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Migros - Ein M besser

DV-Präsidentin Marianne Meyer

«Die Migros ist für mich eine Herzenssache»

Seit 100 Tagen hat das höchste Gremium der Migros eine neue Chefin: Marianne Meyer präsidiert die Delegiertenversammlung. Im Interview verrät sie, was sie für das aussergewöhnliche Amt motiviert und welches Migros-Produkt sie schon seit der Kindheit begleitet.

Text Kian Ramezani, Franz Ermel
Fotos Jorma Müller
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Können Sie uns sagen, was die Präsidentin der Delegiertenversammlung (DV) macht?
Als Präsidentin leite ich die DV und präsidiere zusätzlich deren Büro. Dieses ist für die Traktandierung und Gestaltung der Versammlung zuständig. Es gilt, die aktuellen Themen vorausschauend und gut vorbereitet in die Delegiertenversammlung einzubringen.

Und was fällt in den Aufgabenbereich der Delegiertenversammlung?
Die DV ist Sprachrohr der Kundinnen und Kunden aus allen zehn Genossenschaften und zugleich das höchste Organ der Migros. Mir persönlich ist es wichtig, Bedürfnisse und Anliegen aus allen Sprachregionen anzuhören, aufzunehmen und in die entsprechenden Gremien einzubringen. Gleichzeitig ist die Delegiertenversammlung das Parlament der Migros und entscheidet über Änderungen der Statuten, quasi das Grundgesetz. Und sie wählt die Mitglieder der Verwaltung.

Wie gut kennen Sie die Statuten?
In den Statuten sind die Aufgaben und Kompetenzen der Delegiertenversammlung beschrieben. Durch meine langjährige Tätigkeit von insgesamt 16 Jahren als Genossenschaftsrätin und Delegierte bin ich damit vertraut.

Wir finden, zumindest den Artikel 16 sollten alle kennen.
Der Artikel ist umfassend: Ich gehe aber davon aus, dass Ihre Frage auf Art. 16 g) abzielt, auf den Verkauf von alkoholischen Getränken und Tabakwaren in den Verkaufsstellen mit der Bezeichnung Migros.

Tatsächlich verkauft die Migros in ihrem neuen Onlineshop «Migros Online» auch Alkohol. Was sagen Sie als Präsidentin der Delegiertenversammlung dazu?
Bezüglich alkoholischer Getränke bleibt es beim Status quo: Wie schon bei LeShop können die Kundinnen und Kunden weiterhin zum Beispiel Weine und Biere bestellen und diese bequem zusammen mit anderen Getränken, Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs liefern lassen. Dabei wird klar deklariert, dass die alkoholischen Getränke nicht direkt von der Migros kommen, sondern von Dritten – also zum Beispiel von Denner und weiteren Partnern.

Zur Person

Marianne Meyer ist seit dem 1. Juli 2020 Präsidentin der Delegiertenversammlung der Migros. Sie bringt langjährige Erfahrung als Genossenschaftsrätin und als Delegierte mit.

Marianne Meyer war als Managerin für renommierte und internationale Unternehmen im Marketing und Verkauf tätig. Seit über 20 Jahren ist sie zudem Prüfungsexpertin für die eidgenössische Berufsprüfung für Marketingfachleute.

Sie wohnt mit ihrer Familie in Mellingen AG.

In den bald 100 Jahren seit der Gründung der Migros hat sich die Welt dramatisch verändert, die Statuten hingegen kaum. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen?
Nur weil etwas alt ist, muss es nicht schlecht sein. Natürlich befindet sich die Migros in einem Veränderungsprozess. Da ist es immer wichtig, die Statuten zu hinterfragen und zu überprüfen, ob sie der Organisation noch zeitgemässe Strukturen und Abläufe ermöglicht.

Und wie steht es darum?
Die Statuten der Migros bilden bis heute eine sehr gute Grundlage, die es wie gesagt laufend zu überprüfen und wenn nötig anzupassen gilt.

Sie sind nun 100 Tage im Amt. Was waren die Höhepunkte?
Es gab sowohl denkwürdige Erlebnisse als auch Höhepunkte. Dank hoher Flexibilität unter den schwierigen Rahmenbedingungen mit Covid-19 ist es uns gelungen, die konstituierende Delegiertenversammlung am 5. September mit 40 neuen Delegierten und auch die vom 7. Novemberdurchzuführen, unter Ausschöpfung aller digitalen Möglichkeiten.

Sie waren früher Genossenschaftsrätin und danach selbst Delegierte. Braucht man diese Erfahrung, um Präsidentin zu werden?
Sagen wir es einmal so: Ohne diese Erfahrung wäre es sicher sehr anspruchsvoll. Als ich bei der Migros anfing, sagte mir jemand: «Bis du die Migros kennst, vergehen vier Jahre.» Das erstaunte mich damals sehr. Aber ich muss stets daran denken, denn diese Person hatte recht.

Und was sagen Sie selbst heute jemandem, der in der Migros anfängt?
Ich würde es nicht in Jahren ausdrücken. Ich persönlich lerne auch heute immer noch Neues über die Migros.Und das zeigt wiederum, dass das Migros-Universum höchst spannend ist.

Wieso wollten Sie das Amt?
Ich bin seit jeher stark mit dem Unternehmen verbunden. Die Migros ist für mich eine Herzensangelegenheit, und mit der Wahl ging ein Traum in Erfüllung. In dieser spannenden Zeit möchte ich meine langjährige Erfahrung und mein Know-how einbringen und aktiv mithelfen, dieses einzigartige Unternehmen für die Zukunft erfolgreich aufzustellen.

Was sind Ihre frühesten Erinnerungen an die Migros?
Da gibt es den legendären Verkaufswagen, den ich als kleines Mädchen noch erleben durfte. Oder der Einkauf mit meiner Grossmutter, die stets zur selben Kassiererin ging – egal, wie lange die Schlange war. Man kannte sich und suchte den persönlichen Austausch.

Haben Sie ein Lieblingsprodukt in der Migros?
Da gibt es viele, die Migros hat tolle und einzigartige Eigenmarken. Wenn ich eins herauspicken muss, dann das Kultabwaschmittel Handy, das schon meine Grosseltern benutzten. Auch bei uns kommt kein anderes in die Küche.

Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) vom 7. November fand aufgrund der Corona-Pandemie virtuell statt. Einen Antrag der Verwaltung MGB zur Aktualisierung der Grundsätze der guten Unternehmensführung wurde von den Delegierten angenommen. Mit den Anpassungen berücksichtigt die Migros die heute üblichen Standards der Corporate Governance.

Für die Mitglieder aller Verwaltungen der zehn regionalen Migros-Genossenschaften und des MGB wird die Amtsdauer in Zukunft einheitlich auf zwölf Jahre beschränkt. Neu erfolgen die Wahlen für die Verwaltungen alle zwei statt alle vier Jahre. Weiter wird ein Wechsel von Mitgliedern einer Geschäftsleitung in die übergeordnete Verwaltung derselben Gesellschaft künftig nicht mehr möglich sein. Zudem wird auf Ebene Verwaltung des MGB neu ein Ausschuss gebildet, der gruppenweit die Kompetenz hat, zum Schutz der Reputation der Migros Sanktionen zu beantragen.

Nach der Zustimmung durch die Delegiertenversammlung müssen die Änderungen auch durch die Gremien der zehn regionalen Genossenschaften der Migros vollzogen werden.

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