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Migros - Ein M besser

Laserbranding

Bio geht durch die Haut

Im waadtländischen Aclens graviert die Firma Satori das Migros-Bio-Logo in die Schale von Mangos. Nach einer Testphase wird die Lasertechnologie landesweit eingesetzt. Damit fallen Millionen von Etiketten aus Kunststoff weg.

Text Pierre Wuthrich
Fotos Matthieu Spohn
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Unmittelbar nach dem Durchlauf durch die Tätowiermaschine ist das Migros-Bio-Logo zwar schon erkennbar, im bekannten Design deutlich sichtbar wird es allerdings erst zwei bis drei Stunden später.

Wenn ab sofort in allen Migros-Supermärkten tätowierte Mangos in Bioqualität angeboten werden, so handelt es sich dabei weder um eine optische Aufhübschung noch um einen Marketing-Gag. Es steckt ein ökologisches Ziel dahinter, denn indem man das Migros-Bio-Logo in die Oberfläche der Früchte eingraviert, werden die umweltschädlichen und bei der Kundschaft unbeliebten Kunststoffaufkleber überflüssig. So lassen sich die Mangos aus biologischem Anbau auch weiterhin klar von konventionell kultivierten Exemplaren unterscheiden, wie es das Gesetz verlangt.

Die Tätowierung erfolgt bei der Firma Satori, einer Lieferantin der Migros für exotisches Obst und Gemüse, die im Industriegebiet von Aclens, zwischen Lausanne und Yverdon-les-Bains, beheimatet ist. «Wir sind das erste Unternehmen im Land, das Natural Branding, also die Lasergravierung der Schale von Obst und Gemüse, durchführt», sagt Valon Morina. Der 35-Jährige ist verantwortlich für die Reifung und Lagerung und betreut den maschinellen Prozess, der auf Lasertechnik basiert.

Nach ihrer Anlieferung – per Schiff aus Brasilien und Peru sowie per Lkw aus Spanien – werden die Früchte nach Grösse sortiert, in einem speziellen Raum gelagert und täglich auf ihren Reifegrad kontrolliert. «Zu reif dürfen sie nicht sein, da sie sonst bei der Tätowierung Schaden nehmen könnten», erklärt Morina.

So funktioniert das Natural Branding:

Zwei Laserstrahlen erledigen den Job

Satori-Mitarbeiter Valon Morina füttert die Tätowiermaschine mit Kisten, die jeweils mit acht Mangos bestückt sind.
Satori-Mitarbeiter Valon Morina füttert die Tätowiermaschine mit Kisten, die jeweils mit acht Mangos bestückt sind.

Nach der Auswahl geht es sehr schnell. Die Mangos kommen in Achtergruppen in eine Kiste und wandern auf einem Förderband durch die Tätowiermaschine. Um den Laser exakt einzustellen, werden die Früchte mittels einer Spezialkamera nach Höhe beziehungsweise Durchmesser gescannt. Anschliessend tätowieren ihnen zwei Laserstrahlen in Lichtgeschwindigkeit das Migros-Bio-Logo in die Schale.

Am Ausgang der Maschine wird jede einzelne Frucht begutachtet. «Es kann sein, dass man die Markierung zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut sieht, aber aus Erfahrung wissen wir, dass sie nach zwei oder drei Stunden intensiver wird», erläutert Teamleiterin Vjolca Hoxha (42). Vier Tage später, nach weiterer Reifung wird eine letzte Kontrolle durchgeführt. So wird sichergestellt, dass das Fruchtfleisch nicht beschädigt wurde.

Testlauf auch mit Avocados

Neben den Mangos graviert Satori derzeit auch Avocados im Rahmen eines weiteren Tests, der noch bis im Frühjahr läuft. Verläuft auch dieser erfolgreich, könnte die Migros künftig bei den Bio-Mangos und -Avocados mehr als 5,5 Millionen Plastikbanderolen pro Jahr einsparen.

«Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen»

5 Fragen an Migros-Obsteinkäufer Mirco Passarelli, der den Mango-Pilotversuch begleitet hat:

Mirco Passarelli, warum hat die Migros für die ersten Versuche mit Natural Branding Mangos und Avocados ausgesucht? Beide Früchte sind ja nur geringfügig verpackt.
Es war uns wichtig, die ersten Schritte mit Früchten zu unternehmen, die eine relativ dicke und somit weniger empfindliche Haut haben. Das ist bei Mangos und Avocados der Fall. Grundsätzlich wollten wir die Machbarkeit sowie die Kundenreaktionen prüfen.

Wird die Migros nach diesen ersten positiven Erfahrungen ihr Angebot an lasergravierten Produkten erweitern?
Wir prüfen laufend weitere Produkte. Aus technischer Sicht kann man verschiedene Früchte und Gemüse gravieren. Es gilt jedoch, auch andere Aspekte wie Sichtbarkeit und Kundenakzeptanz zu berücksichtigen. Biologisch angebauten Ingwer könnte man zum Beispiel auch gravieren, aber dann muss man sicherstellen, dass die Markierung gut sichtbar ist. Das ist aber keinesfalls einfach, da die Wurzel meist etwas eigenwillige Formen aufweist. Bei der Markierung von essbarer Schale wie bei einem Pfirsich muss man vorher die Akzeptanz der Konsumenten in Erfahrung bringen.

Weil Sie gerade von den Kunden sprechen: Was waren deren erste Reaktionen?
Die Bemühungen, auf Verpackung zu verzichten, kommen bei der Kundschaft sehr gut an. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, sowohl intern als auch über die sozialen Medien und die M-Infoline.

Hat die Testphase es ermöglicht, Verbesserungen am Natural Branding vorzunehmen?
Ja, wir haben festgestellt, dass die Haut teilweise schneller schrumpeln kann, wenn das Bio-Logo der Migros zur Gänze eingraviert wurde. Dementsprechend erfolgen Optimierungen hinsichtlich des Zeitpunkts und des Orts des Brandings, aber auch bei der Gestaltung des Logos selbst. Dabei sind immer die optimale Sichtbarkeit und die optische Qualität der Gravur zu berücksichtigen.

Die Tests an den Avocados haben gleichzeitig mit jenen an den Mangos begonnen. Warum wurde diese Testphase um mehrere Monate verlängert?
Wir haben festgestellt, dass die Bio-Avocados sensibler auf die Tätowierung reagieren und eher dazu neigen zu verderben. Da wir jedoch vom Natural Branding überzeugt sind, werden wir Anpassungen im Prozess sowie beim Logo vornehmen. Im Erfolgsfall können wir im Frühjahr ebenfalls auf die gesamte Schweiz ausrollen.

Die Bio-Superstars der Migros

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