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Ökotherapeutin Marianne Grasselli Meier

Sie ist eine moderne Hexe - was macht sie?

Sie wohnt weder in einem Lebkuchenhaus, noch reitet sie auf einem Besen. Und doch gehöre sie zu der Kategorie von Frauen, die einst verfolgt und verbrannt wurden, sagt Ökotherapeutin Marianne Grasselli Meier. 

Text Christine Werlé
Fotos Matthieu Spohn
Marianne Grasselli Meier praktiziert im Einklang mit der Natur Öko­therapie. Mit einem Tambourin im Wald zu sein, ist eines ­ihrer Rituale.

Marianne Grasselli Meier praktiziert im Einklang mit der Natur Öko­therapie. Mit einem Tambourin im Wald zu sein, ist eines ­ihrer Rituale.

Es gibt Frauen, die sich selbst als Hexe bezeichnen. Und es gibt Frauen, die als Hexe wahrgenommen werden. Marianne Grasselli Meier gehört zur zweiten Kategorie. Und man sollte jetzt nicht an eine böse alte Frau denken, die irgendwo im Wald lebt. Nein, ­Marianne Grasselli Meier ist die Frau von nebenan, sympathisch und wohlwollend. In ihrem Dorf Péry-La Heutte BE hört man von der ausgebildeten Ökotherapeutin keine Zaubersprüche, und sie braut auch keine Zaubertränke: Wenn jemand ihre Dienste in Anspruch nimmt, dann ausschliesslich um sich besser zu fühlen.

«Bei meinen Ökoritualen, die mitten in der Natur stattfinden, verbinde ich die Menschen wieder mit der Natur, um ihre Probleme zu lösen. Ich glaube nicht, dass ich zaubere, sondern ich löse Knoten und öffne Türen. Und alles wird möglich», erklärt die 63-Jährige und ver­sichert, dass sie das Leben vieler Menschen verändert hat. Etwa von Frauen, die dachten, sie ­würden nie wieder Kinder bekommen oder eine neue Liebe finden. «Tatsächlich ist meine Arbeit ­genau, was die Hexen des Mittelalters machten: Ich heile den Körper und den Geist mit den vier Elementen Luft, Feuer, Erde und Wasser. Aber ohne Rabenfedern, Krötenschleim oder Opferaltäre», sagt Grasselli Meier.

Schwierige Selbstfindung

Marianne Grasselli Meier war nicht immer die moderne Hexe, als die sie heute betrachtet wird. Sie wurde am 5. Dezember 1957 in Genf geboren, absolvierte eine klassische Musikausbildung am Konservatorium und trat in die Fussstapfen ihres Vaters. Mit 18 Jahren heiratete sie, hatte aber Mühe, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. «Ich war immer ein schwarzes Schaf, fühlte mich verletzlich, unverstanden, fehl am Platz.» Auf der Suche nach ­einer Identität interessierte sie sich schon als Teenager für ­spi­rituelle Dinge. Sie wandte sich vom Christentum ab, «der Mono­theismus hat mich gestört», und dem Heidentum zu, das «mehr mit der Natur und vor ­allem mit dem Mond und mit Weiblichkeit» zu tun hat, erklärt sie ihren Sinneswandel.

Bei ihren Ritualen  dreht sich alles um die Heilkräfte der Natur. «Ich gebe meinen Patienten Werkzeuge in die Hand. Heilung kann nur von ­ihnen selbst kommen», erklärt  Grasselli Meier ihr Wirken. 

Bei ihren Ritualen  dreht sich alles um die Heilkräfte der Natur. «Ich gebe meinen Patienten Werkzeuge in die Hand. Heilung kann nur von ­ihnen selbst kommen», erklärt  Grasselli Meier ihr Wirken. 

