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Gümligen bei Bern

Wo die Tulpen der Migros wachsen

Keine andere Blume schreit so laut «Frühling» wie die Tulpe. Sie wächst nicht nur in Holland, sondern auch in der Schweiz. Wir haben uns das Leben einer Tulpe mal genauer angesehen – von der Zwiebel bis in die Filiale.

Text Lisa Stutz
Fotos Nik Hunger
 Geschäftsführer Beat Brunner im 4000 Quadratmeter grossen Gewächshaus

Geschäftsführer Beat Brunner im 4000 Quadratmeter grossen Gewächshaus.

Bereits im Oktober, wenn die meisten Leute eher Kürbisse im Kopf haben, nimmt Roland Meyer (62) in Gümligen BE die ersten Tulpenzwiebeln aus Holland in Empfang. Bis im März werden jeweils wöchentlich Zwiebeln angeliefert, sodass der Betrieb pro Saison rund eine Million Tulpen produzieren kann.

Die Zwiebeln haben einen Umfang von rund 12 Zentimeter, sind braun und unauffällig – jedenfalls von aussen. Meyer, der seit 30 Jahren hier arbeitet und dessen Vater der Betrieb einmal gehört hat, schneidet für uns längs eine Zwiebel auf. Wer hätte das gedacht: Im Innern ist bereits gelb das Tulpenblatt zu sehen. Meyer zupft es mit dem Messer etwas heraus. «Es ist quasi alles schon da», erklärt er.

Wie sich Kälte auf die Stiellänge auswirkt

Während dem Transport nach Gümligen dürfen die Zwiebeln nie wärmer als drei bis vier Grad haben. Auch nach der Ankunft werden sie gekühlt und von Hand auf schwarze sogenannte Steckplatten gesteckt. Auf deren Spitzen finden die Zwiebeln den Halt, den sie sonst in der Erde finden würden. «Gegenüber der Erdkultur hat diese Methode arbeitswirtschaftliche, kulturtechnische und ökologische Vorteile», sagt Geschäftsführer Beat Brunner (60).  Die Arbeit ist sauberer, und die Gefahr, dass die Zwiebeln faulen oder erkranken, ist deutlich geringer als in der Erde.

Aufgeschnittene Tulpenzwiebeln: Sogar das spätere Tulpenblatt ist schon vorhanden.

Aufgeschnittene Tulpenzwiebeln: Sogar das spätere Tulpenblatt ist schon vorhanden.

Nach dem Stecken wird Wasser in die Kisten gefüllt, sodass die Zwiebeln Wurzeln schlagen können. Sie kommen in den Klimaraum, wo sie während etwa drei Wochen bei rund 5 Grad bleiben. «Diese Kühle macht die spätere Stiellänge aus», erklärt Tulpenexperte Meyer. Je länger gekühlt, desto höher die Tulpe.

Die Zwiebeln werden auf eine Steckplatte gesteckt, wo sie Wurzeln schlagen können.

Die Zwiebeln werden auf eine Steckplatte gesteckt, wo sie Wurzeln schlagen können.

Von Papageien und Fransen

Die Zwiebeln kommen ins Gewächshaus. Auf über 4000 Quadratmetern gewöhnen sie sich an das Sonnenlicht und wachsen langsam in die Höhe. Einmal in der Woche wird Wasser nachgegossen. Dünger oder Pflanzenschutzmittel gibt es nicht. Bis zum «verkaufsbereiten Fertigprodukt», wie Brunner ganz unromantisch sagt, dauert es rund drei bis vier Wochen – je nach Sorte.

Wie viele Sorten gibt es denn? «Tausende!», ruft Meyer. In Gümligen wachsen zum Beispiel die normalen Darwin-Tulpen, aber auch die «Papageien» mit den verdrehten Blüten, gefüllte Tulpen, «und neu sind die gefransten sehr im Trend», erklärt Meyer.

