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Wasserstoff-LKW

Bye-bye Diesel!

Mit drei neuen Wasserstoff-LKW im Fuhrpark treibt die Migros die CO2-Reduktion beim Güterverkehr weiter voran. Um noch mehr für den Umweltschutz zu tun, setzt die Migros ausserdem auf Biogas und Elektromotoren.

Text Pierre Wuthrich
Wassertoff-LKW

Wasserstoff-LKW der Migros.

Wasserstoff-LKW

Wasserstoff-LKW
Wasserstoff-LKW

Anzahl der LKW: Drei Hyundai XCient Fuel Cell werden diesen Herbst in Betrieb genommen, weitere folgen 2021.

Verbrauch: etwa 7 kg Wasserstoff/100 km

CO2-Emissionen: bis zu 80% weniger als ein herkömmliches Dieselfahrzeug

Reichweite: 400 km.

Ladekapazität: 17 Paletten, also ungefähr so viel wie ein Diesel-LKW.

Funktionsweise: Für die Herstellung von Wasserstoff wird überschüssig produzierte erneuerbare Energie (Wind oder Sonne) verwendet. Das Verfahren heisst Elektrolyse. Der so produzierte Wasserstoff wird dann mit Sauerstoff gemischt, um Strom herzustellen, der den Elektromotor des LKW antreibt.

Vorteil: Diese Art von LKW kann uneingeschränkt für Liefertouren an Filialen oder für Fahrten zwischen Lieferanten und Verteilzentren verwendet werden.

Nachteil: Der Wasserstoff-LKW ist wesentlich teurer als ein Dieselfahrzeug. Dass derzeit keine Schwerverkehrsabgabe anfällt, macht die Technologie etwas rentabler.

Handhabung: Die Fahrer werden speziell im Umgang mit diesen LKW geschult. Darüber hinaus werden sie für die Risiken sensibilisiert, zum Beispiel bei einem Unfall.

Biogas-LKW

Biogas-LKW
Biogas-LKW

Anzahl der LKW: 8 Fahrzeuge der neusten Generation sind auf dem Gebiet der Migros Basel und Ostschweiz im Einsatz.

Verbrauch: etwa 29 kg Biogas/100 km

CO2-Emissionen: 80 % weniger als ein herkömmliches Dieselfahrzeug

Reichweite: 400-450 km.

Ladekapazität: wie ein herkömmlicher Diesel-LKW

Funktionsweise: Die LKW verfügen über einen Motor, der mit Schweizer Biogas angetrieben wird. Dieses Gas kommt direkt von lokalen Lieferanten (etwa den St. Galler Stadtwerken) und wird dort durch Fermentation organischer Biomasse hergestellt.

Vorteil: Die Technik hat sich bewährt und ist ein zuverlässiger Ersatz für Dieselmotoren. Diese LKW können übrigens auch in allen anderen von der Migros-Logistik bedienten Regionen eingesetzt werden und sind nicht so laut wie Diesel-LKW.

Nachteil: Ein Biogas-LKW ist teurer als ein Dieselfahrzeug. Man bezahlt heute wie für konventionelle Lkw eine Schwerverkehrsabgabe.

Handhabung: Die Fahrer erhalten eine Schulung zu den wesentlichen Punkten.

Elektro-LKW

Elektro-LKW
Elektro-LKW

Anzahl der LKW: 1 Testfahrzeug eActros von Mercedes-Benz, der erste rein elektrische LKW für den Schwerverkehr, der für die Serienproduktion gedacht ist. Dieser von der Migros Zürich im Frühling 2020 getestete LKW ist eines von insgesamt zehn Fahrzeugen, die Mercedes im Rahmen eines Testlaufs unter realen Bedingungen in Europa zur Verfügung gestellt hat. Übrigens sind bereits 16 kleinere Elektro-LKW bei der Migros im Einsatz.

Verbrauch: ungefähr 145 kWh/100 km.

CO2-Emissionen: bis zu 80 % weniger als ein herkömmliches Dieselfahrzeug

Reichweite: 200 km.

Ladekapazität: wie ein herkömmlicher Diesel-LKW.

Funktionsweise: Lithiumbatterien liefern die Energie, die für den Antrieb der beiden Elektromotoren notwendig ist.

Vorteil: Dieser LKW eignet sich vor allem für Städte und Ballungsgebiete, weshalb er auch in Zürich getestet wurde.

