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Migros - Ein M besser

Wenn der Käse gestapelt wird

Einmal im Jahr treffen sich Käsefachleute aus der ganzen Schweiz zur Chästeilet im Justistal. Die Delegation der Migros Basel nahm auch Redaktor Moritz Weisskopf mit.

Chästeilet

Es gleicht einem Klassentreffen, einem Wiedersehen unter alten Freunden. Einer nach dem anderen stampft in den frühen Morgenstunden ins Hotel Solbad Sigriswil. Hier ein Klapps auf die Schulter, da ein paar nette Worte. Man merkt, dass hier jeder jeden kennt. Die Käseproduzenten und –Vermarkter sehen sich zwar ab und an mal unter dem Jahr, doch dieser Anlass ist aussergewöhnlich: Die Chästeilet im Justistal, bei welcher die Milchbauern Käse im Verhältnis zur abgelieferten Milchmenge erhalten, gilt als das Fachtreffen unter Käsespezialisten.

Nach einer kurzen Stärkung und Begrüssung machen sich die rund 30 Gäste auf den Weg. „Nach Oben sind es rund 90 Minuten, der Rückweg dauert etwa dreimal so lang“, erläutert Naim Berisha, Product Manager Käse der Migros Basel. Er ist mittlerweile zum 8. Mal dabei. Die Wanderung ist geprägt von regem Austausch über neue Produkte und Technologien. Es wird gefachsimpelt und man erfährt wo zurzeit der Schuh drückt. Je näher die Gruppe dem Ziel kommt, desto grösser wird sie. Viele wählen aber die einfache Variante und lassen sich mit einem Bus oder Traktor hochfahren. „An schönen Tagen strömen mehrere Tausend Personen an die Chästeilet“, erklärt Erich Zehnder, Molkerei-Fachberater der Migros Basel. Heute ist leider keiner dieser Tage. Der Nebel hängt tief und unweit über den Baumwipfeln sind bereits Wolken, die den bevorstehenden Regen ankündigen. 

Oben auf der „Sichle“ angekommen, bin ich dann doch erstaunt. Trotz dem „Da bleib ich lieber zuhause“-Wetter ist die Festwiese dicht gefüllt. Traktoren und Anhänger reihen sich aneinander, Festvolk in Trachten und Regenmänteln tummelt sich zwischen den Ständen. Da der Nebel das schöne Bergpanorama verhüllt und die Temperaturen nicht allzu hoch sind, findet die Festwirtschaft in den Zelten und unter den überdachten Traktoranhängern bereits am frühen Morgen grossen Zuspruch.

Seit 1739 wird Käse im Justistal geteilt
Um 11 Uhr ist es dann soweit. Junge und alte Männer in schwarzen Westen reihen sich auf und holen die Käselaibe aus den prall gefüllten Speichern. In einer Überrollbewegung über den Arm werden sie jeweils an den Nächsten in der Reihe weitergeben und am Schluss auf massiven Holzbrettern zu sogenannten „Losen“ aufgestapelt. Dabei wird alter und junger Käse gleichmässig gemischt. Das Ritual wird begleitet von freudigem Applaus. Immer wieder stimmen die Anwesenden spontan ein Jodel-Lied an. Früher, wenn man mit der Verteilung nicht einverstanden war, hätte man unten beim Bachbett noch mit den Fäusten nachdiskutiert, erfahre ich von einem anwesenden Senn.

Nachdem die Speicher geleert sind, dürfen auch die Gäste ins Innere. Auf der Türumrandung ist die Jahreszahl 1739 geschnitzt. In diesem Jahr wurde der Speicher erbaut, und in diesem Jahr sei auch zum ersten Mal der Alpkäse geteilt worden, sagt der Volksmund. „Lange bestand das Justistal aus einer einzigen Alpgenossenschaft. Später wurde sie in verschiedenen Schritten geteilt. Heute bestehen neun Alpgenossenschaften im Tal.“, erzählt Wilfried Rumpf. Er ist für eine dieser Alpgenossenschaften tätig. „Die meisten Milchbauern verkaufen ihren Käse gleich vor Ort oder in ihrem Hofladen weiter“, erklärt er weiter. Da man als Älpler nicht gerade reich werde, sei der Ertrag aus dem Käse eine nicht unwesentliche Einkommensquelle.

Genau das richtige Wetter
Unterdessen hat es angefangen zu nieseln. Das scheint Florian Spielhofer, „Aus der Region“-Käseproduzent der Migros Basel, nicht zu stören. „Das ist perfektes Käsewetter! Ein bisschen Nebel und Niesel und schon steigt die Lust zum Käse-Degustieren“. Trotz dem richtigen Wetter leert sich das Gelände langsam und auch wir treten den Rückweg an. Bald ist mir klar warum der Rückweg dreimal so lange dauert wie der Hinweg. An jeder Ecke wird pausiert, ein Schluck getrunken, Suppe gegessen und diskutiert. Einer aus der Gruppe zückt ein Stück Käse aus seinem Rucksack und gibt ihn den Anwesenden zum Probieren. „Manche Produkte, die in der Migros Basel im Sortiment sind, haben wir hier oben entdeckt“, so Naim Berisha. In der Hälfte der Strecke holen uns Kuhglocken-Klänge ein.

Traditionellerweise folgt nach der Chästeilet jeweils der Alpabzug. Die Überführung des Viehs von der Alp ins Tal, wo es in den Stallungen der Bauernhöfe überwintert, bildet den Schlusspunkt des Alpsommers. Ist dieser ohne tödliche Unfälle verlaufen, werden die Herden für den Abzug kunstvoll mit Zweigen, Blumen und bunten Schleifen geschmückt. Während die Kühe sich in die Ställe zurückziehen, machen wir uns auf zum Abendessen. Eine riesige Auswahl Käsespezialitäten, aufgetischt auf einer rund 10 Meter langen Platte, empfängt uns. Ich entscheide mich für einen Alpkräuter- und einen süsslichen Halbhartkäse und setze mich hin. Draussen regnet es. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Stockhorn. Perfektes Käsewetter.

 

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