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Migros - Ein M besser

Nachhaltig sein:

Wir reden nicht nur drüber, wir machen es. Mehr erfahren!

Kennen Sie M-Check und V-Love?

Für so nachhaltig hält sich die Schweiz

Alle wollen es sein – aber wer handelt im Alltag wirklich nachhaltig? Eine landesweite Umfrage des Migros-Magazins zeigt: Fleisch, Fliegen und fossile Treibstoffe sind auf dem Rückzug. Gleichzeitig bleibt CO2 für viele eine abstrakte Grösse, mit der sie wenig anfangen können.

Text Kian Ramezani
Bild: Getty Images

Bild: Getty Images

Nachhaltiger Konsum ist das Gebot der Stunde, wenn wir künftigen Generationen einen intakten, lebenswerten Planeten übergeben wollen. Darin sind sich eigentlich alle einig. Oder? Nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes im Juni kamen leise Zweifel auf. Wie ernst ist es der Schweiz mit Umwelt- und Klimaschutz? Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Migros-Magazins liefert überraschende und teils widersprüchliche Erkenntnisse: Klimaleugner machen gerade einmal 7 Prozent aus. Gleichzeitig achtet lediglich gut die Hälfte der Befragten beim Konsum auf den CO2-Ausstoss. Alles in allem entsteht das Bild einer bemühten Mehrheit, die ihren Beitrag leistet oder leisten will. Sei dies mit dem Kauf regionaler Produkte, den Verzicht auf Plastiksäckli oder mit weniger Flugreisen. Wahrscheinlich halten wir uns aber auch für nachhaltiger, als wir es im Alltag sind, glaubt Jakub Samochowiec vom Gottlieb-Duttweiler-Institut, der die Umfrage-Ergebnisse analysiert hat (siehe ganzes Interview in der Infobox unten). 

Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit?

78%

... geben an, dass ihnen Nachhaltigkeit beim Kauf, Konsum und Lebensstil wichtig ist. Dieser Anteil ist in der ganzen Bevölkerung der Schweiz ähnlich hoch, unabhängig von Sprachregion, Geschlecht, Einkommen, Bildung und Haushaltsgrösse. Nur 6 Prozent halten Nachhaltigkeit für unwichtig. Erfahre hier, wie wichtig Nachhaltigkeit der Migros ist. 

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

55%

... achten beim Konsum auf den CO2-Ausstoss. Klingt zunächst ganz ordentlich – ist aber der tiefste Wert verglichen mit anderen Faktoren: Bedeutend wichtiger bewertet werden Tierwohl (81 Prozent), Schweizer Herkunft (80 Prozent), regionale Produktion (78 Prozent), wenig Plastikverpackung (75 Prozent) sowie Einhaltung der Menschenrechte (74 Prozent). Frauen, ältere Personen sowie Menschen aus dem Tessin bewerten die meisten Aspekte generell höher.

Was ist Ihnen bei der Nachhaltigkeit wichtig?

Frage: Wie wichtig sind Ihnen diese Nachhaltigkeitsaspekte?

Verursacht der Mensch den Klimawandel?

7%

... outen sich als sogenannte Klimaleugner. Demgegenüber stimmen 78 Prozent der Aussage zu, der Mensch trage mit seinem Handeln massgeblich zur Klimaerwärmung und deren negativen Begleiterscheinung bei. Dieser Wert ist in der Westschweiz (82 Prozent) und im Tessin (83 Prozent) sogar noch höher.

Fliegen Sie noch?

48%

... oder fast die Hälfte der Befragten wollen künftig weniger fliegen, um ihren persönlichen CO2-Fussabdruck zu verkleinern. Je älter die Befragten (ab 45 Jahren), desto ausgeprägter diese Haltung. Dasselbe gilt für Personen mit tieferer Bildung.

Fleisch zum Zmittag und Znacht?

46%

... wollen ihren Fleischkonsum reduzieren, um weniger CO2 zu verursachen. In dieser Gruppe befinden sich besonders häufig Frauen und Personen, die in der Stadt leben.

Weniger Fleisch essen? Weniger fliegen?

Wieviel Lebensmittel landen im Abfall?

7%

... liegen bei der Schätzfrage nach dem durchschnittlichen Lebensmittelabfall pro Schweizer Haushalt und pro Jahr plus-minus richtig. Also fast niemand. Drei Viertel unterschätzen und ein Viertel überschätzen ihn. Korrekt wären rund 260 Kilogramm pro Jahr (siehe nächste Frage).

Foodwaste? Den verursachen die anderen!

