Navigation

Migros - Ein M besser

Nachhaltig sein:

Wir reden nicht nur drüber, wir machen es. Mehr erfahren!

50 Jahre Frauenstimmrecht

Was junge Frauen heute politisch interessiert

Seit 50 Jahren dürfen Frauen in der Schweiz abstimmen und wählen. Warum kam dieses Recht so spät? Das beantwortet uns eine Historikerin. Zudem erzählen vier junge Frauen, welche politischen Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

Text Lisa Stutz, Rahel Schmucki
Fotos Mali Lazell
Online_Kombi_frauen50.jpg

Tabea Sandmayr (17), Zamira Timmermans (17), Ladina Gähler (17) und Emily Pfeil (17) freuen sich darauf mit 18 Jahren wählen zu dürfen.

Tabea Sandmayr aus Zürich

Tabea-Sandmayr.jpg

«Bei uns zu Hause lief um 19.30 Uhr immer die ‹Tagesschau›. So habe ich schon früh politische Themen mitbekommen. Ich will auf jeden Fall abstimmen gehen, sobald ich kann. Ich finde es schade, dass sich viele  junge Leute nicht dafür interessieren. Die Diskussionen um die Ehe für alle habe ich intensiv verfolgt, da in meinem Freundeskreis einige davon betroffen sind. Auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Black-Lives-Matter-Bewegung interessieren mich. Nur die trockenen Themen liegen mir noch nicht so.»

Alter: 17, wird im Juli 18
Job: Lehre als Kauffrau bei der Migros

 

Der lange Kampf fürs Frauenstimmrecht

Zamira Timmermans aus Pfungen ZH

Zamira-Timmermans.jpg

«Meine Eltern haben beide einen ausländischen Pass, ich lasse mich gerade einbürgern und werde hoffentlich im Sommer Schweizer Staatsbürgerin sein. Dann kann ich wählen und abstimmen.Mein Stimmrecht werde ich sicher wahrnehmen und mich für Themen wie die Gleichstellung zwischen Mann und Frau und für mehr Mitspracherecht für Ausländerinnen und Ausländer einsetzen. Politisch bin ich nicht aktiv, lese aber viele Beiträge und setze mich auf Social Media für diese Themen ein.»

Alter: 17, wird im Oktober 18
Job: Lehre als Mediamatikerin bei der Migros

Haben Sie das gewusst?

65,7% der Männer sagten 1971 Ja zum Frauenstimmrecht.

Ladina Gähler aus Wald AR

Ladina-G-hler.jpg

«Ich wohne im Kanton Appenzell Ausserrhoden, hier wurde das Frauenstimmrecht sogar erst 1989 eingeführt. Das ist noch nicht lange her – aber ehrlich gesagt sind auch 50 Jahre keine lange Zeit. Das finde ich schon ein bisschen frech. Ich freue mich auf das Abstimmen und Wählen. Mit Freunden, die bereits volljährig sind, rede ich oft darüber, wie sie abstimmen. Mir liegen die Themen Klima und Umwelt besonders am Herzen. Auch Bildungsthemen interessieren mich: Nach der Kanti werde ich ein Praktikum an einer Schule machen.»

Alter: 17, wird im März 18
Job: Gymnasiastin im letzten Jahr

Frauenanteil im Nationalrat 2021

42% der Nationalratsmitglieder sind heute weiblich. Im Ständerat sind es nur 26,1 Prozent.

Emily Pfeil aus Rüschlikon ZH

Emely-Pfeil.jpg

«Ich bin in der Juso und freue mich schon darauf, endlich auch abstimmen und wählen zu dürfen. Hoffentlich habe ich die Chance, noch für unsere 99%-Initiative abzustimmen. Ich finde es immer schade, wenn Leute sagen, ihre Stimme bewirke sowieso nichts. Vor allem möchte ich mich für die Gleichstellung der Menschen, Frauenrechte und für Flüchtlinge einsetzen, und ich könnte mir gut vorstellen, später selber in die Politik zu gehen. Vielleicht irgendwann als Nationalrätin für die SP?»

Alter: 17, wird im August 18
Job: Lehre zur Fitnesstrainerin

Buchtipps

  • «Gruss aus der Küche – Texte zum Frausein»Herausgegeben von Heidi Kronenberg und Rita Jost, bei exlibris.ch
  • «50 Jahre Frauenstimmrecht – 25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung»Herausgegeben von Isabel Rohner und Irène Schäppi, bei exlibris.ch
  • «50 Jahre Frauenstimmrecht – für Kinder, Jugendliche … Junggebliebene»
    Suzanne Gaede, bei exlibris.ch
  • «Auf die Wartebank geschoben – der Kampf um die politische Gleichstellung der Frauen in der Schweiz seit 1900»
    Werner Seitz, bei exlibris.ch

«Die Frauen haben den Gripen versenkt»

Interview mit Historikerin Catherine Bosshart (73)

portrait-historikerin-catherine-bosshart.jpg

Catherine Bosshart, was haben Sie am 7. Februar 1971 gemacht?
Ich war damals in einem Auslandsemester in Deutschland und habe für meine Prüfungen gelernt und natürlich mitgefiebert. Dann hat meine Mutter angerufen, und ich habe gejubelt.

