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Tanzschule

Wo Musicalstars geboren werden

Ballet, Steppen, Singen und Schauspielern – für ihren Traumberuf Musicaldarstellerin muss Alina Mettler (16) alles beherrschen.  Sie besucht sein Sommer die erste Lehre EFZ für zukünftige Musicalstars in Luzern.  

Text Rahel Schmucki
Fotos Herbert Zimmermann
Musical Factory CF770754

Alina Mettler (Mitte) spielt eine der Hauptrollen bei der nächsten Aufführung.

Die Tänzerinnen und Tänzer wirbeln synchron über den Tanzboden in der Musical Factory in Luzern. «Hey, bitte alle stehen bleiben, sonst hört ihr nichts», ruft der Tanzlehrer laut. Tadaaa, dadadamm, dadadamm. Seine Steppschuhe schlagen laut auf den Boden, als er den Schülerinnen und Schülern eine neue Schrittabfolge zeigt. In der vordersten Reihe steht Alina Mettler (16) in ihren schwarzen Trainerhosen mit weissen Streifen, einem schwarzen Sporttop und Steppschuhen mit Absatz an den Füssen. Sie ist eine von 16 jungen Erwachsenen, die im Sommer an der Musical Factory in Luzern die neue vierjährige Lehre (EFZ) zur Musicaldarstellerin begonnen haben.

Der Stundenplan ist vollgepackt: Eine Stunde Stepptanz für die Fortgeschrittenen, 90 Minuten Ballett, 90 Minuten Jazztanz, kurze Mittagspause und dann 90 Minuten Repertoire, 75 Minuten Contemporary Dance und zum Schluss noch eine Stunde Gesang. Und das ist nur der Stundenplan vom Dienstag. Die Schülerinnen und Schüler sind von 8 bis 18 Uhr an der Schule. Alina ist damit ihrem Berufsziel ein Stück nähergekommen. «Ich habe eine Tante, die Musicaldarstellerin ist. Seit ich denken kann, wollte ich so werden wie sie», sagt die junge Frau aus Benken SG.

Bewegliche Tänzerinnen

Nach einer kurzen Pause steht Alina wieder im Studio 1. Jetzt in hautfarbenen Leggins und einem schwarzen Body mit einem Röckchen darüber. Für die Ballettstunde stellen sich die Tänzerinnen an der Wand an einer Stange auf. Auf Anleitung ihres Lehrers beugen sie ihre Rücken durch, schwingen ihre Beine in unglaubliche Höhen und beugen sich zu Boden, alles zu verspielter Klaviermusik. Die Bewegungen sehen leicht aus, nur wenn man genau hinschaut, sieht man, dass Alinas Beine vor Anstrengung zittern und ihr Atem immer schneller geht. Nach dem Einwärmen springen die Tänzerinnen quer durch den Raum und üben ihre Pirouetten. Eineinhalbstunden Hochleistungssport.

Für Alina sind die meisten Tanzrichtungen neu. Nur als Kind hatte sie einmal Ballettunterricht. Als sie sich für diese Lehre entschieden hat, hat sie ein paar Tanzstunden genommen und den Vorkurs an der Musical Factory besucht. Bis zur Aufnahmeprüfung vor einem Jahr waren das knapp drei Monate Unterricht. «Ich war selbst erstaunt, dass ich mit so wenig Tanzerfahrung den Eignungstest bestanden habe», sagt sie. Genützt hätten ihr aber bestimmt das jahrelange Geräteturnen und ihr Hobby Akrobatik. Auch der Schulleiter Guido Zimmermann kann fast nicht glauben, dass Alina bisher so wenig getanzt hat. «Alina hat einfach auch sehr viel Talent.»

