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Mit dem Gummiboot auf der Aare

13 Fressmeilen bis Bern

Die 21 Kilometer lange Gummibootfahrt auf der Aare von Thun nach Bern dauert circa drei Stunden – unterwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu verpflegen und zu rasten. 

Text Dario Aeberli
Fotos Raffael Waldner
Cyril Christen (v.r.) ist der einzige mit Paddelerfahrung auf dem Boot, doch auch er überlässt das Steuer bei der Uttiger Schwelle den Naturkräften.

Cyril Christen (v.r.) ist der einzige mit Paddelerfahrung auf dem Boot, doch auch er überlässt das Steuer bei der Uttiger Schwelle den Naturkräften.

Die Uttiger Schwelle bei Thun BE ist berühmt-berüchtigt. Berühmt, weil man sich beim kurzen Flussabschnitt unter der Zugbrücke wie auf einer Wildwasserfahrt mit Stromschnellen fühlt. Berüchtigt, weil ungeübte Paddlerinnen und Paddler an dieser Stelle gerne einmal kentern.

Der Gummibootvermieter rät uns deshalb, erst nach der Brücke in die grünblaue Aare «einzuwassern». An diesem Junitag hat das kühle Nass – das den Berner Alpen entspringt – seinen Namen redlich verdient. «Heute ist die Aare etwa 15 Grad warm. Schön erfrischend also», sagt der breitgrinsende Vermieter bei der Bootsübergabe. Vom Bahnhof Uttigen bis zur empfohlenen Einwasserungsstelle sind es circa fünf Minuten zu Fuss. Eine etwa drei Meter breite Rampe führt direkt zum Fluss runter. Auch nach der Uttiger Schwelle hat die Aare ordentlich Zug. Im Schnitt fliesst das Wasser hier in zwei- bis dreifacher Schrittgeschwindigkeit. Je nach Wasserstand also mit zwischen zehn und fünfzehn Kilometer pro Stunde.

Wir sind zu sechst und schaffen es knapp, das Boot so lange am Ufer fest zu halten, bis alle eingestiegen sind. Die letzten zwei können gerade noch ins trockne Gummiboot springen. Nach dem hektischen Start helfen Vogelgezwitscher, Flussgeplätscher und das Rauschen der Bäume am Flussufer den Puls zu beruhigen – bis nach einer halben Stunde auf der linken Seite der Landgasthof Thalgut auftaucht.

Schwierigkeiten beim Andocken

Das passt, beginnen unsere Mägen nach dem intensiven Paddeln doch langsam zu knurren. Wir beschliessen anzulegen. Einen Schiffsteg gibt es beim Landgasthof Thalgut jedoch nicht. Für die ersehnte Apéroplatte mit Käse, Brot und Salami, müssen wir das Fahrttempo drosseln, uns anschliessend an den Felsen am Ufer festhalten und das Gummiboot den Hügel hochtragen. Oben angekommen wartet eine langgezogene, überdachte Terrasse mit Blick auf die Aare. «Tropfende Gäste sind im Aussenbereich kein Problem, das sind wir uns im Sommer gewohnt», sagt eine Kellnerin.  Auf Aare ist heute wenig los. Nur vereinzelt treiben Boote am Landgasthof Thalgut vorbei. Anhalten mag im Thalgut ausser uns niemand.

Grillstationen und Gummibootverbote

Wieder auf dem Wasser fällt auf, wie viele Grillplätze und Badeanstalten es entlang der Aare hat. Allerdings sind nicht alle per Boot zu erreichen. Einige Badis haben sogar Verbotsschilder für Gummiboote aufgestellt. Nicht dazu gehört die Badi Münsingen. Neben dem Parkplatz hat es eine Anlegestelle, an der der Wasserstand tief und die Strömung schwach ist. Für das Badirestaurant muss man danach keinen Eintritt bezahlen. «Wenn Sie wollen, können Sie die zwei Portionen Pommes und Fischchnusperli auch mitnehmen», sagt die Bedienung hinter einer grossen Plexiglasscheibe und mit einer leeren Haribodose als Take-Awaybox in der Hand. Keine schlechte Idee, denn die Auswasserungsstelle, an der der Gummibootvermieter wartet, ist noch eine gute Stunde entfernt. Wer dann bei der Ankunft am Campingplatz Eichholz bei Wabern immer noch nicht satt ist, kann bei einer der vielen Feuerstellen grillieren. Immerhin ist man von Uttigen bis Wabern gerade dreieinhalb Stunden gepaddelt und hat ordentlich Kalorien verbrennt. Wir sind auf jeden Fall hundemüde.

