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Positives aus 2020

Mir ist 2020 etwas Gutes passiert

Corona sorgte dieses Jahr für viel Schatten, aber es gab auch Licht: Neun Menschen erzählen, was ihnen in der Pandemie-Zeit Schönes widerfahren ist.

Text Anne-Sophie Keller, Monica Müller, Lisa Stutz, Michael West
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Einen Take-away eröffnet

Long Nguyen (37) und Wayne Hürlimann (31) haben sich in Zürich noch kurz vor dem Lockdown mit japanischer Küche und ihrem Gastrounternehmen «Angry Sumo» selbständig gemacht.

Wann haben Sie Ihren Laden eröffnet?

Long Nguyen: Das war im März. Eine Woche später kam der Lockdown. An diesem Tag haben wir keine 70 Franken Umsatz gemacht, das war hart.

Immerhin mussten Sie nicht gleich schliessen.

Genau, die Take-aways waren von der Schliessung nicht betroffen. Aber normalerweise sind hier rund um die Langstrasse viele Leute unterwegs – plötzlich war da fast niemand mehr. Zum Glück hat die Nachbarschaft so
gut mitgemacht und uns unterstützt.

Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

Die Zahlen wurden immer besser. Vor allem am Mittag sind wir stark. Das Abendgeschäft könnte stabiler sein. Doch für diese schwierige Zeit ist es
gut angelaufen.

Sie sind zufrieden?

Endlich können wir mit einem eigenen Laden die Qualität anbieten, die wir möchten. Wir gehen jeden Morgen gern zur Arbeit. Ja, wir sind zufrieden.

Den Neujahrsvorsatz durchgezogen

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Sandro Bucher (28), Social Media Manager aus Winterthur, hat nach Plan 50 Kilo abgenommen – auf gesunde Art.

Wie kamen Sie zum Übergewicht?

Ich war von der vierten Klasse an übergewichtig, da ich lieber vor dem PC sass als Fussball spielte. Die Lehre zum Informatiker führte zu einem Teufelskreis: Man bewegt sich nicht, nimmt zu, fühlt sich weniger wohl, bleibt eher daheim, isst mehr, fühlt sich noch weniger wohl. Mein Höchstgewicht betrug 135 Kilo, lag somit im morbiden Adipositas-Spektrum. Gegen aussen ging es mir immer sehr gut. Ich bin extrovertiert, hatte Beziehungen und wurde zum Glück auch nie gemobbt. Aber man merkt, dass man anders aussieht als andere. Das hat schon auf die Psyche geschlagen.

Wann haben Sie sich entschieden, etwas zu machen?

Ende letztes Jahr. Mein Körper hat mir Signale gesendet, dass ich etwas machen muss. Ich bekam Rücken- und Gelenkprobleme und kam beim Wandern enorm früh ins Schwitzen. Beim Einschlafen habe ich manchmal einen richtig starken Herzschlag gespürt. Also wurde Abnehmen zum klassischen Neujahrsvorsatz.

Im Gegensatz zu vielen anderen haben Sie ihn durchgezogen. Wie?

Ich habe nicht mehr gependelt und fand darum zu einem geregelteren Tagesablauf. Statt Take-away gab es selbst gekochtes Essen. Zudem wohne ich alleine und war somit allein dafür verantwortlich, was ich im Haus habe. Es hat niemand mehr Kuchen gebacken oder Bier angeschleppt. Auch Apéros und Feierabendbiere fielen weg. Und ich hatte Zeit für mich und meinen Körper: Ich habe mich jeden Tag zwei Stunden bewegt und etwas Krafttraining gemacht. Im Januar war ich 118 Kilo schwer, nun bin ich bei 68 Kilo. Psychisch und physisch geht es mir dadurch so gut wie schon lange nicht mehr.

Einen Riesenerfolg gefeiert

Muhammed Kaltuk (30), Choreograf aus Basel, durfte im März an einem  enommierten Wettbewerb teilnehmen: Beim «Internationalen Solo-Tanz-Theater-Festival» in Stuttgart traten Künstlerinnen und Künstler aus 48 Ländern an. Dafür hatte Kaltuk ein Stück entwickelt, in dem es um Trauer und Isolation geht: Ein einzelner Tänzer kämpft gegen unsichtbare Kräfte, er wird manchmal regelrecht über die Bühne geschleudert.