71%

... sind der Meinung, dass ihr Haushalt weniger Lebensmittelabfall verursacht als der Schweizer Durchschnitt – dieser beträgt laut Untersuchungen des Bundesamts für Umwelt rund 260 Kilogramm pro Jahr. Nur 21 Prozent glauben, dass ihr Haushalt in etwa 260 Kilogramm Foodwaste pro Jahr verursacht. Hier ein paar Tipps, wie du Foodwaste vermeidest. 

Wer kauft noch einen Benziner?

42%

... planen für ihren nächsten Autokauf ein Modell mit Elektroantrieb (21%) oder (Plugin-)Hybrid (21%). Für einen konventionellen Benziner würden sich noch 24% entscheiden, für einen Diesel 7%. Unentschlossen sind 15% und 11% würden gar kein Auto kaufen. In der Westschweiz (48%) und vor allem im Tessin (60%) ist die Absicht grösser als in der Deutschschweiz (38%), einen Hybrid oder ein Elektroauto zu kaufen. Elektroautos sind zudem insbesondere bei Männern, Personen unter 30 Jahren, Personen in Grosshaushalten sowie bei Personen mit höherer Bildung gefragt.

Elektro oder Benziner?

Frage: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein neues Auto. Welche Antriebsart hätte dieses Auto?

Bei welchen Produkten achten Sie am meisten auf Nachhaltigkeit?

63%

... geben an, auf nachhaltiges Obst und Gemüse Wert zu legen – der höchste Wert. Es folgen Fleisch und Molkerei-Produkte und dann mit Abstand Kleider, Putz- und Waschmittel, Körperpflegeprodukte und etwas überraschend auf dem letzten Platz Brot. Hier geht es zur Liste der nachhaltigen Produkte in der Migros. Jedem Zehnten ist Nachhaltigkeit bei all diesen Produkten egal. Mehr Deutschschweizern ist die nachhaltige Produktion von Fleisch wichtiger als Westschweizern. Dagegen ist den Westschweizern eine nachhaltige Produktion bei Kleidern, Putz- und Waschmittel und Brot wichtiger als den Deutschschweizern.

Bei welchen Produkten achten Sie am meisten auf die Nachhaltigkeit?

Frage: Bei welchen der folgenden Produktkategorien achten Sie speziell auf eine nachhaltige Produktion?

(Wie) vermeiden Sie Plastik beim Einkaufen?

6%

... geben an, keinerlei Anstrengungen zu unternehmen, beim Einkaufen Plastik zu reduzieren. 25 Prozent würden gerne, schaffen es aber in der Praxis nicht. 69 Prozent erklären hingegen, beim Einkaufen Plastik zu reduzieren. Von dieser Zweidrittel-Mehrheit bringen 85 Prozent eigene Einkaufstaschen mit und 70 Prozent nutzen den Offenverkauf von Obst und Gemüse mit eigenen Säckli (zum Beispiel Veggiebags). Von den kürzlich in der Migros eingeführten Abfüllstationen für Pasta, Reis und Hülsenfrüchte machen hingegen erst wenige Gebrauch, ebenso von der Fleisch- und Fischtheke mit eigenem Tupperware. Hier geht es zu den Tipps und Tricks, wie du Plastik vermeidest, findest du hier. 

Frage: F9: Auf welche Art vermeiden Sie möglichst Plastik beim Einkaufen?

Frage: Auf welche Art vermeiden Sie möglichst Plastik beim Einkaufen?

Zum Schluss zwei Fragen zur Nachhaltigkeit in der Migros:

Welcher Detailhändler macht am meisten?

34%

... attestieren der Migros, sich am meisten für Nachhaltigkeit einzusetzen. An zweiter Stelle folgt mit 19 Prozent der Coop. Lidl, Aldi, Denner und Volg bewegen sich alle im niedrigen einstelligen Bereich. Gut ein Drittel erklärt, die Frage nicht beurteilen zu können.

Frage: Welcher Detailhändler engagiert sich Ihrer Meinung nach insgesamt am meisten für die Nachhaltigkeit?

Frage: Welcher Detailhändler engagiert sich Ihrer Meinung nach insgesamt am meisten für die Nachhaltigkeit?

Kennen Sie M-Check und V-Love?

60%

... kennen V-Love, die Migros-Eigenmarke für pflanzenbasierte Lebensmittel. Fast ein Viertel kauft die veganen und vegetarischen Produkte auch, vor allem Frauen, 14-44-Jährige, urbane Menschen und höher Gebildete. Noch nicht ganz so bekannt ist die Nachhaltigkeits-Skala auf den Migros-Eigenprodukten: Den sogenannten M-Check mit den fünf Sternen kennen 35 Prozent, 17 Prozent nutzen ihn auch beim Einkaufen. 

