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Migros - Ein M besser

Nachhaltig sein:

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M-Check

Sterne für Tierwohl und Klima

Die Migros schafft Transparenz: Mit der Nachhaltigkeits-Skala M-Check auf der Verpackung sämtlicher Migros-Marken sehen die Kunden auf den ersten Blick, ob das Produkt ihren Ansprüchen beim Tierwohl oder Klimaschutz genügt.

Text Ralf Kaminski
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Das M-Classic-Poulet schneidet beim Tierwohl ganz okay ab, beim Klima weniger gut.

«Wir sind nicht 100% nachhaltig. Aber 100% transparent». Unter diesem Motto bewertet die Migros künftig alle Produkte ihrer rund 250 Eigenmarken bezüglich ihrer Nachhaltigkeit. So wird für die Kundinnen und Kunden sofort klar, dass beispielsweise ein M-Classic Poulet im Tierwohl ganz okay abschneidet, beim Klima hingegen weniger gut. Und dies ist nur eines von rund 100 Fleisch- und Milchprodukten der Migros, auf denen sich die neue Nachhaltigkeits-Skala bereits findet.

Nach und nach sollen es immer mehr werden, bis schliesslich die Verpackungen sämtlicher Eigenmarken und Label einen M-Check aufgedruckt haben. Dies entspricht rund 80 Prozent des gesamten Migros-Sortiments. Der M-Check startet mit den Bereichen Tierwohl und Klima, die den Kundinnen und Kunden laut Umfragen besonders wichtig sind; weitere Nachhaltigkeitsaspekte sollen folgen. Und online finden sich bereits bei allen Lebensmitteln der Migros-Marken entsprechende Klimabewertungen.

«Ziel ist es, der Kundschaft umfassende Transparenz zu bieten und auch die negativen Aspekte eines Produkts nicht zu verschweigen», sagt Thomas Paroubek, Leiter Nachhaltigkeit bei der Migros. «Zudem wollen wir damit auch den nachhaltigen Konsum fördern.» Idealerweise würden Kunden Produkte mit weniger Sterne mit der Zeit zurückhaltender einkaufen. Paroubek betont zudem, dass es sich beim M-Check um eine europaweite Pionierleistung handelt. «Selbstverständlich sind wir offen, falls andere Detailhändler unseren Ansatz übernehmen möchten.»

Wie funktioniert M-Check?

Wie bei einem Hotel wird das Produkt in jedem Bereich mit Sternen bewertet. Erhält es fünf, schneidet es sehr gut ab, erhält es einen, gilt das Gegenteil. Fleisch erhält im Klimabereich grundsätzlich schlechte Noten, weil es immer deutlich höhere Treibhausgasemissionen verursacht als etwa eine Gurke.

Und während das M-Classic-Poulet beim Klima nur 2 Sterne erhält, wird das Optigal-Poulet mit 3 bewertet. Denn dort wird bei der Fütterung klimafreundlicheres europäisches Soja eingesetzt, was sich in der Klimabilanz deutlich auswirkt. Bei einigen Produkten macht M-Check zudem transparent, dass hohe Werte beim Tierwohl manchmal mit zusätzlicher Klimabelastung verbunden ist – und überlässt es den Kundinnen und Kunden zu entscheiden, was ihnen wichtiger ist.

Die Sterne-Bewertung wurde mit externen Partnern erarbeitet. Beim Klima war die Ökobilanzierungsfirma treeze federführend. Ihre Resultate wurden anschliessend von der Stiftung myclimate nochmals überprüft. Für das Tierwohl hat die Fachhochschule der Land-, Wald- und Lebensmittelwirtschaft (HAFL) in Zollikofen BE ein Bewertungssystem entwickelt, das es ermöglicht, alle Haltungssysteme für verschiedene Tiergattungen systematisch einzuordnen. In beiden Fällen ist die Methodik wissenschaftlich geprüft und auf m-check.ch transparent einsehbar.

Wie werden die Sterne berechnet?

In die Berechnung beim Klima fliesst die gesamte Ökobilanz des Produkts ein: Vom Anbau über den Einsatz von Wasser und Dünger, über die Futtermittel bis hin zum Transport und der Verpackung. Fünf Sterne stehen dabei für eine Emission von 0 bis 0,9 Kilo CO2eq/kg (siehe Box unten), ein Stern für mehr als 10 Kilo CO2eq/kg. So erhält zum Beispiel pflanzliche Milch fünf Sterne. Sie hat mit 0,5 Kilo CO2eq/kg eine bessere Klimabilanz als tierische Milch, die 1,3 Kilo CO2eq/kg hat, was vier Sterne ergibt. 

Was bedeutet CO2eq/kg?