Die Zwiebeln müssen ab

Sobald die Tulpen erste Farben zeigen – hier ist ein gutes Auge gefragt – können sie von den Mitarbeitenden geerntet werden. «Zupfen», wie sie sagen. Und gezupft wird jeden Morgen. Auf einem Wagen werden die Tulpen mit den Zwiebeln am Stiel gesammelt und anschliessend zur Maschine geschoben, wo die Zwiebeln abgeschnitten werden.

Vier Mitarbeitende stehen am Laufband und binden jeweils zehn Tulpen zusammen. Die Bünde werden mit einer Zellophantüte überzogen und sehen schon fast so aus wie die Sträusse, die wir im Laden kaufen können. Es fehlt nur noch das typische «Aus der Region»-Etikett der Migros.

4400 Stück gehen heute ans Migros-Verteilzentrum Schönbühl. Und obwohl das nach viel tönt, ist es das nicht. Die Nachfrage nach Tulpen neigt sich im April bereits langsam dem Ende zu. In der Hochsaison, sie dauert von Neujahr bis Ostern, waren es gerne mal über 20’000 Tulpen am Tag.

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Das gibt natürlich viel zu tun. «In der Saison arbeiten wir vier Monate lang sieben Tage in der Woche, auch am Sonntag», sagt Meyer. Das stört ihn nicht. Er will schliesslich, dass die Tulpen gut kommen. Und welches ist seine Lieblingstulpe? Er lacht und schüttelt den Kopf. «Das gibt es nicht. Entweder hast du alle gern, oder keine.»

Eine Viertelstunde Fahrt

Die Tulpensträusse stehen nun etikettiert in schwarzen Wasserkübeln bereit. Samt diesen werden sie in hohe Kartonschachteln gehoben, die sogleich mit Klebeband verschlossen werden. Als der Transporteur eintrifft und die Schachteln auf Paletten in den Lieferwagen hebt, ist von aussen nicht mehr zu erkennen, dass es sich bei seiner Fracht um Tulpen in allen Farben handelt.

Die Fahrt zum Verteilzentrum Schönbühl dauert eine Viertelstunde. Von hier aus werden die Tulpensträusse in die Filialen in der Region verteilt. Wenn sie schliesslich zuhause in der Vase stehen, ist kein Tag vergangen, seit Meyer sie gezupft hat.

Weniger als 24 Stunden später stehen die Sträusse in der Filiale zum Verkauf bereit.

Weniger als 24 Stunden später stehen die Sträusse in der Filiale zum Verkauf bereit.

7 Fakten zu Tulpen

Wertvoller als ein Haus und meist aus Holland

  • Tulpen sind nach Rosen die meistgekauften Schnittblumen in der Schweiz.
  • Man schätzt den Absatz pro Jahr in der Schweiz zwischen 75 und 80 Millionen.
  • Es gibt keine blauen Tulpen.
  • Im 16. Jahrhundert kamen die Tulpen nach Holland. Die Oberschicht war bereit, für Tulpenzwiebeln horrende Preise zu zahlen. Das lockte Spekulanten ins Geschäft mit den Tulpenzwiebeln, die auf das große Geld hofften. Eine Tulpenzwiebel war auf einmal so viel wert wie ein Haus. Die Blase platzte im Jahr 1637 abrupt. Die sogenannte Tulpenmanie wird als die erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte angesehen.
  • Es gibt etwa 150 Tulpenarten und über 3000 Sorten weltweit. Manche sind auf natürliche Weise entstanden, andere wurden speziell gezüchtet.
  • Als Heimat der Tulpen gilt Mittel- und Zentralasien. Verschenkte man die in Persien wild wachsende Tulpe, galt das als eine Art Liebeserklärung. Heute verbindet man die Tulpen vor allem mit Holland. Kein Wunder: Über 80 Prozent der weltweit verkauften Tulpen stammen von holländischen Züchtern.
  • Tulpen wachsen weiter, nachdem man sie abgeschnitten hat. Deshalb lohnt es sich, sie in eine höhere Vase zu stellen.

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