Die Umfrage wurde vom Zürcher Institut Innofact zwischen dem 21. und 24. September 2021 online durchgeführt. Die repräsentative Stichprobe beträgt 1033 Personen im Alter von 14 bis 74 Jahren aus der Deutsch-, West- und italienischsprachigen Schweiz.

Jakub Samochowiec

«Wahrscheinlich beurteilen wir uns nachhaltiger, als wir es wirklich sind»

Welches Ergebnis dieser Umfrage hat Sie am meisten überrascht?
Dass 20 Prozent ein Elektroauto kaufen wollen und 10 Prozent gar keines. In beiden Gruppen hätte ich noch höhere Werte erwartet. Auch die generell geringen Unterschiede zwischen Stadt und Land haben mich überrascht. Dieser vielbeschworene Graben zeigt sich einzig beim Thema CO2-Ausstoss, und auch hier eher bescheiden.

In welchem Ergebnis erkennen Sie die grösste Brisanz?
Das relativ geringe Interesse am CO2-Ausstoss. Die Hälfte der Befragten gibt an, beim Konsum nicht darauf zu achten.

Wie erklären Sie sich diesen tiefen Wert?
Ich sehe vor allen zwei mögliche Gründe: Während es für Tierwohl verschiedene Labels gibt und für Schweizer Herkunft eine kleine Fahne auf der Verpackung, fehlen solche Hilfestellungen für den CO2-Ausstoss. Die Migros hat hier zwar mit dem M-Check ein Instrument geschaffen, das gemäss Umfrage aber noch wenige kennen. Und selbst wenn man es kennt: Ich kann zum Beispiel sagen, ich kaufe jetzt nur noch Schweizer Erzeugnisse. Aber ich kann nicht sagen, ich stosse kein CO2 mehr aus. Vielleicht weniger, aber wieviel ist weniger? Für den Konsumenten ist es sehr schwierig, hier eine Linie zu finden.

Und der zweite Grund?
Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen ihre Einflussmöglichkeiten in der CO2-Thematik als beschränkt einschätzen. Und das stimmt in manchen Bereichen auch. Die Ölheizung in der Mietwohnung kann man sich nicht aussuchen und ein öffentliches Netz an Elektroladestationen baut man sich auch nicht selbst. Der Begriff des «persönlichen CO2-Fussabdrucks» macht aber glauben, dass das Individuum selbst verantwortlich ist. Hier gibt es ein Spannungsfeld …

… und auch Widersprüche. Drei von vier Personen sagen in der Umfrage, der Mensch trage mit seinem Handeln massgeblich zur Klimaerwärmung bei.
Und die gleiche Menge sagt auch, Nachhaltigkeit sei ihr wichtig. In einer Umfrage suchen sie nach Gründen, weshalb sie tatsächlich ökologisch handeln. Und sie werden Beispiele finden: In den Ferien haben sie statt des Flugzeugs den Zug genommen oder sie erinnern sich, letzthin ein vegetarisches Produkt probiert zu haben. Aber wahrscheinlich beurteilen wir uns nachhaltiger, als wir es wirklich sind. Und auch nachhaltiger als unsere Mitmenschen.

Wie beim Foodwaste.
Dort sehen wir das Phänomen sogar in den Zahlen. Die grosse Mehrheit schätzt die eigenen Lebensmittelabfälle als unterdurchschnittlich ein und liegt damit ziemlich sicher falsch.  Ein weiterer Grund für die (zu) positive Selbstwahrnehmung ist der Wunsch nach einem stimmigen Selbstbild. Die Meisten kaufen mal ein Bioprodukt und dann aber wieder ein Steak aus Argentinien. In einer Umfrage sucht man nach Gründen, warum man eigentlich ökologisch ist. Da fällt vor allem das Bioprodukt ein, nicht das Steak. So klappt es mit dem stimmigen Selbstbild und der unangenehme Widerspruch wurde erfolgreich vermieden. Dabei sind wir alle widersprüchlich.

Welchen Handlungsbedarf sehen Sie in den Ergebnissen?
Die Schweiz hat internationale Verpflichtungen wie das Pariser Klima-Abkommen und deshalb wäre es falsch, einfach alles der Selbstverantwortung des Konsumenten zu überlassen. Unternehmen und Politik sind gefordert, Angebote und Strukturen zu schaffen. So dass etwa das Elektroauto wirklich die attraktivere Variante gegenüber dem Benziner ist.

 Jakub Samochowiec ist Senior Researcher und Speaker am Gottlieb Duttweiler Institut. Der promovierte Sozialpsychologe analysiert gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Veränderungen mit den Schwerpunkten Entscheidung, Alter, Medien und Konsum.

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