Navigation

Migros - Ein M besser

Jetzt online bestellen:

Ihr Einkauf schon ab Fr. 2.90 nach Hause geliefert!

Jetzt online bestellen
Seilbahn-Mechatronikerin Léa Feuz

Ein eiskalter Knochenjob

Seilbahn-Mechatronik ist nicht gerade der typische Frauenberuf. Doch Léa Feuz lernt ihn mit Begeisterung. Die Bergwelt, die Arbeit mit den Händen, das schwere Gerät – das alles ist genau ihr Ding.

Text Patricia Brambilla
Fotos Dominic Steinmann
2020-12-03_VEYSONNAZ_Lea-Feuz__55B0989-copy_-c--Dominic-Steinma.jpg

Frischer Schnee, blauer Himmel, minus drei Grad, überzuckerte Bäume: Es ist ein märchenhaft schöner, kalter Dezembermorgen in Veysonnaz VS. Léa Feuz, im Arbeitsoverall und mit schwarzem Stirnband, strahlt übers ganze Gesicht. Sie freut sich darauf, mit Metallscheiben, Seilen und Schraubenschlüsseln zu hantieren. Die 18-Jährige ist Lernende Seilbahn-Mechatronikerin – eine der wenigen Frauen in der Schweiz. Gerade hat sie die vierjährige Ausbildung begonnen. Darauf gekommen ist sie per Zufall, als sie ein Stelleninserat gesehen hat.

17 Meter hoher Eisengigant

Léa Feuz kommt aus Neuenburg, aber sie kennt das Skigebiet Veysonnaz wie ihre Westentasche. «Ich komme seit Jahren zum Skifahren hierher», erzählt sie, «aber bislang sah ich nur die vergnügliche Seite des Sports.» In ihrer Ausbildung erfährt sie nun, was für das Vergnügen im Hintergrund alles getan werden muss.

Die Bergfahrt in der Seilbahn nutzt die Lernende, um Fotos und Videos von den Gipfeln zu machen, die sie so faszinieren. «Draussen zu sein ist das Beste», sagt sie. «Ich mag die Arbeit mit den Händen und dass man immer in Bewegung ist.» Vor der Mechanik schreckt sie nicht zurück, sie krempelt gern die Ärmel hoch und freut sich, wenn sie Pistenfahrzeuge lenken darf.

Nach einer schnellen Kontrolle an der Umlenkstation, wo die Seile ankommen, zieht die junge Frau ihr Klettergeschirr an: Karabiner, Sicherheitsseil, Haltegurt mit Falldämpfer. Es ist Zeit, auf den Mast zu klettern, 17 Meter hoch ist der Eisengigant. Jeden Monat müssen die Masten überprüft werden. Feuz fühlt sich wohl dort oben: «Ich bin schwindelfrei und mag das sogar.»

 

 

Jetzt im Winter befindet sich das Unterhaltsteam im Bereitschaftsdienst für allfällige Störungen, führt aber auch regelmässige Kontrollen durch. Die Arbeit ist überwiegend körperlicher Natur und erfordert eine solide Grundkonstitution. Ab und an gilt es, bis zu 40 Kilo schwere Teile zu heben. Doch weil dies im Team oder mit der Unterstützung von technischen Hilfsmitteln geschieht, können auch Frauen den Beruf ausüben.

Die Taschen voller Werkzeug

Zum Aufgabengebiet des Unterhaltsteams gehören auch die Pisten. Lernende werden deshalb an den Maschinen, im Beschneien, Schweissen und in Schlosserarbeiten ausgebildet. Die Pistenfahrzeuge kommen im Sommer in den Service und müssen in der Wintersaison manchmal repariert werden.

In ihren Taschen schleppt Léa Feuz praktisch den Inhalt eines Werkzeugkastens mit sich herum: Marker, Doppelmeter, Schraubenzieher, Schrauben- und Knarrenschlüssel, Klebeband, Steckbrücke. Am Berg muss man sich manchmal mit einem Stück Metall und Klebeband behelfen, um eine Panne provisorisch zu beheben. Ihre mentale Stärke und positive Einstellung helfen der jungen Frau, mit strengen Arbeitstagen voller Unabwägbarkeiten klarzukommen. «Einmal mussten wir einen ganzen Tag lang in tiefem Schnee und eisiger Kälte Leute mit dem Quad bergen.» Das sei hart gewesen – und doch gefällt ihr alles an ihrem Job.

Allein unter Männern

Auch als einzige Frau unter 14 Männern fühlt sie sich wohl. «Ich verstehe mich gut mit ihnen», sagt sie. «Ich habe meinen eigenen Kopf und kann mich durchsetzen.» Als kleines Mädchen wollte sie mal Fotografin oder Fitnesscoach werden. «Aber schon da habe ich am liebsten mit den Spielzeugautos meines Bruders gespielt», erinnert sie sich.

Am Nachmittag steht das Präparieren der Pisten auf dem Programm. Werkzeuge müssen weggeräumt und Corona-bedingte Hygienehinweise angebracht werden. Nach dem Feierabend dürfen sich die Mechaniker offiziell eine Skiabfahrt gönnen: Die Pisten, die sie vorbereitet haben, müssen sie natürlich auch testen.

Schon gelesen?