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Migros - Ein M besser

Tiptoi-Sammelspass

Eine Mania fürs Zeichnen

Als Kind malte Nikolai Renger unentwegt Dinosaurier, als Erwachsener lebt er von seiner Leidenschaft. Für die «Tiptoi-Mania» der Migros hat Renger, der hauptberuflich für den Spieleverlag Ravensburger arbeitet, das Buch «Abenteuer Supermarkt» illustriert. Ein Atelierbesuch.

Text Anne-Sophie Keller
Fotos Cira Moro
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Nikolai Renger in seiner Werkstatt in Karlsruhe: Hier sind auch die Illustrationen für das Migros-Sammelbuch «Abenteuer Supermarkt» entstanden.

Seit er einen Stift halten kann, hat Nikolai Renger alles gezeichnet, was ihn begeistert. Zum Beispiel Dinosaurier: «Ich habe stapelweise Tyrannosaurus Rex gemalt», sagt der Illustrator beim Treffen im Atelier Remise in Karlsruhe. Hier arbeitet Renger seit 2013 in einem der zahlreichen Backsteingebäude beim alten Schlachthof, zwischen hippen Cafés und szenigen Büros. Daneben thront das Renaissanceschloss Gottesaue, das die Hochschule für Musik beherbergt.

Ja, in diesem Umfeld lässt es sich arbeiten. Dass er hauptsächlich Kinderbücher illustriert, ist eher ein Zufall: Renger absolvierte seinen Zivildienst in einem Kindergarten; einmal pro Woche malte er dort mit den Kindern Wimmelbilder: «Da hab ich gemerkt, dass ich das kann und gerne mache.»

Vorerst stand aber noch Basketball im Vordergrund des 1,90-Meter-Mannes: «Bis ich 17 war, war das alles für mich. Michael Jordan war damals eine Ikone. Für alle!» Doch dann kamen Ausgehen, Freundin, andere Prioritäten. Ein Mannschaftskollege brachte ihn schliesslich mit dem Illustrator André Rösler zusammen, bei dem er ein Vorpraktikum absolvieren konnte. Der Karriereweg war besiegelt.

Nikola Renger bei der Arbeit

Vorliebe für tierische Figuren

An der Hochschule für Gestaltung Pforzheim studierte Renger visuelle Kommunikation. Nach dem Bachelor-Abschluss machte er sich gleich selbständig. Als Inspiration bezeichnet er Werke von Berufskollegen, französische Comics wie «Spirou» – und das Fantasiewesen Marsupilami. Das erkennt man auch an seiner Arbeit: Rengers Figuren sind knubbelig und verspielt. Was er gar nicht zeichnen kann? Fahrzeuge. «Meine Autos sehen immer etwas schrullig aus, mit dicken Bäuchen und schrägen Linien.»

Lieber bleibt Nikolai Renger bei den Tierchen. Sie halten ihn jeweils nächtelang wach. Aber genau das sei es, was er am Illustrieren von Kinderbüchern so möge: «Ich kann mich in Ruhe einbunkern, so richtig in eine andere Welt abtauchen, meiner Fantasie freien Lauf lassen. Und am Ende habe ich etwas in den Händen, das von mir kommt. Das ist wunderschön.»

Als freiberuflicher Illustrator ist Nikolai Renger für verschiedene Verlage und Agenturen tätig. Bis heute hat er über 50 Kinderbücher illustriert. «Wie Tiere sprechen – und wie wir sie besser verstehen» (Loewe-Verlag) ist zum Wissensbuch des Jahres 2019 gekürt worden. Renger hat zudem das Spiel Quizzomat bebildert, Tapeten fürs Kinderzimmer gezeichnet und T-Shirts. Und: Er hat das Tiptoi-Buch «Abenteuer Supermarkt» für die jüngste Migros-Mania gestaltet.

Der orange Riese mit seinen «Migros-Kindern» war ihm bis dahin unbekannt gewesen. Anlässlich eines Schweiz-Besuchs wurde er aber aufgeklärt: «Alle sagten mir, dass man sich in der Schweiz ganz früh im Leben entscheiden müsse, auf welcher Seite man punkto Einkaufszentrum stehe. Das fand ich sehr amüsant.»

Das Töchterchen kennt alle Werke

Apropos Kinder: Im Dezember 2018 kam Rengers Töchterchen Josefine, «Finchen» genannt, zur Welt. Obschon sie noch zu klein ist, um Papas Kinderbücher lesen zu können, hat sie sich schon alles angeschaut. Für sie ein Zeitvertreib – für den Vater auch immer eine kleine Feldstudie: «Es ist spannend zu sehen, wie sie auf Dinge reagiert, die sie schon kennt. Alle Vögel, die ich zeichne, sind für sie Enten. Die kennt sie, da wir oft mit ihr am Fluss unterwegs sind.»

Rengers nächster Karriereschritt: ein Buch, das er nicht nur illustriert, sondern auch selber schreibt. Einen Entwurf gibt es noch nicht; zwischen Kinderbetreuung und Arbeit gabs dieses Jahr noch nicht den nötigen Freiraum. Aber die Vermutung, es könne sich um eine Geschichte mit Tierchen handeln, liegt nahe.

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