1971 waren sie bereits 23. Wie haben Sie sich in den Jahren gefühlt, in denen Sie nicht abstimmen durften?
Das war frustrierend. Ich bin in einem Haushalt gross geworden, in dem meine Mutter viel Verantwortung übernommen hat und sehr selbständig war. Deshalb war es für uns nicht nachvollziehbar, wieso Frauen sich nicht politisch beteiligen sollten.

Wieso kam das Frauenstimmrecht in der Schweiz so spät? Es wurde ja schon 1886 gefordert.
Weil in der Schweiz die Stimmbürger, also die Mehrheit der Männer, dafür stimmen musste. In unseren Nachbarländern konnte das Parlament ein Stimm- und Wahlrecht für die Frauen durchdrücken.

Wovor hatten die Männer Angst?
Es war ganz klar eine Machtfrage. Aber die Diskussionen um das Frauenstimmrecht fanden auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges statt. Viele Männer befürchteten, Frauen könnten sozialistischer eingestellt sein und so die Politik der Schweiz in diese Richtung lenken.

Wie gross war der Druck aus dem Ausland?
Als die Schweiz in den 60er-Jahren der Europäischen Menschenrechtskonvention beitreten wollte, wurde diese politische Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ein Problem. Denn ein Teil dieser Menschenrechtskonvention ist das Frauenstimmrecht. Insofern kann man schon sagen, dass der Druck aus dem Ausland eine wichtige Rolle gespielt hat und die Frauen in der Schweiz zumindest in ihrem Kampf ermutigt hat.

Es gab auch Frauen, die dagegen waren. Warum?
Viele argumentierten mit der traditionellen Rollenverteilung: Die Frau gehört in die Küche und ins Haus. Einige von ihnen sagten aber auch, dass ein Stimm- und Wahlrecht allein sie nicht vor Gewalt zu Hause oder vor Unterdrückung am Arbeitsplatz schützen könne.

Ein nachvollziehbares Argument?
Nein. Mit einem Stimmrecht können Frauen ja auch bei den Gesetzen zu ihrem Schutz mitbestimmen.

Was haben sich die Frauen durch dieses Stimmrecht erhofft?
Sie wollten im Ehe- und im Erbrecht mitbestimmen. In den 60er-Jahren waren Frauen schon unabhängiger als in den Jahrzehnten zuvor. Die Gesetze hatten sich dieser Entwicklung aber noch nicht angepasst. Ehefrauen durften etwa nur mit Erlaubnis ihres Mannes arbeiten oder ein eigenes Bankkonto eröffnen.

Sind diese Hoffnungen eingetroffen?
Zum Teil. Die Frauenrechte haben sich mit dem Frauenstimmrecht verbessert. Aber es gibt immer noch viel zu tun. Es geht alles viel zu langsam vorwärts.

Zum Beispiel?
Es gibt immer noch viel weniger Frauen, die in hohen Positionen in der Wirtschaft oder in Verwaltungsräten sitzen. Und von einer Lohngleichheit sind wir leider immer noch weit entfernt.

Stimmen Frauen anders ab als Männer?
In gewissen Bereichen. Wenn es zum Beispiel um Familienpolitik oder um Einwanderung geht, stehen Frauen viel mehr links und arbeiten auch über die Parteien hinaus zusammen. Auch für den Umweltschutz setzen sie sich mehr ein als die Männer.

Gibt es Abstimmungen, die ohne Frauen anders ausgegangen wären?
Ja, eine ganze Reihe. In der jüngsten Zeit war das zum Beispiel das Referendum zum Kauf des neuen Kampfjets Gripen im Jahr 2014. Da setzten sich die Frauen mit ihren Stimmen klar durch und haben damit den Gripen versenkt.

So engagiert sich die Migros für die Frauen

Schon Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler setzte sich für Frauen ein und forderte als Politiker das Frauenstimmrecht. Auch heute noch unterstützt das Migros-Kulturprozent die Frauen, unter anderem mit Beiträgen an diesen Projekten:

Ab ins Bundeshaus ist ein Leiterlispiel. Mit einem Augenzwinkern macht das Spiel auf das Jubiläum des Frauenstimmrechts aufmerksam. Es gibt weibliche Spielfiguren, Ereigniskarten, Rutschen und Leiterli. Alle Spielzüge basieren auf historischen Tatsachen.
Erhältlich bei galaxus.ch

Die Plattform SheKnows von Alliance F bietet einen Schweizer-Expertinnen-Pool. Das Ziel ist, dass Frauen in der Medienberichterstattung und auf Veranstaltungen repräsentiert sind und ihnen die gleiche Sprechzeit eingeräumt wird wie Männern.
www.sheknows.ch

Helvetiarockt ist eine Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform für Musikerinnen. Der Verein macht sich für eine Erhöhung des Frauenanteils in der Schweizer Musikbranche stark.
www.helvetiarockt.ch

Grossmütter Revolution ist ein Netzwerk für alle Frauen der älteren Generation, egal, ob sie biologische Grossmütter sind oder nicht. Sie verstehen sich als soziale Bewegung, die Themen und Anliegen zum Alter, Frausein und Generationen aufnimmt.
www.grossmuetter.ch

 

Schon gelesen?