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45 Jahre bei der Migros

Die Migros war ihr täglich Brot

Ende April zieht Beatrix Gauch bei der Jowa Hausbäckerei Zähringer in Bern ihre Schürze aus und geht in Frühpension. Mehrere Hundertausend Brotlaibe sind in den letzten vier Jahrzehnten durch ihre Hände gegangen.

Text Ralf Kaminski     
Fotos Franziska Frutiger
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Beatrix Gauch beim Zöpfeln.

Routiniert greift sich Beatrix Gauch vier lange dünne Teigrollen, die eine Maschine gerade zugeschnitten hat, formt sie noch ein wenig zurecht und fängt an zu zöpfeln. Mit eindrücklicher Geschwindigkeit. Am Schluss werden die beiden Enden rasch zurechtgedrückt, dann geht der Zopf auf ein Blech, um zu ruhen, während Gauch sich die nächsten vier Teigrollen schnappt.

Pro Tag entstehen in der Jowa Hausbäckerei Zähringer in Bern rund 800 Zöpfe in acht unterschiedlichen Sorten und Grössen, Richtung Wochenende können es auch mehr sein. Ein erheblicher Teil davon geht dabei durch Gauchs Hände, neben diversen anderen Brotsorten, Kleingebäck, Fruchtkuchen und salzigen Snacks.

Doch damit ist nun bald Schluss. Am 31. Mai geht die 62-jährige Bernerin in die Frühpension. Dank Zusatzferien fürs 45. Dienstjubiläum hat sie bereits am 30. April ihren letzten Arbeitstag. Und in all den Jahren war sie fast ausschliesslich am gleichen Ort im Einsatz: bei der Migros an der Zähringerstrasse.

1976 begann sie dort ihre Lehre als Verkäuferin, arbeitete dann als Mitarbeiterin bei den Backwaren  und wechselte schliesslich 1994 in die Hausbäckerei im 1. Stock, gleich neben dem Migros-Restaurant. 

Es hilft, Frühaufsteherin zu sein

Dass sie nach der Lehre 1978 beim Brot landete, war Zufall. «Ich rotierte durch mehrere Abteilungen, und dort hat es mir gut gefallen – eine abwechslungsreiche Arbeit und nette Leute», erzählt sie. Für sich selbst gebacken hat sie damals noch nicht. «Das kam erst mit der wachsenden Erfahrung bei der Arbeit.»

Nachdem 1994 eine Mitarbeiterin die Hausbäckerei verliess, fragte man sie, ob sie Lust hätte, vom Verkauf in die Produktion zu wechseln. «Es war ganz angenehm, nicht mehr täglich in direktem Kundenkontakt zu stehen.» Damals wurden auch noch viel mehr Produkte in der Hausbäckerei selbst hergestellt, heute wird einiges schon fertig angeliefert und muss nur noch aufgebacken werden, was Zeit spart.

Die Arbeit empfindet sie auch nach all der Zeit als sehr abwechslungsreich. Ihre Hauptaufgabe ist das Formen des Brotes, nachdem der Teig von Kollegen hergestellt wurde. Aber sie belegt auch Pizzas, kreiert Früchtekuchen  und schiebt allerlei Gebäck in kleine Öfen. Die fünf riesigen Brotöfen, in die je bis zu 60 Laibe passen, bedient sie nur ab und zu wenn sie Spätschicht hat. «Zum Glück, ich mag nämlich Wärme nicht so sehr.» Doch auch so wird es in der Backstube im Sommer schnell sehr warm. 

Bei einer Spätschicht arbeitet sie manchmal abends auch noch ein wenig im Büro der Hausbäckerei. Meist jedoch fängt sie schon um 4 oder 5 Uhr morgens an, ab und zu gar um 3 Uhr – denn wenn der Laden öffnet, müssen Gipfeli und Brote bereit sein.