Die Abkürzung steht für CO2-Äquivalente pro Kilo – eine Masseinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase. Neben Kohlendioxid (CO₂) gibt es weitere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas. Diese tragen nicht in gleichem Mass zum Treibhauseffekt bei. Um die Wirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar zu machen, wurde ein Umrechnungssystem mit der Masseinheit CO2eq/kg  entwickelt.

Die Klimabewertung ist streng. Bereits ab 10 Kilo CO2eq/kg gibt es nur noch 1 Stern, obwohl auch Produkte mit deutlich mehr Emissionen existieren – etwa Blumen aus beheizten Gewächshäusern, die 60 Kilo CO2eq/kg verursachen. Im Klimabereich erhalten deshalb 75 Prozent des mit M-Check bewerteten Migros-Sortiments 1 oder 2 Sterne, nur fünf Prozent schaffen es in die 5-Sterne-Kategorie, darunter zum Beispiel Gurken, Melonen, Kartoffeln und Getränke. 

Beim Tierwohl werden bis zu zehn verschiedene Bereiche beurteilt und je nach Tiergattung anders gewichtet, unter anderem der Auslauf im Freien, die Stallhaltung, der Einsatz von Medikamenten oder der Transport. Als Datengrundlage dienen die Produktionsrichtlinien bestimmter Label wie IP Suisse oder die Tierschutzgesetzgebung des Herkunftslandes – wobei die Migros bei verschiedenen ausländischen Lieferanten die Schweizer Gesetzgebung durchgesetzt hat, zum Beispiel bei Poulets aus Brasilien. Dies führt nun im M-Check zu zusätzlichen Sternen.  

«Grosser Schritt in Richtung Transparenz»

Damian Oettli Ist Leiter Markets beim WWF
Damian Oettli Ist Leiter Markets beim WWF

Damian Oettli vom WWF beurteilt den neuen M-Check als gute Entscheidungsgrundlage für nachhaltigeren Konsum.

Halten Sie den neuen M-Check für sinnvoll?
Der WWF begrüsst das Ziel der Migros, mit dem M-Check mehr Transparenz zu schaffen. Damit wird der Kundschaft beim Kauf eine Hilfestellung bezüglich Nachhaltigkeit in den Bereichen Tierwohl und Klimabelastung geboten, was es ihr ermöglicht, bewusster einzukaufen. Denn ein Drittel der konsumbedingten Umweltbelastung in Europa geht auf das Konto unseres Essens.

Ist die Migros so ehrlich und transparent wie sie sich anpreist?
Die Migros macht mit dem M-Check einen grossen Schritt in Richtung Transparenz im Bereich Nachhaltigkeit. Sie legt der Kundschaft durch die Sternebewertung etwa offen, dass der Konsum von Fleisch und tierischen Produkten dem Klima schadet. Dies ist eine wichtige Entscheidungsgrundlage für nachhaltigeren Konsum. 

Sind die Analysen, die hinter den Sterne-Bewertungen stecken, seriös?
Die Berechnung der Klimabelastung basiert auf seriösen wissenschaftlichen Grundlagen und ist eine sehr nachvollziehbare Methodik, um Lebensmittel miteinander zu vergleichen. Die Trennlinien zwischen den einzelnen Sterne-Kategorien wurden aufgrund der Einschätzung der Migros gesetzt und sind somit eine subjektive Wertung. 

Wie soll die Kundschaft mit Widersprüchen umgehen? Wenn etwa beim Fleisch das Tierwohl fünf Sterne erhält, der Klimaschutz jedoch nur zwei – kaufen oder nicht?
Nicht kaufen. Das ist nur ein vermeintlicher Widerspruch. Ein nachhaltiger Konsum berücksichtigt sowohl Klima als auch Tierwohl. Zudem sind tierische Proteine im Schnitt für die Hälfte der ernährungsbedingten Umweltbelastungen verantwortlich. Je weniger von ihnen, desto besser. Wenn doch mal etwas Tierisches auf den Tisch soll, sind biologisch produzierte Produkte vorzuziehen.

Wie «schlimm» ist es, wenn man auch mal zu einem schlecht bewerteten Produkt greift?
Jeder Kaufentscheid ist individuell. Aber ein vegetarisches Gericht belastet das Klima im Durchschnitt dreimal weniger als ein Gericht mit Fleisch. Vegane Gerichte sind noch besser.

WWF-Faustregeln für den nachhaltigen Einkauf

1. Essen Sie Obst, Gemüse und pflanzliches Eiweiss
Bevorzugen Sie die vegetarische oder vegane Variante Ihrer Mahlzeit und geniessen Sie Fleisch als etwas Besonderes. Die fünf M-Check Klimasterne geben Ihnen hier eine gute Orientierung bezüglich der Klimabelastung des Produkts.

