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"Wir sind alle kreativ"

Lina Wilms veröffentlichte bereits vier Bücher und gibt diverse Schreibkurse in der Klubschule der Migros Zürich. Ein Gespräch mit der 31-Jährigen über Inspiration, Schreibblockaden und wie das Schreiben die Kreativität jedes Einzelnen fördert.

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Lina Wilms gibt in Kursen an der Klubschule ihr Wissen rund ums Schreiben weiter.

Mit acht schrieben Sie Ihre erste Geschichte. Was war der Auslöser?
Lange dachte ich, dass mein eigenes Lesen der Auslöser für meine Freude
am Schreiben war. Doch während des Studiums wurde mir bewusst, dass
die «Schuld» wohl das Buch «Traumfresserchen» trägt, das meine Eltern
mir vorgelesen hatten. Diese Geschichte eröffnete mir neue Welten, und mit
dem Schreiben habe ich einen Kanal gefunden, diese Welten und Gestalten festzuhalten.

Können Sie sich noch an die allererste Geschichte erinnern?
Ich weiss nur noch, dass es um eine Mücke namens Mickey ging, die ein
verletztes Bein hatte und ins Spital musste (lacht).

Seit dem zehnten Lebensjahr schreiben Sie über die Liebe. Was hat es damit auf sich?
Die Liebe und Jungs fand ich immer interessant. Aber als mir meine Tante
mein erstes Buch der Reihe «freche Mädchen, freche Bücher» schenkte,
begann ich inspiriert davon Liebesgeschichten zu schreiben. Obwohl sie
sich rund um die Schule abspielten, waren es Fantasiegeschichten.

Was inspiriert Sie?
Bei mir «klopfen» die Figuren an. Plötzlich sind sie da, erzählen mir ihre
Geschichte. So lerne ich als ersten Schritt immer die Personen kennen und
beginne dann die Story niederzuschreiben.

Was kann man gegen Schreibblockaden tun?
Zuerst sollte man sich Zeit lassen und die Blockade als das akzeptieren,
was sie ist: eine Pause. Der Deutsche Lutz von Werder – einer der
Begründer des kreativen Schreibens – hat zwei Blockaden ausgemacht, die
unterschiedlich behandelt werden müssen. Eine kognitive Blockade besteht
dann, wenn der Schreibende Probleme mit dem Plot, den Figuren hat,
in der Geschichte nicht weiterkommt. Hier helfen gemäss von Werder
kreative Schreibübungen, weil sie von der «Problem-Geschichte» ablenken
und Luft hineinbringen. Emotionale Blockaden hingegen haben immer
mit uns privat zu tun, wir in unserem Leben mit etwas nicht im Reinen sind.
Dann empfiehlt es sich, diese Blockaden zuerst zu lösen, etwa durch
achtsames Schreiben.

Haben Sie in einer Ausbildung «gelernt» zu schreiben oder kann man das einfach?
Jeder kann schreiben – und ich kann jedem das Schreiben beibringen –
aber nicht jeder kann Autor sein. Ich war schon immer Autorin in meinem
Kern. Deshalb sehe ich das eher so: Als ich vor zehn Jahren die Schule für Angewandte Linguistik in Altstetten besuchte, war ich ein roher Diamant. Ich
lernte dort Techniken, die meine Texte verbesserten und kam geschliffener
heraus. Durch das ständige Lesen und Schreiben habe ich in den
vergangenen Jahren jedoch weiter meine Kreativität und Schreibkompetenz
entwickelt.

Viele Menschen haben den Wunsch eine Geschichte auf Papier zu bringen oder gar zu veröffentlichen. Was raten Sie denjenigen?
Für mich gibt es zwischen dem Schreiben und dem Veröffentlichen eines Textes oder Buches gravierende Unterschiede. Jeder, der schreiben will und
das ernst nimmt, sollte ohne Hintergedanken schreiben und nicht nur mit dem Ziel, dass es andere kaufen. Man sollte für sich schreiben, aus dem Herzen. Und wenn es am Ende Menschen gibt, die es so gut finden und überzeugt sind, dass das auch andere lesen müssen, dann kann man immer noch ans Veröffentlichen denken.

Ab Ende August unterrichten Sie an der Klubschule Zürich den Lehrgang CAS Schreiben. An wen richtet sich dieser Kurs?
An Menschen, die schon schreiben – egal ob Journalist, Drehbuchautorin oder Sachbuchautor. Der Lehrgang eignet sich insbesondere für Leute, die gerne literarisch schreiben möchten und ihrem Schreiben oder einem bestimmten Projekt noch mehr Zeit und Raum geben wollen. Man braucht aber kein laufendes Projekt, dies kann auch erst im Laufe des Kurses entstehen. Der Lehrgang besteht aus drei Modulen und dauert rund ein Jahr.

Und inwiefern unterscheidet sich der Kurs Achtsames Schreiben?
Dieser Kurs richtet sich an alle, die keine Ruhe im Alltag finden oder auf der Suche nach einer Möglichkeit sind, um bei sich selber anzukommen. Einige finden das im Sport, andere im Gärtnern wieder andere im Schreiben. Im Kurs lernen wir Methoden, um die eigene Achtsamkeit zu fördern und Kreativität zu aktivieren. Es geht null um Schreibkompetenz und niemand liest, was andere Teilnehmende schreiben, man schreibt nur für sich.

Ist es wichtig als angehender Autor einen Mentor zu haben?
Für mich ist Mentor das falsche Wort. Ich sehe mich mehr als Begleiterin oder Coach. Zeige Wege auf und gebe Raum und Zeit. Dabei kann jeder Teilnehmende selber entscheiden, in welchem Masse er meine Inputs annehmen will, das ist sehr individuell.

Das fragt bestimmt jeder: Kann man vom Schreiben leben?
Ich will nicht vom Schreiben leben können. Ich will nicht finanziell abhängig sein von meinen Büchern. Autorin ist, was ich bin, und meine Berufung ist, als «creative writing coach» den Menschen die Vorteile, die ihre Kreativität mit sich bringt, aufzuzeigen. Und kreatives Schreiben hat nicht nur Vorteile für das Individuum, sondern auch für die ganze Gesellschaft. Studien zeigen, dass kreatives Handeln – egal in welcher Form – das gleiche Hormon ausschüttet, wie wenn wir konsumieren. Mein Ziel ist es, dass die Gesellschaft aufhört, sich der Konsumgeilheit hinzugeben und stattdessen in ein kreatives Handeln kommt. Dafür müssen wir von der Vorstellung wegkommen, dass nur Genies und Künstler kreativ sein können, Kreativität ist nicht nur gewissen Leuten vorbehalten. Wir sind alle kreativ!

Sie sagen, Schreiben ist eine Technik, um die eigene Kreativität zu aktivieren. Ist für jeden das Schreiben der Weg zur eigenen Kreativität?
Nein, aber ein sehr, sehr einfacher und zugänglicher Weg. Man braucht nur einen Stift und etwas Papier, schon kann man loslegen. Versuchen Sie es!

Weitere Informationen zu den Kursen finden Sie hier:
Lehrgang CAS Schreiben
Weitere Schreibkurse