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Migros - Ein M besser

23.01.2015 - Stellungnahmen Preissenkungen aufgrund des starken Frankens

Migros-Marketingchef Hansueli Siber erklärt, welche Produkte durch den starken Franken günstiger werden und weshalb die Migros vor allem auf Produkte aus der Schweiz setzt.

Hansueli Siber

Hansueli Siber, durch die Aufhebung der Euro-Untergrenze kann die Migros Produkte im Euroraum günstiger einkaufen. Wann spüren die Kunden das im Laden?

Sobald wir unsere Produkte günstiger einkaufen können, geben wir die Vorteile an unsere Kunden weiter. Das ist das Migros-Prinzip. Bei der letzten Frankenstärke 2011 bestätigte uns der Preisüberwacher, dass wir nicht nur die Währungsgewinne weitergegeben, sondern darüber hinaus die Preise gesenkt haben.

Konkret: Welche Produkte werden günstiger?

Die meisten Produkte, die heute in den Läden und in unseren Verteilzentralen sind, haben wir vor Wochen oder sogar vor Monaten eingekauft – zum alten Eurokurs. Am schnellsten wird die Veränderung bei Früchten und Gemüse aus dem Euroraum spürbar sein, weil wir diese kurzfristig einkaufen und wöchentlich wechselnde Preise haben. Ab dieser Woche sind die Preise von importierten Früchten und Gemüse um 10 bis 30 Prozent günstiger.

Wie erklärt sich diese grosse Bandbreite?

Nebst dem Wechselkurs haben noch andere Faktoren einen Einfluss auf den Preis. Am wichtigsten sind die verfügbaren Mengen: Wenn zu viel Ware auf dem Markt ist, wird sie günstiger, wenn sie knapp ist, werden die Preise höher.

Wie viele Produkte beschafft die Migros überhaupt aus dem EU-Raum?

Den mit Abstand grössten Teil der Ware beziehen wir von unseren eigenen Migros-Industriebetrieben in der Schweiz oder direkt von der Schweizer Landwirtschaft. Wenn unsere Industriebetriebe Rohstoffe, die sie im Ausland beschaffen und in der Schweiz verarbeiten, zu günstigeren Konditionen einkaufen können, geben wir selbstverständlich auch diese Vorteile weiter. Der Anteil, den wir in Euro bezahlen, liegt im einstelligen Prozentbereich.

Und was ist mit Markenartikeln, die wir aus dem Euroraum beziehen, aber bei Schweizer Importeuren in Schweizer Franken bezahlen müssen? Hier ergeben sich nun ja auch Währungsvorteile.

Das ist richtig, und wir werden uns wie schon in der Vergangenheit bei unseren Lieferanten mit aller Vehemenz dafür einsetzen, dass diese Währungsvorteile an uns weitergegeben werden. Die Partner müssen verstehen, dass wir im Gegensatz zu früheren Verhandlungsrunden weder Verständnis noch Zeit haben und auch nicht bereit sind, Gegenleistungen zu erbringen. Unsere Einkäuferinnen und Einkäufer lassen sich nicht mit fadenscheinigen Argumenten vertrösten. Wir sind nicht auf dem Basar!

Welche Argumente bringen die Markenartikel-Multis denn vor?

Sie verweisen beispielsweise auf ihre Niederlassungen, die sie in der Schweiz betreiben. Vor 30 Jahren hatten diese eine gewisse Legitimität, weil der Handel noch nicht so international war. Heute dienen die Niederlassungen in erster Linie dazu, die hohe Kaufkraft der Schweizer abzuschöpfen. Tröstlich ist, dass wir von einem relativ geringen Beschaffungsvolumen sprechen: 80Prozent des Migros-Sortiments sind Eigenmarken, 75 Prozent unserer Lebensmittel kommen aus der Schweiz. Beides wird von unseren Kunden ganz besonders geschätzt.

Das heisst auch, dass der Effekt auf die Preise durch den starken Franken nicht so gross ist. Machen Sie sich keine Sorgen, dass der Einkaufstourismus weiter angeheizt wird?

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, Nachhaltigkeit, unser soziales und ökologisches Engagement, Regionalität, unsere Eigenmarken, die wir selber in der Schweiz herstellen: Das sind alles Gründe, weshalb unsere Kunden Tag für Tag der Migros ihr Vertrauen schenken. Wir halten an diesen Werten fest und bauen unsere Anstrengungen laufend aus. Der Umsatz mit dem bereits vor 15 Jahren lancierten «Aus der Region. Für die Region.»-Programm lag im letzten Jahr bei über 870 Millionen Franken; da müssten wir über 24 Jahre lang Haarpflegeprodukte von Markenherstellern verkaufen, um dem Thema eine ähnlich grosse Bedeutung zu geben.


Das fordert die Migros für ihre Kunden

Für gewisse internationale Markenartikel wie Nivea zahlt die Migros Einstandspreise, die hoher sind als die Ladenpreise in Deutschland. Denn die Migros muss diese Produkte zwingend bei den Schweizer Ablegern solcher internationaler Konzerne in Schweizer Franken beschaffen – zu uberhohten Preisen. Betroffen von dieser Kaufkraftabschopfung sind auch viele KMU, Wirte und Hoteliers, die sich in einem Komitee fur faire Importpreise zusammengeschlossen haben. Im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten unterstutzt die Migros gemeinsam mit den KMU einen neuen Anlauf im Parlament, um dieser Praxis einen Riegel zu schieben.