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Migros - Ein M besser

Die Kartoffel, die keine ist

Eigentlich kommen Süsskartoffeln aus wärmeren Gegenden. Doch Simon van der Veer und Christian Hurni haben es geschafft Süsskartoffeln in der Schweiz anzubauen. Sie sind bei der Migros Basel im Sortiment.

Schweizer Süsskartoffeln

Lange war sie ein Exot im Gemüseregal, heute wird die Süsskartoffel von Food-Bloggern gefeiert und auch in der Region Basel von Jahr zu Jahr immer begehrter. Kein Wunder, verfügt sie doch über so viele positive Inhaltsstoffe: viel Vitamin C und Beta-Carotin für die Abwehrkräfte, einen erhöhten Ballaststoffgehalt, damit man länger satt ist, sowie natürliche Folsäuren, die insbesondere für Schwangere wichtig sind. Es wird sogar behauptet, dass die Süsskartoffel, dank des hohen Gehalts an Vitamin E, den Alterungsprozess bremst. Erwiesen ist dies allerdings nicht.

Ursprünglich stammt die Süsskartoffel aus Mittel- und Südamerika. Sie braucht viel Wärme, um zu gedeihen, weshalb sie vorwiegend in Ländern mit viel Sonne, mildem Klima und langen Sommern angebaut wird. Bis anhin musste die Süsskartoffel deswegen einen langen Weg zurücklegen, bis sie im Regal der Migros Basel landete.

Die Gemüsebauer Simon van der Veer und Christian Hurni aus dem Seeland haben jedoch den Versuch gewagt, Süsskartoffeln auf ihren Feldern anzupflanzen.Bis zur ersten Ernte mussten sie viel Geduld aufbringen und eine Menge Vorarbeit leisten. „Zuerst ging es darum, die richtigen Setzlinge zu erhalten. Das war schwieriger als gedacht. 2014 machten wir ersten Versuche, im Jahr darauf konnten wir bereits die ersten Süsskartoffeln verkaufen“, so van der Veer. Mittlerweile erstrecken sich die Felder über vier Hektaren.

Keine Kartoffel
Im Mai werden die Setzlinge normalerweise gepflanzt. „Dieses Jahr war dies wegen des schlechten Frühlings erst einen Monat später möglich“, sagt Simon van der Veer. Es müsse immer der letzte Frost abgewartet werden. Da die Süsskartoffeln eigentlich nicht in der Schweiz beheimatet sind, gestaltet sich deren Aufzucht einiges schwieriger als der Anbau von Kartoffeln. Mit diesen haben sie nicht so viel gemeinsam, wie man denken würde. Van der Veer:„Die Kartoffel ist ein Nachtschattengewächs, die Süsskartoffel ein Windengewächs.“. Die langen Ausläufer der Windenpflanze machen auch das Ausgraben anstrengender. Während Kartoffeln vollmaschinell ausgegraben und geerntet werden können, geschieht das bei den Süsskartoffeln manuell. Da Süsskartoffeln eine dünne und empfindliche Schale haben, werden sie von Hand eingesammelt. Nach der Ernte kommen sie in einen klimatisierten Raum, in dem sie bei warmen Temperaturen während drei bis vier Wochen ihre etwas dickere Schalte ausbilden. Danach können sie gewaschen und abgepackt werden.  

Soziales Engagement
Die Aufzucht und Ernte der Süsskartoffeln ist in van der Veers und Hurnis Betrieb mit einem sozialen Engagement verbunden. Während bei den meisten Bauern polnische Saisonniers für die Erntezeit geholt werden, arbeiten auf seinen Süsskartoffelfeldern Langzeitarbeitslose, Sozialhilfeempfänger sowie vorläufig aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge. „Hier haben sie eine geregelte Tagesstruktur, übernehmen Aufgaben und Verantwortung und können sich integrieren. Sie sind vom Pflanzen der Setzlinge bis zum Ernten mit dabei.“, erklärt Flurin Mosimann, Landschaftsgärtner und Gruppenleiter des Landschaftswerks Biel-Seeland (Action Paysage Bienne-Seeland), das das Projekt zusammen mit den beiden Landwirten zur beruflichen (Re-)Integration in diesem Frühling lanciert hat. Bis jetzt habe man sehr gute Erfahrungen gemacht, sind sich Mosimann und van der Veer einig.

Seit September läuft die Ernte, im Oktober geht es schon in den Enspurt – und das ist gut so, denn die aufziehende Kälte tut den wetteranfälligen Süsskartofeln nicht gut. Obwohl oder vielleicht genau weil Simon van der Veer den ganzen Tag mit Süsskartoffeln zu tun hat, dürfen sie auch bei ihm am Ende des Arbeitstages auf dem Teller nicht fehlen – Egal ob grilliert, frittiert, gebacken, gedämpft, als Gratin, als Kartoffelstock oder roh. Oder mit anderen Worten: „Mit der Süsskartoffel wird es nie langweilig auf dem Teller.

 

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