Sicherheitstipps

Für alle Personen, die mit einem Gummiboot auf einem Fluss fahren, sind Rettungswesten Pflicht. Paddels müssen ebenfalls mitgebracht werden – ohne ist das Boot auch kaum steuerbar. Ausserdem muss das Gefährt mit dem Namen und der Adresse der Kapitänin oder des Kapitäns gut sichtbar beschriftet sein. Auf den Gummibooten gibt es keine Promillegrenze mehr. Etwas unpräzise wird vorgeschrieben, dass eine Person «fahrtüchtig» sein muss. Achtung vor der Sonne: besser erst nach 14 Uhr einwassern, Hut aufsetzen, Sonnencreme auftragen, genug Trinkwasser einpacken und einen Plastiksack für die Abfälle mitnehmen.

Erlebnisse auf den Schweizer Flüssen

Marian Schulz ist Gummiboot-Enthusiast. Wenn es nicht gerade blitzt und stürmt gibt es für den 36-Jährigen keinen Grund, an Land zu bleiben. Schulz betreibt in Ziegelbrücke GL einen Gummibootverleih. Für das Migros-Magazin erzählt er von seinen Lieblingsflüssen in der Schweizer.

Weltreise auf dem Escher-Linthkanal

Herrliches Bergpanorama, ein Sandstrand für Malle-Fans, ein Jet d’eau wie in Genf und das alles mitten im Glarnerland: Das erwartet Touristen auf den Glarner Flüssen Escher- und Linthkanal, verspricht Marian Schulz. Er kennt die Wasserwege hier wie seine Westentasche. «Das Beste ist: Alle wichtigen Stationen sind super einfach mit dem ÖV erreichbar», sagt Schulz. Startpunkt für die Flussfahrt ist der Bahnhof Näfels-Mollis GL. Nach wenigen Metern zu Fuss steigt man mit dem Gummiboot ins kalte Wasser des teilweise renaturierten Escherkanals. «Danach gibt der Fluss die Blickrichtung vor. Zuerst sieht man den Federspitz, nach einer Rechtskurve dann den Leistchamm und danach fährt man auf dem Walensee am herrlichen Sandstrand von Gäsi vorbei, wo regelmässig Grillabende und Partys stattfinden. Und bevor es dann auf den Linthkanal geht, schwimmt man an der Riviera Weesens mit seinen historischen Hotels und dem Springbrunnen bei der Hafenpromenade vorbei», erklärt Schulz.

Ein Spaziergang wie durch einen Park auf dem Rheintalerbinnenkanal

Wer mit dem Gummiboot bei Oberriet SG in den schmalen Rheintalerbinnenkanal steigt, fühlt sich laut Schulz wie bei einem Spaziergang durch den Park. Das Wasser fliesst im Schritttempo. Auf beiden Seiten des Kanals reiht sich Baum an Baum wie bei einer Allee. Kurz danach kommt eine sehr niedrige Brücke, bei der man am besten kurz aussteigt und mit dem Boot nach der Brücke wieder ins Wasser geht. Das Highlight der Fahrt ist der Abschnitt, der mitten durch das Dorf Widnau führt. «Man sieht in die Gärten der Anwohner, die einen typisch rheintalerisch mit <Hopp> begrüssen.» Weil das Wasser so langsam fliesst, bestellt Schulz beim Bäcker vom Boot aus ein Sandwich und nimmt es wenige Minuten später in Empfang. Das Boot hält er solange ich Schach.

Gummiboot-Routen in der ganzen Schweiz

Verrückte Zürcher schwimmen auf der Limmat nach Strassburg

Seit Schulz von der Hirsebreifahrt gehört hat, lässt sie ihn nicht mehr los. «Das klingt so irre, da will ich beim nächsten Mal unbedingt dabei sein», sagt Schulz. Seit 1946 organisiert der Limmat-Club Zürich alle zehn Jahre eine so genannte Hirsebreifahrt nach Strassburg. Der Legende nach behaupteten vorlaute Zürcher im Jahr 1456 an einem Feldschiessen, dass sie innerhalb von 24 Stunden auf dem Wasserweg nach Strassburg F reisen könnten, um ihren Verbündeten im Notfall zur Hilfe zu eilen. Vermutlich lachten die Strassburger über die Behauptung, die Zürcher fühlten sich herausgefordert. Vor der Abfahrt bereiteten die Zürcher einen Topf Hirsebrei zu. Sollte er bei der Ankunft in Strassburg noch warm sein, war das ein Zeichen, dass sie nicht länger als ein Tag unterwegs waren. Tatsächlich sollen die Zürcher nach 22-stündiger Schiffsfahrt am Ziel angekommen sein. Heute dauert die Reise von Zürich über Baden nach Basel und schliesslich nach Strassburg wegen der vielen Schleusen, Kraftwerke und Staumauern etwa zweieinhalb Tage.

Alles für die nächste Gummiboot-Tour

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