Im Rahmen einer musiktherapeutischen Ausbildung kam sie in den 90er-Jahren fast folgerichtig zur Ökotherapie. Dabei dreht sich alles um die Heilkräfte der Natur. Grasselli Meier hatte ­Ökotherapie schon lange im ­Ver­borgenen praktiziert. Ihre Bes­timmung findet sie schliesslich im mystischen Berner Jura, wo sie seit 2010 mit dem dritten Ehemann lebt. «Ich habe mir oft ­gesagt, dass ich mich selbst zur Welt gebracht habe.»

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Langsames Umdenken

Wenn Hexen sich heute nicht mehr verstecken, dann ist das auch Hollywood zu verdanken, aber vor allem dem Ökofeminismus, einer in den 70er-Jahren entstandenen Bewegung, die ­einen Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Natur und der Unterdrückung der Frauen sieht. «Zum Kampf für die Ökologie gesellt sich der Kampf für die Rechte der Frauen, das ist neu im Vergleich zu den Hexen der Vergangenheit», kommentiert Grasselli Meier. Während des Frauenstreiks am 14. Juni 2019 gab es Frauen, die den Status einer Hexe für sich beanspruchten. «Das sind junge Frauen, die gegen den Konservatismus rebellieren, die frei sein wollen, ohne Tabus, ­sexuell unabhängig», so die Öko­therapeutin. Das ist denn auch die ­Definition einer modernen Hexe.

Ökotherapeutin Marianne Grasselli Meier will von der Folklore wegkommen und nicht nur an Halloween eine Daseinsberechtigung haben.

Ökotherapeutin Marianne Grasselli Meier will von der Folklore wegkommen und nicht nur an Halloween eine Daseinsberechtigung haben.

2013 nimmt ihr Leben aufgrund einer Erkrankung eine neue Wende: Infolge einer Netzhautablösung ist sie fast neun Monate lang blind. Nach vier Operationen und geheilt, beschliesst sie, sich nicht mehr zu verstecken und eine Praxis zu ­eröffnen. «Damals habe ich angefangen, Bücher über Ökotherapie zu schreiben. Das hat mir ge­holfen, mich besser in der Gesellschaft zurechtzufinden», sagt Grasselli Meier. Der Entschluss, in Zukunft öffentlich zu wirken, hat sie auch dazu bewogen, sich von der Waadtländer Fotografin Anne Voeffray für einen Bildband fotografieren zu lassen, in dem Frauen mit magischen Kräften porträtiert werden.

In Gränichen AG

Das Museum über Hexen

Das HexenmuseumIn den historischen ­Räumen des Schlosses Liebegg in Gränichen AG ist das erste Schweizer Hexenmuseum unter­gebracht. Es beherbergt auf einer Fläche von 275 Quadratmetern eine Sammlung von über 1300 Objekten zum ­Thema Hexerei. Das Museum wurde 2009 von Wicca Meier-Spring gegründet. Die Dauerausstellung «Hexen» widmet sich den Hexenprozessen in der Schweiz und in ­Europa und beleuchtet deren Auswirkungen auf die Gegenwart. Die Ausstellung öffnet auch ein Fenster in die Geschichte des Schweizer Volksglaubens und Aberglaubens, erzählt Legenden und lässt die Bräuche unserer Vorfahren lebendig werden.

Dennoch, dieses Umdenken ist noch längst nicht überall und bei allen angekommen. Auch wenn sie eher auf Neugier als auf Ablehnung trifft, bleibt Marianne Grasselli Meier in Péry-La Heutte ein Original, eine Hexe, die weiterhin heimlich, fast beschämt, aufgesucht wird. «Meine Tätigkeit ist noch nicht vollständig ­anerkannt, denn meine Behandlungen sind kaum spürbar.» In den Köpfen ihrer Patienten und Patientinnen hält sich zudem hartnäckig ein folkloristisches Element. «Sie erwarten etwas Spektakuläres von mir, aber das kann ich ihnen nicht bieten. Ich gebe ihnen Werkzeuge in die Hand. Heilung kann nur von ­ihnen selbst kommen», so die Therapeutin. Grasselli Meier will von der Folklore wegkommen und nicht nur an Halloween eine Daseinsberechtigung haben.

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