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Sogar Hummeln arbeiten mit

Der Betrieb Imhofbio AG im zürcherischen Schwerzenbach baut neben Gurken, Kürbissen und Salaten auch Tomaten an – alles in Demeter-Qualität. Damit die Tomaten überhaupt wachsen, setzt man auf eine spezielle Vibrationsbestäubung, die nur Hummeln beherrschen.

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Rötlich braune Spuren an der Blüte (ganz rechts) bedeuten, dass die Hummeln hier bereits am Werk waren.

Schwarz mit zwei gelben Streifen und einem weissen Hinterleib: Das ist Bombus terrestris – die Dunkle Erdhummel. Sie ist eine der in Europa verbreitetsten Hummelarten. Lange galten Honigbienen als die besten Bestäuber für landwirtschaftliche Kulturen. Doch Ende der 1980er-Jahre fanden Forscher heraus, dass Hummeln dank ihrer Bestäubungstechnik oft effektiver sind. Die richtige Technik ist besonders beim Anbau von Tomatenkulturen der Schlüssel zur erfolgreichen Bestäubung. «Mit Hummeln erreichen wir die bestmögliche Bestäubung, optimalen Fruchtansatz und Tomaten von Topqualität», weiss René Sgier, Agronom und Betriebsleiter bei Imhofbio AG. Die meisten Insekten erreichen die pollentragenden Staubblätter der Tomaten nicht, da sie versteckt liegen. Nicht so die Hummel. Bei der sogenannten Vibrationsbestäubung klammert sie sich mit Vorderbeinen und Kiefern an die Blütenblätter und erzeugt durch schnelles Bewegen ihrer Flugmuskeln Vibrationen. Dadurch fällt der Pollen auf den Blütenstempel und die Unterseite des Hummelhinterteils. Die fleissigen Arbeiterinnen hinterlassen aber nicht nur eine bestäubte Blüte, sondern auch rötlich braune Markierungen auf der gelben Blüte. «Daran erkennen wir, welche Blüten einer Rispe bereits bestäubt sind», erklärt der Agronom. Seit April wachsen Tomatenpflanzen in durch Demeter-Präparate, Mist und Kompost angereicherter Erde, nochmals etwa vier Meter bis September. «Fortlaufend schneiden wir die ältesten Blätter ab und ernten die Tomaten», erzählt Sgier. «So stellen wir sicher, dass weitere Früchte heranreifen.» Die Cherrytomaten werden in Kartonschalen in Filialen der Migros Zürich verkauft.

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Rund 500 Hummeln übernehmen die Bestäubung in den drei Tomatengewächshäusern mit je 1000 Quadratmetern.

Der Hof als Gesamtorganismus
Der Gemüseanbauer Imhofbio AG in Schwerzenbach ZH produziert für die Supermärkte und «Alnatura Bio Super Märkte» der Migros Zürich neben Tomaten eine breite Gemüsepaletten wie die saisonalen Salate, Gurken, Kürbisse, Zucchetti und Fenchel in Demeter-Qualität. Demeter ist ein weltweit gültiges Qualitätslabel für Nahrungsmittel. Es existiert seit bald 100 Jahren und verfügt über die strengsten Richtlinien. Wer Demeter kauft, ist sicher, dass dahinter eine naturnahe und nachhaltige Verarbeitung steht. Der Betrieb stellte Anfang 2017 von Bio- auf Demeter-Produktion um. Die biologisch-dynamischen Richtlinien waren schnell erfüllt, nicht aber das Hauptziel: «Wir streben ein Gleichgewicht zwischen Mensch, Tier, Pflanze und Boden an und versuchen, den Hof als Gesamtorganismus ständig weiterzuentwickeln», führt Sgier aus. Er strebt eine intensive Gemüseproduktion an, die im Einklang mit der Natur steht. Als besonderer Erfolg erweist sich der Bodenaufbau mittels Leguminosen. Das sind Pflanzen wie Erbsen und Ackerbohnen, die in der Fruchtfolge zwischen den Kulturen angepflanzt werden und Stickstoff im Boden binden. Anschliessend werden sie als natürlicher Dünger unter den Boden gepflügt. Dem Landwirt ist klar: «Der Humusaufbau ist wichtig für den betriebseigenen Kreislauf.» Die Migros Zürich setzt auf eine gemeinsame Anbauplanung mit dem Gemüseproduzenten. Dadurch können benötigte Mengen im Voraus festgelegt werden. «Die Planung hat sich bewährt, denn so können wir die Nachfrage rascher erfüllen», so René Sgier. Mittlerweile führen neben allen Alnatura- auch 25 Filialen der Migros Zürich das ganze Jahr ein Demeter Sortiment im Früchte- und Gemüsebereich. Zudem bieten auch die Genossenschaften Aare, Basel, Genf und Luzern Demeter-Gemüse an. Um die steigende Nachfrage künftig decken zu können, ergänzen ab 2021 grössere Tomaten- und Gurkengewächshäuser den Betrieb.

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Gemeinsam mit der Migros Zürich entwickelte der Gemüseproduzent die neue Verpackung – bewusst ohne Plastik.