2. Bevorzugen Sie Produkte in Bioqualität
Achten Sie bei Ihrem Einkauf auf Produkte in Bioqualität und fragen Sie nach, falls Sie keines finden. Viele Bioprodukte zeichnen sich durch gute bis sehr gute M-Check-Werte aus.

3. Wählen Sie saisonale Früchte und Gemüse
Der Einkauf von saisonalen Produkten ist umweltfreundlicher, weil sie weder per Flugzeug transportiert noch im fossil beheizten Gewächshaus angebaut wurden.

4. Vermeiden Sie Lebensmittelverschwendung
Kaufen Sie bewusst ein und überlegen Sie sich im Voraus, welche Lebensmittel Sie tatsächlich benötigen. 

Bewertung des M-Classic Poulet

Der M-Check gibt diesem Poulet 3 Sterne beim Tierwohl, 2 Sterne bei der Klimafreundlichkeit. Aber wie genau kommt diese Bewertung zustande?

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Klima-Kalkulation

Da es keine spezifische Ökobilanz für BTS-Poulets (Besonders Tierfreundliche Stallhaltung) gibt, basiert die Bewertung auf Angaben der Quantis World Food LCA Database, eine globale Hintergrunddatenbank, die in Partnerschaft mit führenden Unternehmen des Agrar- und Lebensmittelsektors entstanden ist. Dort wurde auch die Klimawirkung eines Schweizer Poulets analysiert –  es verursacht 4,97 Kilo CO2eq/kg. Das meiste geht auf Kosten der Produktion, die Verpackung verursacht lediglich 0,15, der Transport 0,06 Kilo CO2eq/kg. Bei der Produktion unter anderem berücksichtigt werden die Aufzucht, die Fütterung sowie der Anbau der Futtermittel, Stallemissionen und Energiebedarf. 

M-Classic Poulet erhält somit 2 Sterne, 3 Sterne gibt es bei weniger als 4,8 Kilo CO2eq/kg.

Einschätzung WWF:
Diese Bewertung überrascht nicht. Tierische Produkte haben gegenüber pflanzlichen Produkten eine deutlich grössere Klima- und Umweltbelastung. Die Produktion von Poulets kann nur klima- und umweltverträglich gestaltet werden, wenn die Hühner mit dem auf dem Hof angebauten Futter versorgt und der entstehende Mist auf der Hoffläche sinnvoll als Dünger verwendet werden kann. Wir könnten das Klima besser schützen, indem wir weniger Fleisch produzieren und konsumieren. Dafür müsste der Bestand von Nutztieren in der Schweiz und weltweit jedoch deutlich reduziert werden.

Tierwohl-Kalkulation

Die Fachhochschule der Land-, Wald- und Lebensmittelwirtschaft HAFL hat dabei folgende Kriterien berücksichtigt und mit 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) bewertet:
Stallklima, Luftqualität, Temperatur, Lärm, Licht: 5 (Vorgaben der Tierschutzverordnung erfüllt)
Platz im Stall: 3 (Vorgaben Tierschutzverordnung und BTS erfüllt )
Auslauf in Wintergarten: 4 (20% Zusatzfläche im Aussenbereich, mehrere Stunden pro Tag zugänglich, Boden nicht perforiert)
Gestaltung Weidefläche: 1 (keine Weidefläche)
Futter und Wasser: 5 (optimales Futter- und Wasserangebot)
Tierhaltung, Hygiene, Tiergesundheit: 2 (keine externe Kontrolle der Hygienepraxis)
Unabhängigkeit der Kontrolle: 5 (durch zertifiziertes Kontrollorgan)
Kontrollintervalle: 3 (alle vier bis fünf Jahre)
Tierherkunft: 1 (Importküken oder keine Angaben)
Warenfluss: 4 (lückenloser Nachweis)
Umgang mit den Tieren beim Transport: 3 (lückenhafter Nachweis von Verladevorgaben und Transportzeit)
Schlachtung: 4 (Lebendtierbeurteilung im Schlachthof)
Bestandesgrösse: 4 (maximale Tierzahl pro Betrieb nach der Verordnung über Höchstbestände in der Fleisch- und Eierproduktion)

Einschätzung HAFL:
Die Produktion von BTS-Poulets erfüllt alle gesetzlichen Tierschutz-Grundanforderungen sowie die Kriterien des tierwohlbezogenen Förderprogramms Besonders Tierfreundliche Stallhaltung (BTS). Dabei stehen den Hühnern ihrem natürlichen Verhalten angepasste Ruhe-, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie haben zudem permanent Zugang zu einem überdeckten Auslauf. Eine bessere Bewertung mit mehr Sternen wäre möglich, wenn die Hühner regelmässig Auslauf auf eine Weide hätten und die Mastküken vollumfänglich aus einheimischer Produktion stammten, somit auch die Elterntiere dem Schweizer Tierschutzgesetz unterstellt wären.

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