«Das Frühaufstehen fällt mir nicht schwer, ich kann ohnehin nicht lange schlafen», sagt Gauch. Vier bis fünf Stunden pro Nacht reichen ihr völlig. Und so wie sie in den Ferien in den ersten Tagen jeweils mitten in der Nacht aufwacht, wird sie sich wohl auch nach der Pensionierung erst mal daran gewöhnen müssen, länger schlafen zu dürfen.

Am liebsten ein Kartoffelbrot

Natürlich hat sich in den 45 Jahren enorm viel verändert: die Öffnungszeiten sind länger geworden, das Hausbäckerei-Team wurde kleiner, das Sortiment dramatisch vielfältiger. Aber es verschwanden auch Produkte, und nicht immer zurecht, findet Gauch. «Früher haben wir köstliche Madeleines gebacken – die vermisse ich noch immer.» Besonders gern isst sie das Kartoffelbrot aus der Hausbäckerei, eine der rund 30 Brotsorten, die dort täglich entstehen.

Und obwohl die alle nach einem fixen Rezept hergestellt werden und immer gleich schmecken und aussehen sollten, gibt es eben doch kleine Variationen. «Je nach dem, wer im Team den Teig herstellt, formt und backt, schmeckt es am Montag vielleicht ein wenig anders als am Dienstag – das ist aber auch das Schöne an von Hand gebackenen Broten.» 

Was täglich in der Hausbäckerei Zähringer entsteht

8 verschiedene Grössen und Sorten Zöpfe (Total 800 Stück)

30 verschiedene Sorten Brot (Total 700 Stück)

26 verschiedene Sorten Kleinbrote (Total 800 Stück)

15 verschiedene Sorten Snacks, süss und salzig (Total 200 Stück)

15 verschiedene Sorten Torten und Patisserie (Total 120 Stück)

10 verschiedene Sorten Wähen (Total 40 Stück)

Vor Feiertagen sind die Mengen um 30-50% höher.


Die Hausbäckereien stellen heute insgesamt 245 verschiedene Brotwaren und 151 verschiedene Konditoreiwaren her. Die kleinste in Zumikon ZH arbeitet mit drei Personen, die grösste in Thun Oberland BE mit 18.  

Trotz all der beruflichen Backerei backt Beatrix Gauch auch zu Hause gerne: Brote und Kuchen – für sich und ihre ein paar Jahre ältere Schwester, mit der sie gemeinsam mit zwei Katzen eine Parterrewohnung mit Garten bewohnt, etwa zehn Minuten zu Fuss von ihrem Arbeitsort entfernt. Ihr Backtipp: Den Brotteig nicht zu fest kneten und bearbeiten, und ihn genug lange aufgehen lassen, dann wird das Brot schön luftig.

Mehr Zeit für YB

Auch ihre Schwester, eine Verkäuferin in einem Metzgergeschäft, wird dieses Jahr pensioniert. Die beiden Singles werden nun also plötzlich viel mehr Zeit haben. Gauch freut sich schon darauf, mehr davon in ihrem Wohnmobil am Murtensee zu verbringen. «Früher habe ich dort gesurft, heute gehe ich noch immer gerne schwimmen und laufen.» Auch sonst ist sie gerne in der Schweiz unterwegs.

Als Pensionierte wird sie ebenfalls mehr Zeit haben für ihren Garten, ihre Katzen – und YB. Gauch ist ein grosser Fan der Berner Fussballer, geht regelmässig an Matches und fachsimpelt in der Backstube mit den Kollegen.

Aber wird sie nach so vielen Jahren rund ums Brot nicht doch etwas vermissen – etwa den köstlichen Duft, sobald man sich der Backstube nähert? Sie nickt. «Vermutlich schon, auch die tollen Kolleginnen und Kollegen.» Doch sie wohnt ja in der Nähe. Und wenn ihr mal die Zeit zum selber Backen fehlt, wird sie bei der Migros Zähringer vorbeigehen und sich ein Kartoffelbrot holen. 

Köstliche Brote im Angebot der Migros

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