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Migros - Ein M besser

Interview mit Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit

Wie geht es der Honigbiene?

Sind Bienen vom Aussterben bedroht? Leben sie in der Stadt besser? Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit, erklärt, wie es um die Honigbiene bestellt ist.

Text Claudia Schmidt
Biene

Viele Imker lassen ihren Bienen heute mehr Honig und füttern weniger zu. Welche Vorteile hat das?
Honig enthält nicht nur Kohlenhydrate, sondern auch Vitamine und Mineralien. Bienen, die mit ihrem eigenen Honig gefüttert werden, leben länger. Ausserdem fliegen geschwächte oder kranke Bienen gezielt Pflanzen an, deren Nektar sie stärkt. Die Datenlage dazu ist aber noch nicht hundertprozentig klar.

Nimmt das Bienensterben weiter zu?
Das ist unklar. Seit 2008 werden in der Schweiz dazu Daten erhoben. Die Verluste an Bienenvölkern schwanken dabei zum Teil erheblich. Die Wissenschaft hat aber noch nicht herausgefunden, warum das so ist. Man kann also auch nicht sagen, dass das Honigbienensterben zunimmt.

Man liest seit Jahren, dass Honig viel teurer werden wird. Bislang ist das nicht eingetreten. Warum?
Das liegt an den Importen aus fernen Ländern, in denen Honig günstiger produziert werden kann. Dieser Honig erreicht aber oft nicht die Qualität von Schweizer Honig.

Welche Folgen hätte ein starkes Bienensterben für die Landwirtschaft?
Bei den Pflanzen, die durch Honigbienen bestäubt werden – wie Fruchtbäume und -sträucher –, würden die Erträge sinken, die Produkte würden sich verteuern. Durch den Import von Früchten würden wir das Problem der steigenden Preise erst einmal auslagern. Das wiederum würde eine grössere Abhängigkeit von ausländischen Produzenten bedeuten.

Peter Neumann

Dr. Peter Neumann ist Professor am Berner Institut für Bienengesundheit. In seiner Arbeit fokussiert er auf das Verhalten, die Evolution und die molekulare Ökologie von Bienen und ihren Krankheiten.

Insektizide werden oft als Hauptursache für das Bienensterben genannt. Ist das tatsächlich so?
Da muss man unterscheiden: Die von Menschen gehaltenen Honigbienen haben einen ganz guten Puffer. Solange die Königin Eier legt, überlebt das Volk, selbst wenn ein paar Hundert Bienen sterben. Ganz anders sieht es insgesamt bei den oft alleine lebenden Wildbienen und generell bei vielen Insekten aus: Sie sterben daran. Bei den Honigbienen der Imker sind diese Stoffe aber nicht das Hauptproblem.

Urbanes Gärtnern wird immer beliebter. Ist die Stadt ein besserer Lebensraum für die Honigbienen?
Das Nahrungsangebot ist grösser, und es gibt keine Trachtlücken, also Zeiten, in denen nichts blüht. Viel interessanter ist aber, dass sich immer mehr Menschen mit den Bienen beschäftigen, Verständnis für sie und die Natur entwickeln. Und vielleicht im Garten einfach ein Stück Wiese nicht regelmässig, sondern nur zweimal pro Jahr mähen. Das hilft nicht nur den Bienen, sondern allen Insekten.

Die Varroamilbe betrifft jedes Bienenvolk. Wie weit ist man mit dem Züchten resistenter Honigbienen?
Es klingt banal: Am besten lässt man die Bienen machen. Damit hat man beispielsweise in Schweden und Holland sehr gute Ergebnisse erzielt. Es gibt aber nicht den einen Mechanismus. Es hat sich gezeigt, dass es nichts bringt, Bienenköniginnen aus anderen Ländern zu importieren. Nach unserer Erfahrung sind die Bienen, die in der Schweiz vorkommen, die besten Bienen für die Schweiz. Die Bienen werden das schaffen. Sie helfen sich selbst und entwickeln Strategien im Umgang mit der Milbe. Das geht aber nur langsam voran.

 

Bilder: Getty Images, zVg

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