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Migros - Ein M besser

Lastwagen auf Samtpfoten

Eine Premiere auf Zürichs Strassen: Seit wenigen Wochen testet die Migros den ersten vollelektrischen Lastwagen. Das innovative Schwergewicht liefert Lebensmittel emissionsfrei an die Supermärkte.

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Ein gewöhnlicher Migros-Lastwagen könnte man auf den ersten Blick meinen. Doch weit gefehlt. Das 25-Tonnen-Gefährt verrichtet zwar genauso wie übliche Nutzfahrzeuge die täglichen Lebensmittellieferungen von der Betriebszentrale der Migros Zürich in die städtischen Filialen. Seine Besonderheit aber liegt im Verborgenen. Genau genommen unterhalb des Rahmens nahe der Radnaben der Hinterachse. Hier befinden sich statt eines brummenden Dieselmotors zwei leistungsstarke Elektromotoren. Vielleicht sind Lastwagen mit Elektroantrieb keine Neuheit mehr, aber dieses Schwergewicht ist es. Denn der Hersteller Mercedes-Benz testet gemeinsam mit der Migros das erste vollelektrische Nutzfahrzeug in Serie. Bisher war die Inbetriebnahme eines Lastwagens mit Elektroantrieb ein ausserordentlicher Kraftakt: Der neu erworbene Diesel-Lkw musste gleich wieder in die Werkstatt, hier montierte eine spezialisierte Firma den Motor, die Getriebe sowie Treibstofftank und Auspuffanlage ab und ersetzte diese mit Elektromotor sowie Batteriepaket. Es handelte sich sozusagen um eine Operation am offenen Lkw-Herzen – und um eine beträchtliche Investition ungefähr in der Höhe des Anschaffungspreises. In Zukunft könnte diese kosten- und zeitintensive Prozedur fällig sein. Mercedes-Benz prüft mit dem eActros die Serienproduktion von Kraftfahrzeugen mit Elektroantrieb. 

 

Weltweit nur zehn Stück
Zurzeit fahren in der gesamten Schweiz erst zwei solcher Fahrzeuge. Weitere acht sind in Deutschland unterwegs, zu Testzwecken aufgeteilt nach unter-schiedlichen Einsatzanforderungen. Mit ihren gekühlten Frischwarenlieferungen in der Stadt Zürich und der teils hügeligen Umgebung bietet die Migros Zürich ideale Voraussetzungen für den einjährigen Testbetrieb. Laufend wertet Mercedes-Benz die vom Gefährt automatisch übermittelten Daten aus. Die Messsysteme zeichnen den Stromverbrauch, den topographischen Einsatz des Fahrzeugs sowie dessen Nutzlast mit einem Volumen von über neun Tonnen detailliert auf. Allfällige Weiterentwicklungen bis zur Serienproduktion basieren auf diesen Daten. 

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«Anfängliche Skepsis»

Marco Grob, Leiter Transport bei der Migros Zürich, im Interview:

Wird die Migros in Zukunft ihre Filialen mit emissions-losen E-Lkw beliefern?
Elektromobilität ist eine von verschiedenen Möglichkeiten. Die Migros Zürich setzt künftig auch auf Wasserstoff-Lkw. Vorläufig werden die Dieselfahrzeuge nicht von der Bildfläche verschwinden. Die elektro- und wasserstoffbetriebenen Lastwagen sind noch nicht «ab Fliessband» erhältlich. Dank seiner Reichweite ist der Diesel-Lkw nach wie vor eine gute Wahl und mit  der neuesten Euro6-Motoren-Generation auch ökologisch verantwortbar.

Bedeutet E-Mobilität auto-matisch höhere Kosten?
Trotz der höheren Anschaffungskosten wird der eActros im Vergleich zu einem Diesel-Lkw infolge geringem Stromverbrauch und Befreiung der Emissionsabgaben nach rund fünf Betriebsjahren das wirtschaftlichere Fahrzeug sein.

Wie reagierten die Migros-Fahrer auf den neuen eActros?
Anfänglich war etwas Skepsis gegenüber der Elektromo-bilität spürbar, Fahrer haben schliesslich «Diesel im Blut». Doch schnell überwog die Freude am eActros. Das sehr angenehme Fahrverhalten in Kombination mit dem hohen Drehmoment überzeugten die Fahrer bereits bei der Probefahrt.