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Abstimmung Tabakwerbung

Die Schweiz und das Rauchen

Am 13. Februar entscheiden wir, ob Kinder und Jugendliche besser vor Tabakwerbung geschützt werden sollen. Wir präsentieren Zahlen und Fakten zum Tabak in der Schweiz.

Text Ralf Kaminski
In der Schweiz raucht ein höherer Anteil von Jugendlichen als in allen EU-Ländern. (Bild: Keystone)

In der Schweiz raucht ein höherer Anteil von Jugendlichen als in allen EU-Ländern. (Bild: Keystone)

27% der Bevölkerung über 15 Jahre raucht (Stand 2017, aktuellere Zahlen gibt es nicht). 2001 rauchten noch 33%, seit 2011 ist der Raucheranteil unverändert. Im globalen Vergleich liegt die Schweiz im Mittelfeld: In Mikronesien rauchen 62%, in Eritrea 2%. In der EU liegt der Raucheranteil im Schnitt bei 25%.

Von den 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz rauchen 32%. In den EU-Ländern sind es weniger: In Ungarn sind es 26%, in Deutschland 18%, in Schweden 5%. Bei den Jungen besonders beliebt sind E-Zigaretten – laut Fachleuten fördern diese den Einstieg in den Nikotinkonsum.

Aufgrund gesetzlichen Rauchverboten hat sich die Zahl der Menschen, die in der Schweiz unfreiwillig Tabakrauch ausgesetzt sind, von 35% im Jahr 2002 auf 6% im Jahr 2017 verringert.

9500 Menschen sterben in der Schweiz pro Jahr am Tabakkonsum, das sind rund 15% aller Todesfälle. Die häufigsten Ursachen sind dabei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (39%), Lungenkrebs (28%), Erkrankungen der Atemwege (15%) und anderen Krebsarten (14%).

Satiriker Deville über das Tabakland Schweiz. (Video: SRF)

Mit 5 Milliarden Franken pro Jahr belastet der Tabakkonsum die schweizerische Volkswirtschaft, allein 3 Milliarden macht die medizinische Behandlung aus, was 4% der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht.

57% der Raucherinnen und Raucher starten vor dem 18. Lebensjahr. Studien zeigen: Je häufiger Kinder und Jugendliche Tabakwerbung ausgesetzt sind, desto häufiger experimentieren sie mit Tabakprodukten.  

Tabakwerbung darf sich seit 1995 nicht mehr gezielt an Jugendliche richten und ist in Radio und TV komplett verboten. Die Regelungen sind im internationalen Vergleich jedoch zahm. So werden Schweizer Jugendliche laut einer Studie des Observatoire Marketing Tabac während eines Wochenendtags mit Abendausgang 68 Mal mit tabakfreundlichen Reizen konfrontiert, etwa an Kiosken, auf Bildschirmen, Plakaten, durch Wettbewerbe, Sponsoring oder Aufkleber. Hinzu kommt Werbung im Internet und den sozialen Medien.

2018 wurde in der Schweiz 5.8 Millionen Franken für Tabakwerbung aufgewendet, was 0.1% der gesamten Werbeausgaben entsprach. Wegen zahlreicher Werbeverbote haben sich die Ausgaben für Tabakwerbung stark reduziert, 2005 waren es noch 69.5 Millionen Franken.

Ein grosser Teil der Tabakwerbung in der Schweiz findet sich auf Plakatwänden. (Bild: Keystone)

Ein grosser Teil der Tabakwerbung in der Schweiz findet sich auf Plakatwänden. (Bild: Keystone)

47% der Tabakwerbung erschien 2018 in Printmedien, 42% auf Plakaten, 11% im Internet. Kinowerbung gab es keine mehr.

In einer Umfrage im Auftrag der Lungenliga Schweiz im Jahr 2020 sprachen sich 67% der Bevölkerung für ein umfassendes Tabakwerbeverbot aus.

Bei einer Untersuchung des Global Centre for Good Governance in Tobacco Control belegte die Schweiz 2021 den vorletzten Platz von 80 untersuchten Ländern. Dabei werden anhand von 20 Indikatoren die Bemühungen der Regierungen gemessen, gegen die Einflussnahme der Tabakindustrie vorzugehen. Unter den 16 teilnehmenden europäischen Staaten lag die Schweiz auf dem letzten Platz.

Gleich drei multinationale Tabakkonzerne haben in der Schweiz ihren Hauptsitz: Philip Morris International (PMI), British American Tobacco (BAT) sowie Japan Tobacco International (JTI). Der weltweite Nettoumsatz dieser drei Unternehmen lag 2019 bei über 80 Milliarden US-Dollar.

2016 waren 4581 Personen in der Schweizer Tabakbranche beschäftigt, dies entspricht 0.09% aller Beschäftigten.

Die Forschungsabteilung von Philip Morris International in Neuchâtel. (Bild: FABRICE COFFRINI/AFP via Getty Images)

Die Forschungsabteilung von Philip Morris International in Neuchâtel. (Bild: FABRICE COFFRINI/AFP via Getty Images)

Der Grossteil der Schweizer Produktion wird im Ausland verkauft – wird also von hiesigen Werbeverboten kaum tangiert. 2019 exportierte die Schweiz 25.6 Milliarden Zigaretten. Im Land selbst wurden 8.9 Milliarden verkauft, davon 850 Millionen aus dem Ausland importiert.

2020 hat der Bund 2.1 Milliarden Franken durch die Tabakbesteuerung eingenommen – diese flossen in die Finanzierung der AHV/IV und machen etwa 5% der Gesamteinnahmen aus.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO rauchen Jugendliche zwei- bis dreimal weniger, wenn der Preis für Tabak steigt. Eine Studie der Lungenliga und der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention zeigt, dass eine Erhöhung der Tabaksteuer um 1% den Konsum um 0.8 bis 1.24% reduziert. Erhöht sich der Preis von Zigaretten um 10%, werden pro Person und Jahr 20 bis 25 Päckchen weniger geraucht. Die Tabakbesteuerung in der Schweiz ist niedriger als von der WHO empfohlen.

Eine Schachtel Zigaretten kostet in der Schweiz im Schnitt 8 Franken. In Norwegen muss man dafür 16 Euro ausgeben, im Kosovo nur 1.65 Euro. Nirgendwo jedoch kosten sie so viel wie in Australien mit etwa 24 Euro. Der Anteil der Raucher liegt dort bei knapp 12% und hat sich seit 1991 halbiert.

Quellen: BAG, BfS, Lungenliga, Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, Destatis, tabakstore.de

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