleibt.

Text Pierre Wuthrich
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Die Migros richtet ihre Kulturförderung neu aus. Warum werden die verschiedenen Formen der Unterstützung geändert, wenn sie sich doch bewährt haben?

Zuerst möchte ich dazu sagen, dass wir nie aufgehört haben, uns weiterzuent¬wickeln. Nehmen Sie zum Beispiel das Tanzfestival Steps, das wir alle zwei Jahre durchführen. Es hat seit seiner Gründung im Jahr 1988 schon viele Änderungen durchlaufen. Die Anpassungen, die wir derzeit anstreben, hängen mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen. Wir wollen bestmöglich auf die neuen Bedürfnisse der Kulturschaffenden eingehen.

Wie möchten Sie das konkret umsetzen?

Wir haben ganz neue Formen der Förderung entwickelt. Zum Beispiel werden wir im April eine Ausschreibung namens «Neue Perspektiven» lancieren. Damit wollen wir uns an der Umsetzung zukunftsgerichteter Formate beteiligen und sie in ihrer Entwicklung begleiten. Unser Ziel ist es, Innovationen zu fördern, damit sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich werden.

Welche Vorteile bietet die neue Art der Kulturförderung der Allgemeinheit?

Als private Förderin hat die Migros Unterstützungsformen entwickelt, die staatliche Förderungen im Idealfall ergänzen. Nehmen wir zum Beispiel ein Tanzensemble: Es wird für die Entwicklung einer Choreografie sicher öffentliche Gelder erhalten, aber vielleicht kann die Produktion nur ein- oder zweimal aufgeführt werden. Im Rahmen unseres neuen Förderformats «Diffusion» kann das Ensemble bei uns Unterstützung beantragen, sodass die Produktion noch öfter gezeigt werden kann. Künstlerinnen und Künstler werden wie das Publikum davon profitieren.

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Konzerte von Migros-Kulturprozent-Classics, das Popfestival m4music, das Migros-Museum für Gegenwartskunst (Siehe weiter unten) und das Tanzfestival Steps: Das Kulturprozent führt eigene Projekte weiter.

Bei der kreativen Arbeit werden die Kulturschaffenden aber nicht mehr unterstützt?

Doch, insbesondere schon im Vorfeld. Dazu haben wir das Konzept «Ideation» entwickelt. Es ermöglicht den Künstlern, ihre Ideen ohne Zeitdruck auszufeilen. Diese Phase vor dem Produktionsprozess wird oft vernachlässigt, obwohl sie entscheidend ist.

Einige Förderformate werden jedoch verschwinden. Zum Beispiel Studienpreise für Nachwuchstalente, die den Gewinnern eine Ausbildung unter optimalen Bedingungen ermöglicht. Warum stellen Sie diese finanzielle Unterstützung ein?

Wir werden den Nachwuchs weiterhin unterstützen, wenn auch auf andere Weise. Statt den Talenten einfach Geld zu geben, werden wir sie fragen, was genau sie benötigen, und sie am Anfang ihrer Laufbahn auf andere Art und Weise begleiten. Diese Studienpreise waren bisher gewissen Bereichen wie Tanz, Musik und Theater vorbehalten. Mit der neuen Art der Kulturförderung fallen diese Einschränkungen weg, denn wir wollen uns an einen breiteren Kreis richten. So kann zum Beispiel auch ein Bildhauer neu Unterstützung beantragen, was bis anhin nicht möglich war.

Es handelt sich also nicht um eine Sparmassnahme?

Nein, absolut nicht. Der Betrag, den die Migros für Kultur vorsieht, bleibt unverändert. Wenn wir jedoch neue Projekte entwickeln wollen, müssen wir dafür Platz schaffen.

Sie erwähnen neue Projekte. Welche sind das?

Wir werden zum Beispiel unsere Unterstützung des Künstlernachwuchses in Bereichen ausbauen, denen Jugendliche heute mehr Bedeutung beimessen. Bei der Bühnenkunst, der bildenden Kunst und beim Film sind wir dabei, neue Projekte zu entwickeln. Zudem stellen wir zurzeit ein Mentoring- und Coaching Angebot in Disziplinen wie Tanz, Theater und Musik auf die Beine. Hier kann die Förderung diverse Formen annehmen, etwa die der künstlerischen Beratung, aber auch der Unterstützung in den Bereichen Administration und Finanzen. Denn das Leben eines Künstlers umfasst auch all diese Aspekte.

Im Rahmen der neuen Kulturpolitik führen Sie Ihre vier langjährigen Projekte weiter: die Migros Kulturprozent-Classics, das Tanzfestival Steps, das Popmusikfestival «m4music» sowie das Migros-Museum für Gegenwartskunst. Wie haben Sie ausgewählt?

Mit diesen Projekten, die wir selber konzipieren und realisieren, heben wir uns von anderen Kulturförderern ab. So sind und bleiben wir beispielsweise die Einzigen in der Schweiz, die Tourneen mit grossen Orchestern organisieren. Die Konzerte ermöglichen es uns auch, jungen Schweizer Musikern die Chance zu geben, vor einem grossen Publikum und in repräsentativen Konzertsälen in der Schweiz aufzutreten.

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Migros-Museum für Gegenwartskunst

Aber zeitgenössischer Tanz und die Kunst bleiben doch in den Augen vieler Menschen elitär …

Das mag so sein. Unsere Aufgabe besteht jedoch auch darin, die Menschen für etwas zu sensibilisieren, das sie vielleicht noch nicht kennen. Im Bereich der zeitgenössischen Kunst laden wir etwa schon heute jedes Jahr rund 200 Schulklassen ins Migros-Museum für Gegenwartskunst in Zürich ein. Diese Aspekte der Kulturvermittlung werden wir weiter intensivieren. Zudem organisieren wir als Teil des Tanzfestivals Steps auch Workshops: Schulkinder aus der ganzen Schweiz können einige Schritte einer Choreografie lernen, die während des Festivals präsentiert wird.

Viele regionale Kulturschaffende überleben dank der finanziellen Hilfe des Migros-Kulturprozents. Müssen sie sich nun Sorgen machen?

Die Weiterentwicklung unserer Kulturpolitik betrifft ausschliesslich Projekte auf nationaler Ebene. Alle zehn Genossenschaften können weiterhin unterstützen, wen immer sie wollen. Das ist eine sehr gute Sache, da die Genossenschaften mit der Kulturlandschaft ihrer Region sehr vertraut sind.

 

Bilder: Vera Hartmann, Lily van der Stokker, Maurizio Cattelan, zVg

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Seit 63 Jahren engagiert

Das Migros-Kulturprozent ist ein freiwilliges Engagement für die Gesellschaft und seit 1957 in den Statuten der Genossenschaften und des MGB verankert. 2018 wurden 120 Millionen Franken für kulturelle und soziale Projekte, Bildung, Freizeit und Wirtschaft gesprochen. Die Klubschulen, die Parks im Grünen und die Monte-Generoso-Bahn gehören zu den Institutionen, die vom Kulturprozent unterstützt werden.
Konzerte von Migros-Kulturprozent-Classics, das Popfestival m4music, das Migros-Museum für Gegenwartskunst und das Tanzfestival Steps: Das Kulturprozent führt eigene Projekte weiter.

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