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Neues Magazin für Mädchen

Ein Kosmos garantiert ohne Schminktipps

Ein Heft für Mädchen, das ohne Kitsch, Klischees und Werbung auskommt? Genau das will Laura Simon. Sie hat mit drei anderen Frauen ein neues Mädchenmagazin gegründet.

Text Michael West
Fotos Kostas Maros
Wohnzimmer statt Redaktion: Laura Simon und ihre drei Kolleginnen haben die neue Zeitschrift im Homeoffice entwickelt.

Wohnzimmer statt Redaktion: Laura Simon hat mit ihren drei Kolleginnen die neue Zeitschrift im Homeoffice entwickelt.

Ponys, Prinzen, Popstars – und ganz viele Tipps, wie Mädchen schöner und beliebter werden können. Das sind die typischen Themen in Heften wie «Bravo Girl». Solche Magazine sind oft in Rosa getaucht und mit Glitzer garniert. Das Papier ist dünn und sieht schon nach dem zweiten Durchblättern leicht zerfleddert aus.

Das neue Mädchenmagazin «Kosmos» macht einen ganz anderen Eindruck: Es ist über 70 Seiten dick und besteht aus robustem Recyclingpapier. Die Ecken sind abgerundet, damit sich nicht so schnell Eselsohren bilden. Das runde Logo ist zwar auch pink. «Doch es ist kein blasses Puderdosenrosa, sondern der Farbton Magenta», erklärt Laura Simon. «Dieses dunkle Pink wirkt kräftig und vital.»

Mädchen eine Stimme geben

Vor allem aber unterscheiden sich die Artikel von den Texten in der klassischen Teeniepresse. «Wir wollen den Mädchen zum Beispiel nicht sagen, welchen Idealen ihr Körper genügen muss, sondern wie er funktioniert», betont Simon. In der ersten Ausgabe von «Kosmos» geht es zum Beispiel um die menschliche Stimme, aber auch um den langen Weg zum Frauenstimmrecht. Und es gibt eine Bastelanleitung für ein Megafon, mit dem die jungen Leserinnen ihre Stimme lauter machen können.

Andererseits soll das neue Magazin auch kein krampfhaftes Gegenprogramm zu herkömmlichen Teenieheften bieten. «Wir wollen niemandem die Freude an Pferden und Stars vermiesen», sagt Simon. «Aber wir möchten zeigen, dass Mädchen ganz verschiedene Interessen haben und dass sie im Leben viele verschiedene Wege einschlagen können.» In der zweiten Ausgabe vom März wird zum Beispiel eine Gamedesignerin vorgestellt. Ab dann wird das Magazin übrigens neu «Kaleio» heissen (siehe Box unten).

Simon hat als Lektorin schon eine Vielzahl von Buchprojekten betreut. Im vergangenen Frühling packte die 32-Jährige mit drei anderen Frauen das ehrgeizige Projekt an, ein Mädchenmagazin zu gründen, wie es im deutschen Sprachraum noch nicht existierte. Zum Quartett gehören die Radiojournalistin Martina Polek (32), die Buchhändlerin Cyrielle Cordt-Moller (28) und die Verlagsfrau Marta Kosińska (42), die einzige Mutter im Team. Sie hat zwei Töchter im Teeniealter, für die sie sich dringend ein gutes Magazin wünschte.

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Aus «Kosmos» wird «Kaleio»

Die zweite Ausgabe des neuen Mädchenmagazins – sie erscheint Anfang März – wird nicht mehr «Kosmos» heissen, sondern «Kaleio». Der Grund: Um die Verwendung des Namens «Kosmos» ist ein Streit entbrannt, weil er eine eingetragene Marke des Kosmos-Verlags in Stuttgart ist. «Kaleio» erscheint jeden zweiten Monat und kostet pro Ausgabe 19 Franken. Das Jahresabo gibt es für 99 Franken. Die Zeitschrift richtet sich an 8- bis 13 jährige Mädchen.

Infos: kosmosmag.ch;
ab März: kaleiomag.ch

Für Simon spielten Erinnerungen an die eigenen Teenagerjahre eine wichtige Rolle: «Ich habe damals die gängigen Mädchenmagazine verschlungen. Erst als Erwachsene merkte ich, dass mich all die Geschlechterklischees in ein Korsett gezwängt hatten.»

Im ersten Lockdown arbeiteten die vier Frauen intensiv am Konzept von «Kosmos». Oft unterhielten sie sich nur via Skype, manchmal trafen sie sich zu einem Picknick unter blühenden Apfelbäumen oder in Simons Wohnung, die ganz in der Nähe des Basler Hauptbahnhofs liegt. Ihre Räume sind angenehm luftig und unverstellt, sie lassen buchstäblich Platz für Ideen und Kreativität.

Starke Starthilfe

Finanziert wurde das Projekt über ein sehr erfolgreiches Crowdfunding. Aber auch das Migros-Kulturprozent und diverse Stiftungen unterstützten die Entstehung von «Kosmos». Die vier Magazinmacherinnen waren berührt von den vielen positiven Reaktionen. Sie kamen oft nicht nur von Mädchen, sondern auch von deren Eltern. «Viele Mütter und Väter sehen mit Graus, dass sich die Teeniepresse seit ihrer eigenen Jugend nicht grundsätzlich verändert hat», erzählt Simon. «Es geht heute zwar um andere Stars, doch das Strickmuster ist noch immer gleich. Dabei hat sich die Gesellschaft seither doch stark verändert.»

Die vier Frauen arbeiten nun daran, die «Kosmos»-Auflage bis Ende Jahr von gegenwärtig rund 5000 auf 10 000 zu steigern. Ausserdem soll die Zahl der Abonnements wachsen. Sie sind für das junge Magazin wichtig, weil die Macherinnen keine Inserate im Heft wollen und so auf eine wichtige Einnahmequelle verzichten. Langfristig könnte sich Simon vorstellen, dass es ein so unkonventionelles Magazin auch für Buben gibt. «Denn sie werden ebenfalls von Geschlechterklischees eingeengt.» Dass sie schon jetzt als Leser willkommen sind, macht der Untertitel von «Kosmos» klar: «Das Magazin für Mädchen (und den Rest der Welt).»

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