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Deutschland beschloss den ersten Lockdown, als Kaltuk bereits in Stuttgart weilte. Plötzlich hiess es, man müsse die Wettbewerbsbeiträge online einreichen. Kaltuk reiste überstürzt in die Schweiz zurück. Mit seinem Tänzer drehte er ein Video, als Ort wählte er das Zürcher «Tanzwerk 101», das zur Klubschule Migros gehört. Dort hatte er seine Ausbildung gemacht. Dann die Überraschung: Er setzte sich gegen 270 andere Bewerberinnen und Bewerber durch. Sein Stück wirkte vor dem Hintergrund von Corona besonders aktuell, er gewann damit den ersten Preis.

Den Traumjob ergattert

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Konstanze Weltersbach (41), Bibliotheksleiterin aus Zürich, hat in der Krise ihren Traumjob gefunden. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und sieben Jahren.

«Wir hatten wegen des Coronavirus enorme Schwierigkeiten, finanziell über die Runden zu kommen. Rund 40 Prozent unseres Familien-Einkommens fiel plötzlich weg, da mein Mann im Kulturbereich arbeitet. Am Wochenende vor dem Lockdown habe ich spontan eine Bewerbung abgeschickt. Es war der totale Traumjob: Bibliotheksleiterin in Zürich. Im April kam dann die Zusage, und ich glaube, nur deswegen haben wir den Sommer nervlich so gut überstanden. Wir wussten: Ab November wird es wieder besser. Dennoch war diese Zeit belastend. Plötzlich kamen Existenzängste hoch, weil wir die Miete nicht mehr ohne Hilfe bezahlen konnten. Als wir in der Badi keine Pommes mehr kaufen konnten, haben es auch die Kinder gemerkt. Ich habe zwei Uniabschlüsse, aber manchmal geht es ganz schnell. Unser Umfeld hat uns durch die Zeit getragen. Das hat mich beeindruckt: Unsere Freunde haben uns von sich aus Hilfe angeboten, bei uns im Haus gingen wir füreinander einkaufen und wir konnten die Kinder zu den Nachbarn schicken, wenn wir mal Ruhe brauchten. Der Sommer hat unsere Philosophie, dass Gemeinschaft wichtig ist, unglaublich bestätigt.»

Im Livestream gesungen

Nelly Gyimesi (40), Sängerin und Komponistin aus Bülach ZH, hat eine Online-Mitsingdisco lanciert, bei der sich täglich Hunderte Kinder in den Livestream zuschalten.

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Die Zahlen:

  • 2010 startete Gyimesi ihr erstes Kinderprojekt: Aus Liedern für ihren Sohn entstanden die Kinderband Tischbombe und die Musikschule Musikzwergli.
  • Sie spielt drei Instrumente: Klavier, Gitarre und Ukulele
  • Am ersten Tag des Lockdowns hat sie mit einem Livestream zum Singen und Tanzen für Kinder begonnen.
  • 2000 Menschen waren mal gleichzeitig zugeschaltet. Dann brach das Netz zusammen.
  • Ihr jüngster Zuschauer war eine Woche alt, 90 Jahre die älteste Zuschauerin: ein Grosi, das mit den Enkelkindern Geburtstag feierte.

Mehr Infos: sing-mit-nelly.com

Ein Koala-Baby willkommen geheissen

Severin Dressen (32), Direktor des Zoo Zürich, freut sich über die Geburt des kleinen Koalas Uki.

Taissia Kunz, Angelina Perin de Iaco/Zoo Zürich, zVg

Severin Dressen, in diesem Jahr ist im Zoo Zürich ein Koala-Jungtier geboren. Es hat für viel Freude gesorgt – was macht es so speziell?

Uki ist der erste Koala, der in der Schweiz zur Welt gekommen ist. Koalas sind auch von der Biologie her sehr spannend. So haben zum Beispiel Koalamännchen einen gespaltenen Penis, mit zwei «Köpfen»; Koalaweibchen haben drei Vaginas und zwei Gebärmütter. Zudem geniesst die Tierart grosse Sympathie. Leider tragen Koalas aber das sogenannte Retrovirus in sich. Dieses kann das Immunsystem schwächen und zu Folgeerkrankungen führen. Umso schöner ist es, haben Jungtier und Mutter die ersten kritischen Monate geschafft.

Bei seiner Geburt war der Koala gerade einmal zwei Zentimeter gross. Jetzt, acht Monate später, ist der Kleine schon gross genug, um den Beutel der Mutter zu verlassen. Was macht er so den ganzen Tag?

Er klammert sich auf dem Rücken der Mutter fest und macht erste Erfahrungen mit dem Fressen von Eukalyptus-Blättern. Noch ist Uki sehr auf seine Mutter fixiert und sucht den Körperkontakt. Aber er wird jeden Tag etwas selbstständiger. Bald wird er wohl damit anfangen, sich auch mal von ihr zu entfernen.

