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Migros - Ein M besser

Alain Schartner

Er baut Kugelbahnen für Gross und Klein

Alain Schartner hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Aargauer ist professioneller Kugelbahnbauer. Aus Kupferdraht lötet er filigrane Geflechte, auf denen sich die Murmeln ihren kurvenreichen Weg nach unten bahnen.

Text Fabienne Eichelberger
Fotos Roshan Adihetthy
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Alain Schartner steht inmitten seiner filigranen Kugelbahnen, welche wie Kunstobjekte wirken.

Sie tragen Namen wie «Bunter Hund», «Ferien am Meer» und «Doppelt gemoppelt». Einige sind bloss 40 Zentimeter hoch, andere haben die Dimensionen eines Kleiderschranks. Mal zeigen sie sich in Gestalt eines Tieres, mal erscheinen sie als abstraktes Durcheinander.

Die Gemeinsamkeit aller einzigartiger Kreationen: Murmeln rollen darauf herunter. Es sind Kugelbahnen, die der 58-jährige Alain Schartner gebaut hat. Vor elf Jahren machte sich der Storenmonteur selbständig – und seine Leidenschaft zum Beruf. Seine Jobbezeichnung: «Kugelbahnbauer».

«Ich hegte diesen Traum seit der Jugend», erzählt Schartner. 15 Jahre alt war er, als er im Werkunterricht seine erste Kugelbahn anfertigte. Der Schulauftrag entpuppte sich als Schlüsselerlebnis. Der Teenager baute in seiner Freizeit weiter und kreierte immer ausgefallenere Bahnen, meist aus zusammengelötetem Kupferdraht. «Angetrieben hat mich der Gedanke, etwas zu bauen, das es noch nicht gibt und das tatsächlich funktioniert», sagt er. Präsentierte er eine neue Bahn, habe er sich fast gefühlt wie Gleichaltrige, wenn sie im Fussball ein Tor schossen.

Mehr Kreativität ohne Bauplan

Die Freude am Bauen von Kugelbahnen verflog auch im Erwachsenenalter nie. Als seine beiden Kinder Anouk (34) und Lukas (32) berufstätig wurden und er nicht mehr für sie aufkommen musste, hängte Alain Schartner seinen sicheren Job an den Nagel.

Ausgerüstet mit Draht, Zinn, Zange und Lötkolben tüftelt er seither in seinem Atelier in Wettingen AG fast täglich an seinen komplexen Kunstwerken. Zum Teil verstecken sich darin mehrere Bahnen, auf denen die Murmeln durch Loopings sausen, Kurven schlagen, Rädchen zum Drehen und Glocken zum Klingen bringen.

 

Meist lässt sich Schartner überraschen, welche Gestalt seine Kugelbahnen am Ende annehmen. «Ich entwickle sie aus dem Bauen heraus», sagt er. Weder habe er eine exakte Vorstellung im Kopf noch fertige er zu Beginn eine Skizze an – aus zwei Gründen: «Verfolgte ich einen genauen Plan, wäre es erstens schwierig, ihn umzusetzen, und zweitens langweilig», findet er. Lieber möchte er seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Ein Murmellift für grössere Bahnen

An eine Regel hält er sich allerdings: Er beginnt stets oben und arbeitet sich nach unten fort. Dies, damit er sofort sieht, ob und wo eine Murmel stockt. Bei grösseren Bahnen erstellt Schartner zuerst deren Rahmen und einen mechanischen Aufzug – einen Lift, der die Murmeln nach oben befördert und die Bahn ohne manuelles Zutun am Laufen hält. Rollen die Murmeln einmal dynamisch nach unten, folgen Verstrebungen, welche die Bahn stabilisieren, und die Verzierungen. Je nach Bahn sind das Deko-Elemente aus Drachenpapier, Muscheln, Schneckenhäuschen oder Klangstäbe.

Dem Kugelbahnbauer ist es wichtig, dass er sich mit seinen Werken identifizieren kann. Kompromisse geht er kaum ein. Als ihn etwa jemand fragte, ob man die Bahn auch schwarz ansprayen könnte, meinte er: «Das können Sie schon, aber ich tue es nicht.» Ihm gefalle die Kombination des silbernen Lötzinns und des Kupferdrahtes. Daran hat sich in über 40 Jahren nichts geändert. Schartner hat seinen Stil gefunden, und dem bleibt er treu.

Wie viele Drahtkonstruktionen er schon gebaut hat, weiss er nicht genau – «schätzungsweise 2000». Pro Kugelbahn wendet er zwischen sechs Stunden und vier Monaten auf, und je nach Aufwand kosten sie zwischen 160 und 20 000 Franken. Mühe, sich von seinen Werken zu trennen, hat er nicht. «Ist eine Bahn fertig, interessiert sie mich nicht mehr», sagt er. Ihm gehe es ums Bauen.

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Viel Fingerspitzengefühl ist für Feinarbeiten gefragt. Die Arbeit an der Kugelbahn erfüllt Alain Schartner mehr, als die fertige Kugelbahn am Ende.

Neun Meter hoch und zehn Meter tief

Die grösste Kugelbahn, die Alain Schartner bisher errichtet hat, steht im Innenhof des Spitals Limmattal in Schlieren. Neun Meter hoch, sechs Meter breit und zehn Meter tief ist sie. Statt kleiner Murmeln rollen Kugeln mit dem Durchmesser eines Basketballs hinunter. Eine weitere Outdoorbahn hat er für die Stadt Baden angefertigt. Diese ist an einer Wand befestigt, fünf Meter hoch, als Murmeln dienen hier Bocciakugeln. Auch im Paul-Scherrer-Institut in Villigen AG, im Kindermuseum Baden AG und im Entrée verschiedener Firmen sind Alain-Schartner-Bahnen zu bestaunen.

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Alain Schartner baut stets von oben nach unten – egal, ob es sich um kleinere Werke handelt oder um die grosse Boccia-Kugelbahn beim Spielplatz Im Graben Baden.

Wer denkt, nach all den Jahren habe der Aargauer jede erdenkliche Kugelbahn gebaut, der irrt sich. «Ich habe noch viele Ideen, die ich umsetzen möchte», sagt Schartner. So kann er sich auch nicht vorstellen, dass ihm die Bahnen einst verleiden. «Ich werde eher kribbelig, wenn ich mehrere Tage nicht zum Bauen komme.»

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