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Qualitätskontrollen

Sie prüfen die Migros-Produkte

Melanie Senti und Nathalie Moravetz sorgen bei der Migros für die Sicherheit von Non-Food-Produkten. Dafür gehen die beiden mehrmals im Jahr auf Einkaufstour und ins Migros-eigene Prüflabor. Wir waren bei einer Kontrolle dabei.

Text Benita Vogel
Fotos Nik Hunger
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Melanie Senti (l.) und ­Nathalie Moravetz prüfen in ­einem eigenen Kerzentestraum des Prüflabors verschiedene Kerzen auf Brenndauer, Russverhalten und ob sie kontrolliert abbrennen und nicht einfach­ ver­laufen. Das wäre nämlich brandgefährlich.

Zwei türkisfarbene Papageien-Kerzen liegen im Einkaufswagen, daneben Schachteln mit einer LED-Leuchtkette und einem Rasierapparat. Auch farbige Kinderknete, Fläschchen mit Duftöl und eine rote Kuchenform aus Silikon sind zu sehen. Melanie Senti und Nathalie Moravetz manövrieren den vollen Wagen durch die Ladengänge und halten vor einem Regal mit Kohle-Grills – für 15 Fr. «Poh, das ist ja ein Schnäppchen», sagt Melanie Senti.

Die beiden Frauen sind für die Qualität und Sicherheit der Produkte im Nonfood-Bereich zuständig. Melanie Senti ist Fachspezialistin Qualitätssicherung beim Migros-Genossenschafts-Bund (MGB). Nathalie Moravetz leitet das Nonfood-Labor von SQTS, einem Analytik-Dienstleister, der auch zum  (MGB) gehört. Heute sind sie auf Shoppingtour im Pizolpark in Mels (SG). Bei Do it&Garden, Micasa, Sportxx, Melectronics und im Migros Supermarkt kaufen sie über 40 Produkte aus dem Nicht-Lebensmittelbereich -  für fast 500 Franken.

Der Grosseinkauf heisst in Fachsprache Sortimentskontrolle. Diese soll sicherstellen, dass die Migros nur Produkte verkauft, die den gesetzlichen Vorgaben und den eigenen Qualitätsansprüchen entsprechen. «Produkte, die es in der Migros zu kaufen gibt, können bis zu viermal  geprüft werden - als Muster, vor der Produkteinführung und mehrere Male danach», sagt Senti. Das sei Vorschrift.

Auch im Laden wird kontrolliert

Bei jedem einzelnen Produkt muss nachgewiesen werden, dass es die Sicherheits- und Qualitätsvorgaben einhält, bevor es in den Verkauf gelangt. Stehen die Produkte einmal im Regal, wird geprüft, ob auch alles noch konform ist – mit Kontrollen durch die Behörden oder eben der Migros selbst. «Unsere Sortimentskontrolle basiert auf Stichproben. Wir fokussieren dabei auf Produkte mit einem hohen Risiko, wie zum Beispiel Elektrogeräte und Spielzeug», sagt Senti, die eine Ausbildung als Chemielaborantin absolviert und Lebensmitteltechnologie studiert hat. Spielzeuge oder Bastelsachen können wegen bedenklichen Inhaltsstoffen heikel sein, Elektrogeräte wegen möglicher Fehlfunktionen.

Die beiden Kontrolleurinnen gehen mehrmals im Jahr auf Einkaufstour, jedes Mal in anderen Filialen. Sie legen auch regelmässig Modeschmuck in den Einkaufswagen, wegen des Nickel-Gehalts, der in zu hohem Grad Allergien auslösen könnte. Auch Textilien, Kerzen und Produkte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, stehen meist auf ihrer Einkaufsliste. Und dieses Mal landet auch der Grill für 15 Franken im Einkaufswagen.

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Nichts wird dem Zufall überlassen. Nicht nur die Brenndauer, auch die Höhe und der Durchmesser einer Kerze werden kontrolliert. 

