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Film und TV

Ein «Hexer» aus Zürich

Der 28-jährige Basil Eidenbenz spielt in der zweiten Staffel der Netflix-Hitserie «The Witcher» eine zentrale Rolle. Und inzwischen hat der junge Schweizer auch schon mit Hollywood-Star Harrison Ford gedreht.

Text Ralf Kaminski
Fotos Muir Vidler
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Basil Eidenbenz lebt in London und ist gerne in Soho unterwegs.

Sieben Jahre alt war Basil Eidenbenz, als er im Freundschaftsbuch der besten Sandkasten-Freundin als Berufswunsch «Schauspieler» angab. Heute, 21 Jahre später, ist der Zürcher auf bestem Weg, sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen. «Meine Eltern wollten damals nicht, dass ich zu viel Fernsehen schaue, waren aber recht freigiebig mit ihrer Filmsammlung auf VHS und DVD», erzählt Eidenbenz. Dadurch sah er schon früh diverse Filmklassiker, die ihn tief beeindruckten.

«Ich sagte meinem Vater, dass ich diese Leute unbedingt mal treffen möchte – was nur schon deshalb schwierig gewesen wäre, weil die meisten wie Buster Keaton oder Charlie Chaplin längst tot waren.» Der 28-Jährige lacht. «Mein Vater erklärte mir das also, sagte aber auch, dass ich dieser Welt wohl am ehesten als Schauspieler nahe käme. So entstand wohl diese Idee.»

Inzwischen hat Basil Eidenbenz schon mit Emma Stone, Rachel Weisz und Olivia Colman gedreht (für «The Favourite», 2018) und mit Harrison Ford für den nächsten «Indiana Jones»-Film, der 2023 in die Kinos kommt. «Es ist ein kurzer Auftritt, aber wir haben gemeinsame Szenen.» Mehr darf er nicht verraten. Ausser, dass die Zusammenarbeit mit der Hollywood-Legende zu den bisherigen Höhepunkten seiner Karriere gehört.

Auch im Trailer zur zweiten Staffel von «The Witcher» ist Eidenbenz kurz zu sehen.

Doch als nächstes ist er an der Seite von «Superman»-Darsteller Henry Cavill in der zweiten Staffel der Fantasyserie «The Witcher» zu sehen, die am 17. Dezember auf Netflix startet. Die erste Staffel wurde weltweit von 76 Millionen Haushalten gestreamt, und die Romane, auf denen die Serie basiert, haben eine grosse, treue Fangemeinde. Basil Eidenbenz spielt Eskel, den langjährigen besten Freund der Hauptfigur. Beide bekämpfen als Hexer mit übernatürlichen Fähigkeiten diverse Monster und menschliche Bösewichte.

Rolle auch dank Glück

Es ist sein bisher prominentester Auftritt, doch allzu viel darf Eidenbenz auch darüber nicht sagen. «Meine Figur ist für die Handlung der zweiten Staffel ziemlich zentral», lässt er sich immerhin entlocken. Bekommen hat er die Rolle nicht zuletzt dank Glück. Weil sich die Dreharbeiten wegen Corona um ein halbes Jahr verzögerten, musste der ursprünglich für die Rolle vorgesehene Darsteller aus Termingründen aussteigen.

«Es waren sicherlich nochmals 30, 40 Leute im Rennen, die Casting-Clips geschickt haben, aber bei der Endauswahl war ich dann bei den entscheidenden Leuten der Favorit», erzählt Eidenbenz, der seit 2012 in London lebt und sich ein akzentfreies British English antrainiert hat (gut zu hören in dieser Sequenz aus der Serie «The Athena»).

Da er sich für die deutsche Fassung der Serie selbst synchronisierte, hat er seine Szenen bereits alle gesehen. Der Rest folgt dann beim Serienstart. «Ich finde es immer etwas seltsam, mir selbst zuzuschauen, aber meine WG plant schon eine grosse Premierenparty, da muss ich dann wohl durch.» Dass er anschliessend häufiger in der Öffentlichkeit erkannt wird, erwartet er aber nicht. «Ich sehe in der Rolle ziemlich anders aus als im Alltag.»

Basil Eidenbenz in seiner Rolle als Eskel in «The Witcher». (Bild: Netflix)

Basil Eidenbenz in seiner Rolle als Eskel in «The Witcher». (Bild: Netflix)

Zu Beginn sei es schon ein bisschen aufregend, plötzlich mit bekannten Stars auf einem Set zu stehen. «Aber Dreharbeiten sind langwierig, und schon bald fühlt es sich eben auch nicht gross anders an, als jeden Tag morgens ins Büro zu gehen.» Halt einfach eines, in dem er mittelalterlich kostümiert auch mal einen sorgsam choreographierten Schwertkampf absolviert – teils mit echten Schwertern. «Wir haben dafür mehrere Wochen trainiert. In einem realen Kampf hätte ich keine Chance, aber ich kann es nun gut genug, dass es echt aussieht.»  