Kalorien ersetzen

Nach den letzten Pirouetten müssen sich die Schülerinnen wieder umziehen. In der Garderobe trinken sie Wasser, essen Cookies und Bananen. «Wir verbrennen so viele Kalorien an einem Tag, da müssen wir in den kurzen Pausen ziemlich schnell nachladen», sagt Alina, schlüpft in ihre Trainerhosen und hastet zurück ins Studio 1. Der Jazzlehrer steht schon bereit für die nächste Stunde. Aufwärmen. Dehnen. Neue Schritte lernen und egal wie anstrengend die Choreografie ist: «Smile! We are on stage», ruft der Tanzlehrer enthusiastisch mit italienischem Akzent. «Lachen! Wir sind auf der Bühne.»

(Video: Romeo Oliveras)

Die Ausbildung haben Guido und Barbara Zimmermann ins Leben gerufen. Sie führen seit 18 Jahren ihre Musical Factory und unterrichten Ballett, Stepptanzen und Gesang. Für Musicaldarstellerinnen gab es in der Schweiz bisher keine Ausbildungen, nur an Hochschulen im Ausland, die erst ab 17 Jahren zugänglich sind. «Wir wollten etwas anbieten, das man direkt nach einem Grundschulabschluss starten kann», sagt Guido Zimmermann. Auf dem Schweizer Markt seien ausgebildete Musicaldarsteller und -darstellerinnen gefragt. Neben den einzelnen Solo-Rollen braucht es auf der Bühne auch viele Darstellerinnen im Hintergrund. «Wir bilden unsere Lernenden sowohl für eine Solo-Karriere, als auch für ein Engagement in einem Ensemble aus.» Die Ausbildung ist für die Schülerinnen und Schüler kostenlos, die Wohnkantone bezahlen dafür.

Interessiert?

Am 6. Februar findet der nächste Eignungstest für die Lehre EFZ mit Start im August 2022 an der Musical Factory statt.

Weitere Informationen unter: www.musicalfactory.ch

Wohnen im Studentenheim

Nach viereinhalb Stunden Tanztraining ist Mittagspause. Die Klasse trifft sich im Aufenthaltsraum zum Essen. Obwohl die Schülerinnen und Schüler sich erst seit August kennen, sind sie bereits eine eingeschworene Gemeinschaft. «Bei so anstrengenden Tagen muss man sich gegenseitig unterstützen und motivieren», sagt Alina. Die meisten ihrer Klassenkameradinnen pendeln täglich nach Luzern. Das ist für sie wegen der zu grossen Distanz zu ihrem Heimatort im Linthgebiet nicht möglich. Deshalb wohnt sie seit ein paar Monaten in einem Studentenheim in Luzern. Nachhause geht sie nur am Wochenende. «Aber viel Zeit für meine alten Freunde bleibt mir leider auch da nicht», sagt Alina. Sie muss Texte und Tanzschritte üben und für die Schule lernen. Denn neben der Lehre macht sie auch noch die Berufsmittelschule (BMS).

Am Nachmittag liegen bereits schwarze Röcke und farbige Fächer vor dem Tanzstudio bereit. In der Lektion «Repertoire» probt Schulleiter Zimmermann mit den Lernenden einen Auftritt für die Luzerner Messe. Alina übernimmt im Lied «America» aus dem Musical «West Side Story» eine der beiden Hauptrollen (siehe Video). Hier muss sie nun Tanz, Gesang und Schauspiel vereinen. Sie ist in ihrem Element, wirft den schwarzen Rock hin und her und wirbelt durch die Luft.

(Video: Romeo Oliveras)

Nach einer Stunde in Contemporary Dance steht bereits die letzte Lektion an. Guido Zimmermann unterrichtet Gesang und übt ein mehrstimmiges Lied von West Side Story ein. Und damit es nicht einfach eine Chorprobe ist, stellt sich eine Schülerin nach der anderen vor die Klasse. «Hi, my name is Nina Walker», stellt sich eine Schülerin vor. Jeder aus der Klasse darf einmal eine Castingsituation üben, sich vorstellen und ein Lied singen. «Wir wollen unsere Lernenden schliesslich auf die Welt da draussen vorbereiten», sagt Zimmermann. Er lässt das Playback laufen und Musik und Gesang erfüllen den Raum.

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