Im Prüflabor

Nathalie Moravetz bringt ihn samt Grosseinkauf zu SQTS nach Dietikon. Die Swiss Quality Testing Services wurde 1930 von der Migros gegründet, ist unabhängig und arbeitet für verschiedene Kunden. 120 Mitarbeitende testen Produkte auf Sicherheit, Inhaltsstoffe und Hygiene – auch im Bereich Lebensmittel und Lebensmittelverpackungen (siehe Box). Beim Eingang des Nonfood-Labors stehen drei futuristische Plastikbeine. «Hier werden Strümpfe auf die Passgenauigkeit geprüft», sagt die Laborleiterin. Das Labor prüft beispielsweise Weichmacher in Kunststoffen und Schwermetalle in Spielzeugen. Sogar einen Kerzen-Testraum gibt es. Moravetz Team lässt hier die eingekauften Papageien-Kerzen ganz niederbrennen. «Bei Deko-Kerzen, kann es vorkommen, dass diese nicht kontrolliert abbrennen, sondern einfach verlaufen », sagt Moravetz. Dies könnte zu Reklamationen führen oder auch hinsichtlich eines Brandes gefährlich werden. Zusätzlich werden auch Brenndauer und das Russverhalten überprüft.

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Hält dieser Campinggrill, was er verspricht?  Nathalie Moravetz (links) und Melanie Senti testen die Stabilität des Produkts. 

Der Grill kommt ins Techniklabor. Die Prüfleiter braten hier zwar keine Würste - das tun sie jeweils bevor Grills überhaupt in den Verkauf kommen - dennoch wird der Günstig-Grill nach einem vorgegeben Prüfplan genau unter die Lupe genommen. Dabei wird etwa die Schale erhitzt, um zu kontrollieren, dass sie sich nicht verformt. Die Spezialisten prüfen auch den Grill-Rost auf Inhaltsstoffe, weil er mit Lebensmittel in Kontakt kommt, die Standfestigkeit der Beine und selbst die Verpackung sowie die Gebrauchsanleitung.

Wenn Warnhinweise fehlen

Auch Melanie Senti und ihre Kolleginnen und Kollegen der Qualitätssicherung des MGB  prüfen, ob die eingekauften Nonfood-Produkte korrekt gekennzeichnet und beschriftet sind. «Bei Kosmetika und Chemikalien etwa kommt es immer wieder vor, dass wichtige Anwendungs- oder Gefahrhinweise fehlen», sagt Senti. Neben ihr arbeiten sieben Qualitätssicherer im Bereich Nonfood - im Bereich Lebensmittel sind es vier (siehe Box).

20’000 Lebensmittel-Produkte auf dem Prüfstand

Das Lebensmittelsortiment der Migros wird regelmässig kontrolliert. Die Mitarbeitenden der Qualitätssicherung beim MGB arbeiten dabei ebenfalls eng mit der SQTS zusammen. Etwa 20'000 Produkte im Jahr werden darauf geprüft, ob die gesetzlichen und Migros-internen Sicherheits- und Qualitätsvorgaben erfüllt werden. 

Die Prüfungen erfolgen risikobasiert und stichprobenartig. Produkte die heikel sind, wird besondere Beachtung geschenkt. Gibt es Abweichungen werden Korrekturmassnahmen mit den Lieferanten definiert bzw. interne Prozesse in Gang gesetzt.

Sentis Team entscheidet auch, was mit mangelhaften Produkten passiert. «Wir beurteilen die Risiken und empfehlen die Massnahmen.» Je nach Mangel muss der Lieferant nachbessern,  gibt es einen Rückzug oder gar einen Rückruf der Waren. «Beim Rückzug werden die Produkte aus dem Verkauf genommen. Beim Rückruf werden Kundinnen und Kunden aufgefordert, bereits verkaufte Waren zurückzubringen. «Das passiert, wenn der Mangel so gravierend ist, dass die Gesundheit und Sicherheit der Konsumentinnen und Konsumenten gefährdet ist», erklärt die Kontrolleurin. Wie jüngst bei einem Autokindersitz, der sich nicht ausreichend arretieren liess. «Produkte werden bei Rückrufen jeweils sofort vom Verkauf gesperrt und zurückgerufen», sagt Senti. 2020 gab es sechs Rückrufe von Nonfood-Produkten.

Die Verpackung durchbohrt

Beim Günstig-Grill hat die Kontrolle keine gravierenden Mängel zu Tage gebracht. Er hat einen festen Stand und die Grillschale ist hitzebeständig. Das gilt allerdings nicht für die Etikette mit den Warnhinweisen darauf. Sie verfärbt sich nach mehrmaligem Erhitzen braun und wird unleserlich.  In der Anleitung fehlt zudem eine Stück-Liste. «Wir haben bereits mit dem Lieferanten besprochen, wie und bis wann er die Mängel behebt», sagt Melanie Senti. Auch bei den übrigen 40 Nonfood-Produkten aus der Sortimentskontrolle gab es nur wenige Beanstandungen. «Das ist nicht immer so», sagt Senti, die mit Kollegin Moravetz bereits den nächsten Einkauf plant.

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