Navigation

Migros - Ein M besser

«Ich schlafe gar nicht gern allein»

Im Rahmen von «Zürich liest» tritt Thomas Meyer in vier Micasa-Filialen auf. In Dübendorf verrät der Zürcher Schriftsteller und Kolumnist, was er als Beziehungsexperte seinem 20-jährigen Ich raten würde und weshalb er in Romanen gern mit Klischees arbeitet.

thomas-meyer-micasa.jpg

Meyer in Micasa

Im Rahmen von «Zürich liest» absolviert Thomas Meyer eine Lesetour durch die Micasa- Filialen der Genossenschaft Migros Zürich und liest aus 
seinem neuesten Roman «Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin», seit 25. 9. bei ExLibris erhältlich (Diogenes Verlag, gebunden). 

Mi 23. 10., 18–19 Uhr: Micasa Dübendorf Hochbord Nord
Do 24. 10., 18–19 Uhr: Micasa Volketswil 
Fr 25. 10., 21–22 Uhr: Micasa Zürich City 
Sa 26. 10., 11–12 Uhr: Micasa  Zürich-Oerlikon (Pop-Up Store)

Der gemeinsame Gang ins Möbelhaus gilt als Belastungsprobe für Beziehungen. Haben Sie ihn je gewagt?
Ja, das habe ich schon gemacht, und ich erinnere mich, es hat im Streit geendet. Zusammen­wohnen ist jedoch die eigent­liche Belastungsprobe, denn dabei zeigt sich, wie viel die Beziehung wirklich aushält. Das Möbelhaus ist die Vorstufe, hier zeigen sich die «Charakter­fakten» eines Menschen. Be­stimmt der eine alles und der andere nickt nur ab? Man merkt, ob es passt. Die Schuld liegt aber nicht beim Möbelhaus, dieses steht einfach für eine maximale Intimität.

Kann man sich vorbereiten?
Bevor man zusammenzieht, empfehle ich, ernsthaft über  einige wichtige Themen zu reden. Zum Beispiel kann man aufschreiben, was in der Beziehung zwingend erforderlich und was inakzeptabel ist. Dann legen beide ihre Listen auf  den Tisch und reden darüber. Wichtig ist, dass man ehrlich miteinander ist und zu seinen Punkten steht.

Haben Sie einen Rat, den Sie Ihrem 20-jährigen Ich für Beziehungen geben könnten?
Ich würde ihm sagen, er solle nicht dauernd so ein Drama ma­chen. Vor allem wenn eine Frau nicht (mehr) mit mir zusammen sein wollte, war das extrem schlimm für mich, statt dass ich mir einfach selber gesagt hätte: «Dann passt es halt nicht.» 

Wann passt eine Beziehung?
Heute finde ich, es passt, wenn man sich in den wichtigen Din­gen ähnlich ist. Damit meine ich nicht den Film­ oder Musikge­schmack, auch nicht Hobbys wie Tennis spielen. Sondern grund­legende Punkte wie zum Beispiel Humor, Sexualität und Lebens­umstände und ­vorstellungen.

In einem Interview sagten Sie, dass Sie nie mehr mit einer Partnerin zusammenziehen. Gilt diese Aussage noch? 
Das war eine Schutzaussage und mittlerweile würde ich das auch nicht mehr so streng auslegen. Es bringt doch nichts, sich mit dem Zusammenziehen Zeit zu lassen, denn gewisse Dinge zeigen sich einfach erst, wenn man zusammenwohnt. 

Was geniessen Sie am Alleine-Wohnen?
Ich habe mal gelesen, dass jeder eine Stunde pro Tag allein sein sollte. Das geht halt besser, wenn man alleine wohnt. Mir tut es sehr gut, einfach mit mir zu sein. Wir alle haben zu wenig Einsamkeit in unserem Alltag.

Und was vermissen Sie?
Ich schlafe gar nicht gern allein. Und ich glaube auch, dass nur ganz wenige Menschen es gerne alleine tun. Ich finde es sehr un­angenehm, verstehe jedes Kind, das das nicht will – und verstehe Eltern nicht, die ihrem Kind 
zumuten, alleine zu schlafen.

Ihr neuester Roman «Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin» handelt von einer Nazi-Spionin, einer jüdischen Weltverschwörung und einem Cyberkrieg. Wie kam es zu diesem wilden Mix?
Das eine hat das andere ergeben. Alles hat mit dieser jüdischen Weltverschwörung angefangen. Ich habe die Zügel schleifen lassen und geschaut, wo es mich hinführt. Motti hat zwar wieder die Hauptrolle inne, doch steht er mitten in einer neuen Ge­schichte. Und ich legte diese 
Geschichte auf maximalen Spass beim Schreiben aus (grinst).  

Braucht es die Klischees rund um Juden und Nazis?
Ich würde weniger von brauchen reden, weil das impliziert, dass es auch ohne gehen würde. Aber dann wäre es ein ganz anderes Buch. Ich finde es interessant, dass Klischees für viele Leute et­was sind, was es nicht braucht. Für mich sind Klischees aber grösstenteils sehr lustig, etwa die überfürsorgliche, jüdische Mutter oder der rabiate Ober­-Nazi. Das ist für mich Humor­material, und mit Klischees zu jonglieren ist eine hohe Kunst. Schafft man es, mit Klischees so umzugehen, dass die Leute la­chen und niemand beleidigt ist, hat man es richtig gemacht.

Als Autor geht man ja mit  jedem seiner Büchern für Lesungen auf Tour. Lesen Sie überhaupt gerne vor?
Ja, schon immer. Mit lustigen Texten ist es immer ein Gaudi. Ich geniesse die ausgelassene Stimmung. Aber auch Lesungen mit ernsteren Themen gefallen mir, weil ich merke, wie die  Gäste nachdenklich werden. 

micasa-thomas-meyer.jpg