Was bedeutet der Nachwuchs-Erfolg in diesem speziellen Jahr?

Ich denke, wir alle haben das Bedürfnis nach positiven Nachrichten. So wird aus etwas Schönem etwas noch Schöneres.

Viele Teiche gebaut

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Ruedi Weber (35) ist Teichbauer. Sein Handwerk war 2020 gefragt: Viele Hausbesitzer wollten ihr Heim verschönern.

«Niemand ging richtig in die Ferien, deshalb wollten sich die Leute zu Hause eine Oase bauen. Mein Team und ich hatten alle Hände voll zu tun. Manchmal hatten wir sogar ein schlechtes Gewissen, weil wir so fleissig sein konnten, während andere untätig zuhause sitzen mussten. Doch nur rosig war es nicht: Material aus China, Japan und Holland konnte nicht geliefert werden, das war mühsam. Einmal haben wir ein Grossaquarium gebaut, davon haben wir ein Video auf Youtube gestellt. Über 7 Millionen Mal wurde es angeklickt! Menschen aus der ganzen Welt kontaktierten mich. Das zeigt: Unser Handwerk ist mega im Trend.»

Die grosse Liebe gefunden

Markus «Krusa» Sager (36), Personalberater aus Baar, und die Studentin Lisa Crescionini (26) aus Ottenbach haben sich während des Lockdowns ineinander verknallt.

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Er über sie: «Ich liebe ihre Offenheit und ihre Einstellung. Die Art, wie sie sich ausdrückt und wie sie lacht. Ich schaue in ihre klaren blauen Augen und sehe einen fürsorglichen und warmherzigen Menschen. Ihre chaotische Art gibt mir immer wieder die Möglichkeit, Dinge gelassener zu sehen. Ich mag ihre Standhaftigkeit in ernsten Diskussionen und gleichzeitig ihre Albernheit und ihren Sinn für Humor. Ich kann mit ihr alle meine Hobbys ausüben, da sie die gleichen Interessen pflegt: surfen, skaten oder ums Feuer tanzen. Ich schätze ihre Direktheit, auch bei unbequemen Gesprächsthemen, und die Gewissheit, dass sie immer für mich da ist. Sie ist bereit, Dinge zu klären und nicht emotional zu reagieren, und gibt sich Mühe, mich zu verstehen. Sie hat die geschmeidigste Haut, die ich je berühren durfte, und ihre Nähe lasst meinen Akku wie ein Turbolader wieder auffüllen. Ich liebe ihren Körper, ihre Haare, ihren Geruch. Sie ist reflektiert und wir wachsen mit jeder Auseinandersetzung zusammen. Ich lerne durch sie und sehe so viel in ihr, was sie selbst nicht sieht.»

Sie über ihn: «Er ist der Handyman. Er packt die Dinge an und meint es ernst, wenn er sagt: ‹Wir müssen wieder mal etwas machen.› Und er richtet Grüsse aus. Ich liebe es, dass er an einen skatenden Punk aus den 1990ern erinnert – und das auch ist. Aber ein stets frisch riechender. Gleichzeitig ist er eben wie eine super romantische Zuckerwatte. Er mag es bunt, überall müssen Sticker drauf: aufs Auto, aufs Bett, auf die Gitarre. Und das erhellt auch meinen Alltag. Überhaupt ist er mega inspirierend. Er setzt sich intensiv mit sich und der Welt auseinander, schaut nach unseren Diskussionen Feminismus-Dokus und bringt sich ständig selbst Dinge bei. Wenn er etwas tut, was er gerne macht, nimmt sein Gesicht diesen glücklichen, frechen Ausdruck an. Dann stellt er irgendeinen Unsinn an. Dank seiner endlosen Kreativität fällt ihm stets etwas ein –  wahrscheinlich beschreibt er jetzt gerade in 1000 Zeichen meinen Hintern. Ich liebe seinen Humor, und dass er denkt, er sei nicht lustig, macht ihn noch lustiger.»

Neue Hobbys entdeckt

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Silvan Moos (21), Saftpresser aus Luzern, hat für sich das Beste aus der Pandemie gemacht.

  • Ich habe während des Lockdowns ein neues Hobby entdeckt und angefangen zu zeichnen. Darauf wäre ich sonst nicht gekommen.
  • Weil die Clubs zu waren, ging ich mit meinen Freunden in den Wald und habe dort mit Vitaparcours angefangen.
  • Weil ich viel Zeit hatte, habe ich dieses Jahr die Autoprüfung gemacht und erfolgreich bestanden.

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