Nachteil: Auch ein Elektro-LKW ist teurer als ein Dieselfahrzeug. Er gewinnt dank der Befreiung von der Schwerverkehrsabgabe aktuell an Attraktivität.

Handhabung: Es wird eine kurze Einführung für die neuen Fahrzeuge organisiert (bei jedem neuen Kauf üblich).

Rainer Deutschmann

Interview

«Wir werden unsere CO2-Emissionen drastisch verringern»

Rainer Deutschmann, Leiter der Direktion Logistik Transport der Migros, erklärt, warum bei der Dekarbonisierung auf mehrere Systeme gesetzt wird.

Rainer Deutschmann, die Migros kauft sowohl Wasserstoff-LKW als auch solche mit Elektro- und Biogasantrieb. Dabei kann der Eindruck entstehen, dass man sich auf nichts richtig konzentriert.
Wir haben eng mit dem interdisziplinären Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung (EMPA) zusammengearbeitet, um unseren Bedarf zu bestimmen. Aus dieser Analyse ging hervor, dass es klug ist, auf verschiedene Technologien zu setzen, denn wir wollen für jeden Streckenabschnitt den am besten geeigneten LKW einsetzen.

Was genau heisst das?
Ein LKW mit Elektroantrieb ist beispielsweise für Lieferungen in der Stadt gut geeignet, da die Akku-Kapazität mit nur etwa 200 km relativ gering ist. Ausserdem ist er sehr leise, was etwa bei Lieferungen am frühen Morgen ein Plus ist. Das Wasserstoff-Fahrzeug ist mit einem sehr leistungsstarken Motor ausgestattet und kann für weite Entfernungen eingesetzt werden, zum Beispiel zwischen zwei Städten.

Woher wissen Sie, welche Technologie für welche Fahrt geeignet ist?
Hier spielt die Informatik eine ebenso wichtige Rolle wie die Antriebs-Technologie. Deswegen sprechen wir immer von einer Dekarbonisierungs- und Digitalisierungsstrategie. Um den richtigen Antrieb zu verwenden, haben wir ein Simulationssystem für unseren gesamten Fuhrpark entwickelt.

Wie funktioniert das konkret?
Wenn ich eine Lieferung von A nach B plane, zeigt mir das System auf einen Blick, wie viele Kilogramm CO2 ich mit einem bestimmten LKW spare. Zur Berechnung hat unser IT-System tausende GPS-Daten gespeichert, die die Fahrer mit ihren Smartphones erfasst haben. Das System berücksichtigt neben der Entfernung etwa auch die Topografie einer Route.


Für Wasserstoff-Lkw wird es 2021 nur sechs Tankstellen in der Schweiz geben. Ist das kein Hindernis für die Entwicklung dieser Technologie?
Nein, denn unsere ersten drei LKW werden nur in der Ostschweiz unterwegs sein, in Zürich und in Suhr, um die dortigen Migros- und Migrolino-Filialen zu beliefern. In allen drei Fällen gibt es eine Tankstelle in der Nähe der jeweiligen Zentrale. Für die weitere Entwicklung hat die Migros gemeinsam mit Coop, Fenaco und Avia den Förderverein H2 Mobilität Schweiz gegründet. Wir haben uns zwei Ziele gesetzt: in vier Jahren ein Netz aus mehr als hundert Tankstellen aufzubauen und Tausende von Wasserstoff-LKW auf die Strassen zu bringen.

Und was ist mit der Bahn? Hat sie weiterhin eine hohe Priorität bei der Migros-Logistik?
Ja, sie ist weiterhin ein sehr wichtiges Transportmittel für die Warenlieferung, insbesondere zwischen den Industriebetrieben und den Logistikzentren. Die drei erwähnten Technologien sind eine gute Ergänzung, ohne jedoch zweitrangig zu sein. Mit ihnen können die CO2-Emissionen schnell massiv gesenkt werden.

Und was ist mit Cargo sous terrain?
Das Projekt ist weiterhin sehr wichtig. Vor zehn Jahren gehörte die Migros zu den Initianten dieses Projekts. Heute begleiten wir die Entwicklung sehr eng, indem wir finanzielle und personelle Mittel mobilisieren. Schätzungen zufolge könnte der erste Abschnitt zwischen Härkingen (SO) und Zürich 2031 fertig sein.

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