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Weiche Schale, harter Kern

Quitten waren während der letzten Jahre trotz steigender Nachfrage ein rares Gut – Feuerbrand machte der Pflanze das Leben schwer oder Frost liess die goldgelbe Frucht nicht gedeihen: Jetzt ist sie endlich wieder da.

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Sie sehen schon sehr verführerisch aus, wenn sie in den spätsommerlichen Sonnenstrahlen ihre Reife ausbilden, süsslich duften und saftig aussehen wie ein Apfel oder eine Birne. Kein Wunder, würde man da am liebsten hineinbeissen; jedoch sind die wenigsten der über 200 Quittensorten roh geniessbar. Gekocht oder gebacken aber, entwickeln sie ihr volles Aroma.Gerade jetzt, gegen Ende September, wenn die Farbe der Quitten von grün zu gelb umschlägt, herrscht auf dem Betrieb der Familie Hiltbrunner im schaffhauserischen Bibern Erntestimmmung. Die ganze Familie und eine Handvoll weiterer Helfer sind mit dem Ablesen der Quitten für etwa gut drei Wochen beschäftigt. Für die Hiltbrunners ein gewohntes Bild und eine lange Tradition – könnte man meinen – wäre die Quittenkultur nicht erst wenige Jahre alt.

Neuland betreten
René Hiltbrunner, der den Betrieb zusammen mit seiner Frau leitet, ist gelernter Landwirt und Zimmermann. In Bibern, im Kanton Schaffhausen aufgewachsen, ist er nach der Ausbildung und Wanderjahren hierher zurückgekehrt, wo er den Hof seit 2000 in der dritten Generation bewirtschaftet. Die achtköpfige Familie – Hiltbrunners Eltern wirtschaften weiterhin mit– betreibt Acker-, Obst- und Futteranbau, ausserdem Pouletmast und Mutterkuhhaltung. René Hiltbrunners Leidenschaft gilt den Mutterkühen und dem Obst. Neben Kirschen gehören seit gut vier Jahren auch Quitten dazu, wovon der Grossteil der Ernte über die Tobi Seeobst AG vermarktet wird. Diese holt die Früchte direkt vom Betrieb ab, sortiert und kommissioniert sie in ihrer Zentrale für die Supermärkte. Als die Migros vor einigen Jahren über die Tobi Seeobst AG auf Hiltbrunner zukam, mit dem Wunsch Quitten anzubauen, zögerte René Hiltbrunner zunächst. Nicht dass er keine Quitten mochte. Sie sind sehr pflegeleicht und brauchen lediglich einen guten Mix aus Sonne und Feuchtigkeit. Nein, es war wegen der heiklen Phase der Blütenzeit, die René Hiltbrunner die Entscheidung für die Kultivierung schwer machte. Denn hier liegt auch heute noch seine grösste Sorge: Quitten sind sehr anfällig auf Feuerbrand. Und nur zu gut erinnern sich Obstbauern an das Jahr 2008, als die Krankheit in der Schweiz wütete. Um weitere Bäume vor dem hochansteckenden Bakterium zu schützen, mussten die befallenen Bäume gefällt werden. Schweizweit ging es um grosse Bestände: Quittenbäume, aber auch Apfel- und Birnbäume waren betroffen.

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Zarte Pflänzchen: die Quittenkultur noch vor wenigen Jahren – mittlerweile sind
die Bäume robust und kräftig.

Wachsende Erträge
Schliesslich habe er sich aber doch durchgerungen und im Jahr 2016 seine Quittenkulturen gesetzt. Die Quittenbäume wachsen tüchtig und füllen die Erntekörbe jedes Jahr mehr. Heuer erwartet Hiltbrunner bereits zehn Tonnen Quitten. In ein paar Jahren sollen es dann nochmals etwa fünfmal so viele sein. Doch was lässt sich eigentlich alles mit Quitten anstellen ausser Gelee und Konfitüre? Hiltbrunners verarbeiten sie ausserdem noch zu Quittenpästli, Chutney oder sie verwerten die Reste in der Brennerei zu Schnaps. Und dann ist da noch der Quittenkuchen, René Hiltbrunners Lieblingsrezept. Ein beliebtes Mitbringsel und ein immer gern gesehener Gast am eigenen Familientisch.

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Quittenproduzent René Hiltbrunner inmitten heranreifender Früchte.