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Von Hotelplan zu Digitec Galaxus

«Hier gibt es viel zu tun»

Bei Hotelplan sorgt die Pandemie für zu wenig Arbeit, während Digitec Galaxus darin versinkt. Deshalb spannen die beiden Migros-Unternehmen zusammen. Für Reisespezialistin Lorena Reinhart bedeutet das einen ganz neuen Arbeitsalltag.

Text Lisa Stutz
Fotos Michael Sieber
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Statt Reiseangebote planen im Vorweihnachtsstress bei Digitec Galaxus: Lorena Reinhart (26) leitet bei der Hotelplan-Marke Travelhouse die Abteilung Oceania & Canada Specialists.

Lorena Reinhart, was ist normalerweise Ihr Job?
Ich leite ein kleines Team, das die Destinationen Kanada und Ozeanien betreut. Wir stellen individuelle Reisen für Reisebüros und Privatkunden zusammen.

Und was tun Sie momentan?
Im Kundendienst von Digitec Galaxus beantworte ich Anfragen, am Telefon und per E-Mail. Diese betreffen etwa die Produkte, Liefertermine oder Rücksendungen.

Wie ist es dazu gekommen?
Bei Hotelplan Suisse sind wir wegen der Corona-Pandemie seit April in Kurzarbeit. Anfangs hatte ich mit all den annullierten Reisen noch einiges zu tun, doch dann wurde es weniger. Unsere Geschäftsleitung hat gesehen, dass Digitec Galaxus Mitarbeitende sucht – durch öffentlich ausgeschriebene Stellen. Kurzerhand stellte Hotelplan Suisse den Kontakt mit Digitec Galaxus her und erkundigte sich nach einer Zwischenverdienstmöglichkeit für die Mitarbeitenden. Als ich im Intranet von der Möglichkeit erfahren habe, habe ich mich sofort beworben. Seit Anfang Oktober bin ich nun im Einsatz.

Ist es schwergefallen, sich in ein völlig anderes Themenfeld einzudenken?
Wir, die rund 40 Mitarbeitenden von Hotelplan Suisse, wurden von Digitec-Galaxus-Coaches sehr gut eingearbeitet. Auch jetzt stehen uns die Coaches bei Fragen immer noch zur Seite. Daher weiss ich immer, was ich in welchen Fällen machen muss. Vor Kurzem hatte ich sogar einen Kunden am Telefon, der bei mir mal als Privatkunde eine Reise gebucht hatte – und jetzt hatte er eine Frage zu einem Stuhl.

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Merken Sie, dass Ihre Hilfe gebraucht wird?
Definitiv, hier gibt es viel zu tun. Seit dem Black Friday Ende November hat es noch mehr angezogen, die Leute bestellen auf Weihnachten hin. Aber auch ich selbst bin froh, etwas zu tun zu haben. Ich finde es cool, mal etwas ganz anderes zu machen und Einblick in eine andere Firma zu bekommen – ich bin seit der Lehre bei Hotelplan Suisse. Aber ich freue mich auch, wenn ich wieder meinem «normalen» Beruf nachgehen kann.

Wann ist es so weit?
Ab Januar bin ich wieder zurück. Ich hoffe, dass die Grenzen so schnell wie möglich aufgehen, damit Reisen wieder vermehrt möglich ist, und dass wir die Reisepläne für unsere Kunden wieder verwirklichen können.

Und welches ist die erste Reise, die Sie selbst unternehmen möchten?
Ich wollte eigentlich schon in diesem Jahr nach Südkorea reisen. Leider ist daraus nichts geworden. Aber vielleicht klappt es ja im kommenden Jahr.

Nanny, Contact-Tracer, Verkäufer

So überbrücken Reiseprofis das Corona-Loch

Hotelplan
Das Reisebüro der Migros verzeichnet derzeit Buchungen für Weihnachts- und Neujahrstage an der Wärme. «Verglichen zum Vorjahr aber auf tiefem Niveau», so Mediensprecherin Bianca Gähweiler. Die Kundinnen und Kunden reisen zum Beispiel nach Ägypten, auf die Malediven oder nach Dubai. Ferien würden aktuell sehr kurzfristig gebucht, das rate man der Kundschaft sowieso. Alle Mitarbeitenden befinden sich seit April in Kurzarbeit. Die Situation hat Hotelplan Suisse zur temporären Schliessung mehrerer Filialen veranlasst – voraussichtlich bis Ende Dezember. Damit will man Kosten einsparen und längerfristig Arbeitsplätze sichern. Doch insgesamt ist man bei Hotelplan Suisse zuversichtlich: «Der Wunsch, neue Länder und Kulturen zu entdecken, wird auch nach der Krise da sein.»

Tourasia
Seit vergangenem März habe man Annullierungen für über 20 Millionen Franken getätigt, sagt Tourasia-Chef Stephan Roemer. Von seinen 34 Mitarbeitenden sind momentan zwei im Bürodienst, gemeinsam mit drei Lernenden. Alle anderen sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit. «Wir haben Mitarbeitende schon sehr früh motiviert, Zwischenverdienste oder Überbrückungsjobs anzunehmen.» Seit September arbeiten sechs Angestellte temporär bei einer Firma, die Gasventile produziert, und zwölf Mitarbeitende sind im Covid-Tracing-Team des Kantons Zürich tätig. Eine Frau arbeitet als Nanny bei einer Familie, eine weitere als Kassiererin in einem Warenhaus. «Im Herbst haben wir auch als Team Arbeiten ausgeführt», so Roemer. «Wir waren zum Beispiel bei der Traubenlese im Zürcher Weinland engagiert.» Zudem habe man in den Tourasia-Büros eine Kunstausstellung mit bekannten asiatischen Künstlern initiiert. «Und wir unterhalten ein Hilfe-in-der-Not-Projekt, bei dem wir Gelder für notleidende asiatische Mitarbeiter der Tourismusbranche sammeln, die ohne Arbeit dastehen.» Es kamen schon über 35 000 Franken zusammen.

Thurgau Travel
Beim Flussreiseanbieter sind die Mitarbeitenden wechselweise im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Zurzeit wird an der Saisonvorbereitung 2021 gearbeitet. «Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die durch Covid-19 schwer getroffen wurden», sagt CEO Daniel Pauli. Bereits dieses Jahr habe man unter Einhaltung eines Schutzkonzepts von Juli bis August Reisen durchführen können. «Daher wissen wir, dass unser Schutzkonzept in der Praxis funktioniert.» Punkto Zahlen werde 2020 das schlechteste Jahr, so Pauli. Bisher konnte man Jahr für Jahr ein Wachstum verzeichnen. «Wir sind aber weiterhin gut aufgestellt und verfügen über eine hervorragende und motivierte Crew.»

Globetrotter Group
Da die Reisebestimmungen immer wieder ändern, ist ein Teil der Mitarbeitenden der Globetrotter Group damit beschäftigt, bestehende Kundendossiers umzubuchen. «Zum Teil nehmen sie das gleiche Dossier bereits zum vierten Mal in die Hand, um es auf neue Daten umzubuchen», sagt CEO André Lüthi. «Eine sehr aufwendige Arbeit.» Ein anderer Teil der Mitarbeitenden befinde sich in Kurzarbeit oder in unbezahltem Urlaub. Lüthi hält fest, dass die Globetrotter Group in diesem Jahr rund 80 Prozent weniger Umsatz erwirtschaften wird als im Jahr 2019. Das bedeute: praktisch kein Umsatz und trotzdem viel Arbeit mit Umbuchen und Annullationen. «Und für diese Arbeit gibt es keine Entschädigung – unverständlich.»

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