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E-Auto aus der Schweiz

Die Knutschkugel ist zurück

Jetzt kommt der Microlino, das lange ersehnte Schweizer Elektroauto. Erfinder Wim Ouboter lässt damit den legendären Kabinenroller Isetta auferstehen.  

Text Michael West
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Nie mehr Angst vor der Parkplatzsuche: Der Microlino passt garantiert in jede Lücke. (Bild: zVg)

Die Strassen wimmeln heute von Offroadern, die wie kantige Panzer aussehen. Selbst Kleinwagen haben oft einen Kühlergrill, der an gefletschte Raubtierzähne erinnert. Der Microclino ist das pure Gegenteil – ein herziger Winzling, der dem legendären Kabinenroller Isetta aus der Nachkriegszeit nachempfunden ist. Die Mini-Scheinwerfer gleichen Stielaugen. Die ganze Front lässt sich aufklappen – sie dient als Türe, durch die man in das zweisitzige Cockpit einsteigt.

Der Erfinder des Fahrzeugs ist der Zürcher Unternehmer Wim Ouboter. Er will auf keinen Fall, dass man seinen Microlino bloss als neu aufgelegten Oldtimer sieht. «Er ist ein eigenständiges, top modernes Elektroauto», betont der 61-Jährige. «Von der Isetta haben wir nur die rundliche Form, die kompakten Abmessungen, und die Fronttüre übernommen. Das alles macht das Fahrzeug zum besonders praktischen Stadtflitzer. Man kann am Strassenrand quer zur Fahrtrichtung parkieren und vorne direkt aufs Trottoir aussteigen.»

Der Microlino in Zahlen

Das Elektroauto lässt sich an jeder Haushaltssteckdose in drei bis vier Stunden aufladen. Ja nach Batteriegrösse hat es eine maximale Reichweite von 95 bis 230 Kilometern. Der Microlino ist kleiner als ein Smart, bietet Platz für zwei Personen und kann zusätzlich einen ausgewachsenen Reisekoffer oder auch drei Mineralwasser-Harasse transportieren. Der Basispreis liegt bei 14 000 Franken. Mehr Infos zum Microlino auf microlino-car.com.

Auto der Herzen

Ouboters Firma hat ihren Hauptsitz in Küsnacht ZH, hergestellt wird der Microlino aber zusammen mit einer italienischen Partnerfirma in Turin. Der Elektrozwerg steht kurz vor der Zulassung; noch dieses Jahr sollen die ersten Exemplare an Kundinnen und Kunden ausgeliefert werden. Schon 25 000 Leute haben online einen Microlino reserviert. Der Erfolg überrascht Ouboter nicht: «Das Auto wirkt einfach sympathisch. Wenn Sie damit am Samstagabend durch die Stadt cruisen, fliegen Ihnen alle Herzen zu. Sie werden glatt den Ferraris die Show stehlen.»

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Unverkennbare Ähnlichkeit: Links eine Isetta aus der Nachkriegszeit und rechts der ebenso herzige Microlino. (Bider: zVg)

Erfolg ist sich der umtriebige, energiegeladene Mann gewöhnt: Schon 1999 lancierte er den Micro Scooter, das faltbare Trottinett, das heute im In- und Ausland zum Strassenbild vieler Städte gehört. Danach wagte er sich an ein weit ehrgeizigeres Projekt – die Entwicklung eines Elektroautos. Die Idee dahinter bringt Ouboter so auf den Punkt: «Heute fahren viele Leute unnötig grosse, übermotorisierte Autos. Ich wollte statt dessen ein kleines Elektroauto bauen, das man perfekt mit dem Öffentlichen Verkehr kombinieren oder auch als Zweitwagen nutzen kann. Es sollte nur gerade das Nötigste bieten, aber trotzdem grossen Spass machen.»

Vor fünf Jahren war das Projekt so weit gediehen, das ein Microlino-Prototyp an der internationalen Spielwarenmesse im bayrischen Nürnberg gezeigt werden konnte. In letzter Minute hätte ein ungeschickter Staplerfahrer die Präsentation beinahe verhindert. Er liess die Transportkiste mit dem Elektroauto von einer Rampe krachen. Eine Flanke des Microlino war danach völlig demoliert. Doch Ouboter behielt die Nerven: Mit der Hilfe seiner beiden erwachsenen Söhne schob er den ramponierten Microlino kurzerhand vor eine Wand der Messehalle, so dass auf den ersten Blick nur die Schokoladenseite des kleinen Autos zu sehen war.

Viel bitterer war dann ein Rückschlag im Jahr 2019: Ouboter hatte in einer deutschen Firma einen Partner gefunden, der den Autozwerg im nordrhein-westfälischen Delbrück serienmässig produzieren sollte. Doch das Unternehmen wollte zusätzlich ein identisches Elektrofahrzeug unter eigenem Namen herstellen. Es kam zu einem monatelangen Rechtsstreit. Am Ende kamen die beiden Ex-Partner zwar zu einer vertraulichen Einigung, doch Ouboter stand danach wieder ohne Hersteller da.

Bloss nicht aufgeben

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«Wenn einem so etwas passiert, darf man als Startup-Gründer nicht in Verzweiflung geraten», sagt er. «Man muss aufstehen, die blutige Nase abwischen und einfach weitermachen.» Ouboter nahm den Rückschlag zum Anlass, den Microlino gründlich weiterzuentwickeln: Der Urtyp hatte noch ein Skelett aus Metallröhren und eine Hülle aus Fiberglas-Kunststoff. Jetzt bekam der Autozwerg eine selbsttragende Karosserie aus Stahlblech und Aluminium, was zur Crashsicherheit beiträgt. Auch das Design wurde überarbeitet. Es sah danach weniger spielzeughaft und deutlich erwachsener aus.

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Mit dem gereiften Microlino hat Ouboter grosse Pläne: Nächstes Jahr will er maximal 3000 Autos produzieren lassen, später soll eine jährliche Stückzahl von bis zu 10 000 erreicht werden. Könnte das vielleicht der Anfang einer Schweizer Elektroauto-Industrie sei? Der Microlino-Vater winkt ab: «Ich sehe die Schweiz nicht als Produktionsland, wohl aber als Exporteurin von cleveren Ideen für neue Elektroautos.»

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Ein echter Familienbetrieb: Nicht nur Wim Ouboter(vorne), sondern auch seine Söhne und seine Frau gehören zum Startup-Unternehmen, das den Stadtflitzer entwickelt hat. (Bild: zVg)

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