Navigation

Migros - Ein M besser

«Wir haben bereits vor der Absage am Plan B gearbeitet»

Weltklasse Zürich musste das Diamond-League-Finale wegen der Corona-Pandemie absagen. Die Organisation um Co-Direktor Andreas Hediger hat mit dem «OneMillionRun» aber gleich ein neues Projekt auf die Beine gestellt.

Running-Teaser.png

Am "OneMillionRun" nahmen 97'699 Menschen teil. Gemeinsam wurde eine Million Kilometer zurückgelegt - rennend, laufend, wandernd oder im Rollstuhl.

Interview mit Andreas Hediger, Co-Direktor Weltklasse Zürich

Andreas Hediger, wie waren die vergangenen acht Wochen für Sie?
Sie waren von der Frage geprägt, ob wir das Diamond-League-Finale durchführen können. Es zeichnete sich ab, dass es nicht möglich sein wird. Bei Weltklasse Zürich schauen wir immer nach vorn, haben vor der Absage an einem Plan B gearbeitet.

Sagten Sie den Event nur auf Basis des Verbots von Grossveranstaltungen bis August ab?
Die behördliche Bewilligung ist natürlich wichtig, doch spielten andere Komponenten mit rein. Schon seit dem 17. April fänden weltweit Vorausscheidungen für die Diamond League statt – im Normalfall. Und da bis jetzt alle Austragungen verschoben oder abgesagt wurden, funktioniert das ganze System des Wettkampfformats auch nicht mehr. Ohne Vorausscheidungen kein Finale vom 9. bis 11. September.

Deshalb kam nicht einmal ein Event ohne Publikum infrage?
Ein Wettkampf ohne Zuschauer im Letzigrund war für uns keine Option. Zudem ist unklar, was mit Ein- und Ausreisebestimmungen in den bevorstehenden Monaten passiert. Was bringt ein Finale, wenn die Hälfte der Athleten nicht anreisen kann?

Was bedeutet die Absage für die Athleten?
Seit zehn Jahren ist die Diamond League für die besten Leichtathleten die wichtigste Wettkampf-serie weltweit. Die Absage hat für Sportlerinnen und Sportler unterschiedliche Auswirkungen: Einige verdienen ihr Einkommen primär durch Sponsorenverträge, etwa mit dem Ausrüster. Andere haben Verbände hinter sich, die sie unterstützen. Leider gibt es aber Athleten, die abhängig von den Preisgeldern sind. Für diese ist die Situation natürlich besonders schwierig.

2020 wären Finalwettkämpfe aller Disziplinen in Zürich ausgetragen worden. Macht es dies besonders schmerzhaft?
Ja, grundsätzlich schon. Denn wir haben uns sehr auf dieses spezielle Jahr gefreut. Erstmals hätten alle Finalwettkämpfe in Zürich stattgefunden. Neben dem Stabhochsprung-Event im Hauptbahnhof waren neu fünf Finaldisziplinen auf dem Sechseläutenplatz vorgesehen. Wir waren mit den Vorbereitungen weit fortgeschritten, freuen uns aber jetzt darauf, das neue Format vom 8. bis 10. September 2021 präsentieren zu können. Dazu haben Sie nun etwas Neues auf die Beine gestellt. Es ist nicht unsere Art, den Kopf in den Sand zu stecken. Schnell haben wir ein neues Projekt angerissen: den «OneMillionRun», der am 30. und 31. Mai unter dem Motto «Die Schweiz läuft gemeinsam aus dem Stillstand» stattgefunden hat. Ziel war es, gemeinsam eine Million Kilometer zurückzulegen – rennend, laufend, wandernd oder im Rollstuhl. War das Projekt erfolgreich? In der ganzen Schweiz ist am Pfingstwochenende eine Dynamik entstanden, die wir so nicht vorhersehen konnten. Viele positive Rückmeldungen zeigen uns, dass es die Schweiz nach der doch sehr speziellen Zeit richtig nötig hatte, etwas Gemeinsames zu bewerkstelligen. Der «OneMillionRun» löste bei Zehntausenden ein echtes Wir-Gefühl aus. Es war beeindruckend.

Weltklasse-Artikelbild.jpg

Andreas Hediger (links) und Christoph Joho, die Co-Direktoren von Weltklasse Zürich.