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Goldenes Pulver

Aromat – geil oder grusig?

Das goldgelbe Pulver gehört zur Schweiz wie Toblerone und Matterhorn – nur spaltet es die Gesellschaft wie wenig ­andere ­Nahrungsmittel. Die Bekenntnisse einer Aromatikerin und eines Verächters. 

Text Dinah Leuenberger und Roland Linder
Kein Gewürz spaltet die Schweiz mehr als das Aromat.

Kein Gewürz spaltet die Schweiz mehr als das Aromat.

PRO Aromat

Liebt Aromat: Dinah Leuenberger, Redaktorin Food
Liebt Aromat: Dinah Leuenberger, Redaktorin Food

Pasta, Butter und viel Aromat: Mehr brauchte es in der Jugend nicht für mein Lieblingsgericht. Das vollmundige Aroma fühlte sich an wie eine ausgedehnte Umarmung. Dazu eine Folge «O. C. California», und jeder pubertäre Stress war vergessen. Dass Aromat von Gourmets nur mit gerümpfter Nase quittiert wurde? Unvorstellbar.

Nicht dass ich beim Essen damals nicht schon experimentiert und mich an neuen Geschmäcken erfreut hätte. Unvergessen die erste Nudelsuppe in Bern (geschmacklich bestenfalls Mittelmass), erste Spare-Ribs in Amsterdam (all you can eat, weil wenn schon denn schon …), oder die Sushi aus dem australischen Foodcourt (na ja). Unvergessen also vor allem als Erlebnis, nicht wegen des Geschmacks. Die ­Neugier wurde stets stärker, die Experimentierfreude grösser. Sie drängt mich immer wieder dazu, mich auf ­kulinarische Abenteuer einzulassen. Zum Glück! Hätte ich die Bandbreite der weltweiten Kulinarik sonst kennengelernt, von Eiersandwiches bis zu Aal-Rotkraut-Agnolotti-Gerichten?

... und wie stehst DU zum Aromat?

Geschmackserlebnisse könnten heute nicht unterschiedlicher sein, trotz Globalisierung. Und doch muss ich oft ans geliebte Aromat denken: die fünfte Geschmacksrichtung Umami schmeckt wie Aromat und ist eine Hommage ans gelbe Pulver, davon bin ich überzeugt. Dennoch habe ich die Aludose nie dabei. Ein bisschen Verzicht schadet schliesslich nicht! Und das Schöne an aller Art Exkursionen ist ja auch, am Ende wieder zu Hause zu landen. Wo mich das Aromat herzlich umarmt und für erlesene Gerichte zum Einsatz kommt: zum Frühstücks-ei mit perfekt wachsigem Gelb, zur fein geschnittenen Avocadohälfte und nach durchzechter Nacht mal auf einem Stück noch warmem, selbstgebackenem Zopf. Etwas für Gourmets!

Alle Aromat-Liebhaber sowie -Rivalen aufgepasst!

CONTRA Aromat

Hasst Aromat: Roland Linder, Produzent Migusto
Hasst Aromat: Roland Linder, Produzent Migusto

Die Bedienung stellt den Teller auf den Tisch. Beat probiert gar nicht erst. Er greift sich das Aromat-Büxli und pulvert reichlich von dem Zeug über das Gericht, das er damit zum Frass degradiert. Zum Glück habe ich Beat nicht bei einem Essen ­kennengelernt, sonst wären wir nie Freunde geworden.

Aromat, ohne das viele Schweizer keinen Schritt über die Landesgrenze tun würden, macht aus ­einem kulinarischen Meisterwerk einen ver­achtungswürdigen Mist, den man am besten unter heftigem Rühren ungegessen und unverdaut direkt ins Klo befördert.

Das Streusal lässt selbst der aromatischsten Zutat nicht den Hauch ­einer Chance, auf der Zunge oder am Gaumen in Erscheinung zu ­treten. Es verwandelt jeden Speisesaal in ­einen Speisaal. Sollte man mir in einem Lokal etwas servieren, das in der Küche mit dem pfui­teuflischen Zeug behandelt wurde, werde ich keinen Augenblick ­zaudern, mich nach dem Beruf des Kochs zu erkundigen.

Schauen wir doch mal über die Grenze, welche Wundermittelchen dort in den Küchen stehen. Wie grossartig jonglieren die Spanier mit Paprika – süss, mittelsüss, scharf, geräuchert. Die Italiener könnten ohne frische Kräuter nicht leben und haben immer mindestens drei Sorten Pfefferminze zur Hand. Fürs Umami nutzen sie ­fermentierte Sardellen. Die Viet­na­mesen können nicht ohne Fischsauce, die zwar so teuflisch stinkt, dass das Gerücht geht, sie hätten damit den Krieg gegen die Amis ­gewonnen, schmeckt aber am Essen himmlisch. Und die Inder haben Currys. Die sehen aus wie Aromat, sind aber so richtig guuuuut.

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