Von Zürich nach London

Begonnen hat seine Schauspielkarriere mit einem Casting für den Schweizer Film «Mein Name ist Eugen» (2005). «Das hat dann zwar nicht geklappt, aber ich blieb mit dem Casting-Büro in Kontakt.» So bekam er als Teenager eine erste Rolle in Marco Rimas Komödie «Liebling, lass uns scheiden» (2010); kurz darauf spielte er in der SRF-Serie «Best Friends» eine Hauptrolle (2010-12).

Eidenbenz startete ein Schauspielstudium an der European Film Actor School in Zürich, wechselte jedoch 2012 ans Giles Forman Centre for Acting in London. «Damals realisierte ich, dass die meisten Schweizer Schauspieler sich früher oder später nach Deutschland ausrichten, weil es dort einfach viel mehr Möglichkeiten gibt.» Dies jedoch habe ihn nicht gereizt. «Mir schien damals, dass in der englischsprachigen Welt interessantere Projekte entstehen.» Zudem konnte er dank einiger Zeit in einem internationalen Internat bereits recht gut Englisch. 

Basil Eidenbenz über sich und sein Leben als Schauspieler. (Video: Flowcast)

«Aber in London wartet niemand auf dich, die Konkurrenz ist riesig.» Doch er sehe das eher als Ansporn. «Man muss sich anstrengen, immer dran bleiben und lernen, sich gegenüber anderen durchzusetzen.» Etwa in dem man mehr macht, als von einem erwartet wird. «Wenn zum Beispiel beim Casting eine Fremdsprache zum Dialog gehört, dann sehe ich zu, dass ich diesen Teil bereits in der Fremdsprache präsentiere, auch wenn das gar nicht verlangt wird.»

Zudem seien Regisseur und Produzentinnen beim Casting mindestens so nervös wie die Schauspieler. «Die haben mit Ach und Krach die Finanzierung ihres Films zustande gebracht und sind nun darauf angewiesen, Leute zu finden, die den Rollen am besten entsprechen und mit denen sie gut zusammenarbeiten können. Wenn ich denen zeigen kann, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe, dass sie in mir einen Partner haben für ihr Projekt, dann steigen meine Chancen.» Dennoch: «Man kann noch so gut sein und eine noch so gut vernetzte Agentur haben – es braucht immer auch ein bisschen Glück.»

Schweizerisches für die WG

Und bisher läuft es für den jungen Zürcher in London recht gut. «Ich musste noch nie kellnern oder so was.» Aber vor Corona hat er mal ein paar Monate lang als Koch seine Miete finanziert. Der Job machte ihm grossen Spass, aber mit dem Lockdown schloss auch das Restaurant. «Das Geld konnte ich damals schon gebrauchen. Aber so richtig eng ist es bisher nie geworden.» Mit der notorischen Unsicherheit in seinem Job komme er soweit ganz gut klar, versichert er.

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Eine Portion Fish and Chips in einem seiner Lieblingslokale in Soho.

Das Kochen hat er sich in London selbst beigebracht, weil er das lokale Essen nicht sehr mochte und einiges aus der Schweiz vermisste, etwa gefüllte Pastetli. «Die mache ich nun hier auch ab und zu für die WG.» Zudem bringt er nach Heimatbesuchen stets kofferweise Lebensmittel mit. Und da er weiterhin regelmässig in der Schweiz ist, hat er auch kein Heimweh. Letzten Winter war er in Flims auf der Skipiste, diesen Sommer gleich zwei Monate in Zürich. Und zu Weihnachten wird er wohl wieder dort sein. 

Unterstützung für den Schweizer Film

Ein grosser Teil des Schweizer Filmerbes ist nicht dauerhaft öffentlich zugänglich oder sogar vom Zerfall bedroht. Deshalb haben die Solothurner Filmtage und der Migros-Pionierfonds die Initiative ergriffen, die wichtigsten Filme online abrufbar zu machen. Das Streaming-Angebot filmo macht Schlüsselwerke des Schweizer Films rund um die Uhr verfügbar und einem breiteren Publikum bekannt.

Wird «The Witcher» ihm nun weitere Türen öffnen? «Vielleicht», sagt Eidenbenz. «Aber es wäre gefährlich, da allzu hohe Erwartungen zu haben.» Bedenke man etwa, wie viele Leute bei einem Mega-Hit wie «Game of Thrones» mitspielten – und wie wenige davon später in weiteren prominenten Rollen zu sehen seien. 

Während ihn das Publikum nun also demnächst als Hexer erleben kann, ist er bereits mit den Vorbereitungen für den nächsten Dreh beschäftigt. Im neuen Film einer bekannten deutschen Regisseurin, der nächstes Jahr in Berlin, Zürich und Rom gedreht wird, verkörpert er einen Komponisten. «Ich spiele zum Glück ein wenig Klavier und übe nun regelmässig.» Ausserdem will er bis zum Drehstart auch noch einigermassen Italienisch können. Genug zu tun also, worüber er froh ist. «Ja, es läuft im Moment ganz gut», sagt er und lächelt.

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