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Migros - Ein M besser

Besuch im Paradies der Tiere

Seit Kurzem ist in der Genossenschaft Migros Basel «Bio-Weide-Beef» erhältlich. Das Migros-Magazin hat bei Rolf Schaffner auf dem Reizackerhof in Anwil nachgesehen, was es mit diesem Fleisch auf sich hat.

Bio Weide Beef

Die Bio-Weide-Beef-Rinder geniessen ihren Auslauf auf riesigen Weideflächen.

Die Anreise ins Baselbieter Dorf Anwil – oder Ammel, wie es auch genannt wird – mutetfast schon kitschig an: Die Landstrasse führt über Feld und Wald durch malerische Dörfer. Viel Grün, viele Obstbäume, viele kreisende Bussarde. Hier ist es also, das Paradies. Und auch auf dem Reizackerhof, dem Ziel der kleinen Reise, findet das Idyll kein Ende. Zwei Berner Sennenhunde begrüssen die Besucherin des Migros-Magazins schwanzwedelnd und wollen erst einmal ausgiebig gestreichelt werden. Es gackern die Hühner, es zwitschern die Vögel, es zirpen die Grillen. Auf dem Reizackerhof leben rund 30 Rinder, die, sobald sie genug Fleisch angesetzt haben, zu Bio-Weide-Beef verarbeitet werden. Passt das zusammen?

Lösung extensive Landwirtschaft
«Natürlich passt das zusammen», findet Rolf Schaffner, der gemeinsam mit seiner Frau Rita, Sohn Eugen und dem langjährigen Angestellten Andelco den Hof bewirtschaftet. «Wenn schon Fleisch, dann unbedingt nachhaltig produziertes.» Seit 15 Jahren wird der Reizackerhof nach Biorichtlinien betrieben. Rolf Schaffner hat das Anwesen 1985 von seinem Vater übernommen. «Wir haben die intensive Landwirtschaft immer infrage gestellt, haben schon früh gesehen, dass dieser Weg eine Sackgasse ist. Als der Biolandbau aufkam, haben wir daher beschlossen, unseren Hof umzustellen», erzählt der Landwirt. 27 Muttertiere, mit ihren Nachkommen insgesamt 70 Stück Vieh, leben derzeit auf dem Hof beziehungsweise springen über die angrenzenden Wiesen. Denn wenn immer möglich sind sie draussen auf der Weide. Stets mit dabei ist ein Muni, der dafür sorgt, dass die Kühe in regelmässigen Abständen trächtig werden. Er erledigt seinen Auftrag stolz und gewissenhaft.

Rund 30 Kälber kommen jährlich auf dem Hof zur Welt. In den ersten rund zehn Monaten leben sie bei ihren Müttern, bis diese kurz vor Niederkunft des nächsten Nachwuchses etwas Ruhe brauchen. Ab diesem Moment werden die Rinder offiziell zu Bio-Weide-Beef und kommen auf eine separate Weide, wo sie herumrennen, fressen und trinken dürfen, so viel sie wollen, bis sie ihr Zielgewicht von etwa 600 Kilogramm erreicht haben. Und dann? «Dann werden sie zum Schlachten abgeholt», erklärt Rolf Schaffner vermeintlich abgeklärt und fügt hinzu: «Das ist für mich nicht immer einfach, schliesslich war ich bei jeder Geburt dabei, habe die Tiere knapp zwei Jahre lang umsorgt und kenne den Charakter eines jeden.» Doch wer Fleisch essen will, muss Tiere töten.

Bio Weide Beef: Bauer und Sohn

Für die Nachfolge ist gesorgt: Rolf Schaffner (rechts) mit Sohn Eugen, der in Kürze die Bio-Landwirtschaftsschule Schwand in Münsingen, Bern, abschliessen wird und den Hof übernehmen möchte.

Wenn Fleisch, dann nachhaltig produziertes 
Grund genug, den eigenen Fleischkonsum zu überdenken und anstatt auf Menge auf Qualität zu setzen. Bio-Weide-Beef ist teurer als normales Rindfleisch. Nicht, weil irgendjemand damit viel Geld verdient, sondern weil eine nachhaltige Produktion aufwendig ist. «Unsere Kälber bewegen sich frei auf riesigen Flächen an der frischen Luft, fressen Weidegras und werden erst mit rund 20 Monaten geschlachtet. Unser Bio-Weide-Beef wird tier- und umweltfreundlich produziert. Mit Futter von unseren Feldern, ohne Pestizide, ohne gentechnisch manipuliertes Soja. Man kann es mit ruhigem Gewissen essen», sagt Rolf Schaffner überzeugt. 

Im Wissen darum, dass die Tiere in einem kleinen Paradies im Baselbiet gelebt haben, darf daher beim nächsten sommerlichen Grillabend neben dem Gemüse auch wieder einmal ein schönes Stück Fleisch liegen. «Aber Vorsicht», mahnt Rolf Schaffner, «kurz anbraten reicht! Bio-Weide-Beef ist so zart, dass es schade wäre, es länger auf dem Grill zu lassen.»

 

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